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    Würzburg

    Streiter für Glaube und Tradition

    Der Deutsche Orden hielt unter seinem neuen Hochmeister Frank Bayard OT seine Investitur in Würzburg ab. Ein Porträt.

    Deutscher Orden
    Der Hochmeister mit den neu aufgenommenen Familiaren des Deutschen Ordens. Foto: OT/Hochmeisteramt

    Offenheit und Innovationsfreude sind sicher nicht die ersten Attribute, mit denen man einen ehemaligen Ritterorden Anfang des 21. Jahrhunderts charakterisieren würde. Doch hebt Frank Bayard, der im vergangenen Jahr gewählten Hochmeister des Deutschen Ordens, gerade diese Eigenschaften hervor, wenn man ihn über die Geschichte seiner traditionsreichen Gemeinschaft und ihr Charisma befragt. Die Hoch- und Deutschmeister des über 800 Jahre alten Ordens der Brüder vom Deutschen Haus Sankt Mariens, wie die ursprünglich als Hospitalorden gegründete Gemeinschaft vollständig genannt wird, gehörten zu den höchsten geistlichen Würdenträgern des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Bayard tritt als 66. Hochmeister in eine Reihe von Persönlichkeiten wie der Kölner Kurfürsten Clemens August von Bayern oder Maximilian Franz von Österreich.

    Bayard lernte den Orden eher zufällig kennen

    Dabei lernte der gebürtige Saarländer Bayard, der heute etwa 100 Ordenspriestern, 100 Ordensschwestern und knapp 800 Familiaren, das heißt dem Orden verbundenen Laien und Weltklerikern, vorsteht, den Orden eher zufällig kennen. Eigentlich zog ihn nach langjähriger Tätigkeit bei einem großen deutschen Finanzinstitut zunächst das monastische Leben als Benediktiner an. Dann aber lernte er über einen alten Schulkameraden den Deutschen Orden in Frankfurt kennen. 2000 trat er dann auch der Deutschen Brüderprovinz bei, dem klerikalen Orden, in den der Ritterorden im Jahre 1929 umgewandelt wurde. Im vergangenen Jahr folgte die Wahl Bayards zum Hochmeister und die Abtsbenediktion durch Kardinal Schönborn im Wiener Stephansdom.

    Seine Studien der Theologie und Geschichte führten ihn zuvor nach Innsbruck und Wien: Dabei stellt Tirol ein Stammgebiet des Ordens dar, wo er in über 800 Jahren nie unterging, Wien ist seit der Säkularisation in Nord- und Ostdeutschland der Hauptsitz des Ordens; durch die tiefe Verbindung des Ordens mit dem Haus Österreich ist Wien auch sein geistiges Zentrum. Aufgrund seiner Berufserfahrung als Bänker war Bayard prädestiniert, zunächst als Ökonom des Ordens Verantwortung zu übernehmen. Leidenschaftlicher berichtet er aber über seine andere Aufgabe, der Leitung des Zentralarchivs im Wiener Hochmeisteramt, das die Geschichte des Ordens birgt, von der beeindruckenden Vernetzung vom Heiligen Land bis nach Osteuropa, von großen kulturellen Leistungen im Bereich von Architektur, Technik und Verwaltungswesen, Caritas und Seelsorge.

    Investitur mitten in der alten fränkischen Hochburg

    Die anlässlich seiner 800-jährigen Präsenz in Würzburg abgehaltene Investitur führte den Deutschen Orden mitten in seine alte fränkische Hochburg, wo er bis zur Säkularisation über stolze Besitztümer verfügte. Die 300 Familiaren, die zur Begrüßung ihrer 32 neuen Confratres und -sorores kamen, wie sich die Familiaren untereinander nennen, tragen wie die Kleriker des Ordens und Ordensschwestern das bekannte schwarze Kreuz auf weißem Grund als Erkennungsmerkmal auf ihren schwarzen Ordensmänteln. Bayard ist es ein Anliegen, dass die Familiaren ihre Zugehörigkeit zum Orden nicht nur privat ernst nehmen, sondern als Zeugen für den katholischen Glauben in der Welt Not wahrnehmen und den Wahlspruch des Ordens „Helfen und Heilen“ auch im Beruf leben. Dazu sei die innovative Geschichte des Ordens gerade für die Familiaren Inspiration, denn der Glaube habe die Deutschordensritter zu konkretem Handeln motiviert: Sei es vor Akkon zum Aufbau des Hospitalwesens oder in der Zwischenkriegszeit in Böhmen mit dem Aufbau kirchlicher Publikationsorgane.

    Eine besondere Freude ist dem studierten Historiker Bayard, dass durch wohltätige Familiaren des Ordens eine einzigartige Forschungsstelle für die Ordensgeschichte an der Universität Würzburg eingerichtet werden konnte: Der Fokus der Wahrnehmung der Ordensgeschichte habe sich nicht zuletzt auch durch diese Investitionen in der breiteren Forschung verstärkt von der Schlachtengeschichte hin zur Wahrnehmung der Spiritualität und sozialgeschichtlicher Aspekte ausgeweitet.

    Definiert über Geschichte als militärischer Orden

    Bayard hebt hervor, dass gerade durch eine breitere Wahrnehmung der Ordensgeschichte jenseits der Stichworte „Kreuzzüge“ und „Tannenberg“ die Errungenschaften der Ordensbrüder im Kontext der jeweiligen Zeitgeschichte neu gewürdigt werden könnten. Auch wenn der Orden seit 1929 kein Ritterorden mehr ist, und der letzte Ritter 1970 verstarb, ist der Orden in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem über seine Geschichte als militärischer Orden definiert. Daher ist das Verhältnis des Ordens zu den Ländern Mittel- und Osteuropas in der Vergangenheit nicht spannungsfrei gewesen. Aber auch hier gibt es Bewegung. Der Vorgänger von Bayard, AltHochmeister Bruno Platter, wurde zur 600-Jahrfeier der Schlacht von Tannenberg vom polnischen Präsidenten Bronis³aw Komorowski eingeladen und hielt auf dem Schlachtfeld eine bewegende Rede, wie Bayard berichtet. Auch nach Tschechien und in die Slowakei konnte der Orden zurückkehren und unterhält dort Niederlassungen. Allgemein stellt der Hochmeister eine Entspannung gegenüber dem Orden fest und dass er mittlerweile differenzierter wahrgenommen wird.

    Als Herausforderung für den Orden nennt Bayard die Freilegung des spirituellen Kerns der Ordenstradition für die Familiaren, mit denen die Geschicke des Ordens etwa aufgrund des betagten Schwesternzweiges immer stärker verbunden sind. Der Hochmeister führt an, dass bereits jetzt Ordenswerke in die Obhut von Familiaren gegeben wurden beziehungsweise von diesen betrieben werden, die die Einrichtungen im Sinne der Ordensspiritualität mit christlichem Geist erfüllen. Ebenso sei die Brüderprovinz in Deutschland auch mit Herausforderungen im Bereich der Pfarrseelsorge konfrontiert, die ein Kernelement der Arbeit des Ordens darstellt. Die Integration von Ordenshäusern, in denen drei oder vier Mitbrüder gemeinsam Dienst tun, falle bei den größeren Strukturen, die die Bistümer schaffen, immer schwerer.

    Der „Orden der Brüder vom Deutschen Haus St. Mariens in Jerusalem“ wurde im Jahr 1190, während des dritten Kreuzzuges, im heiligen Land zunächst als Hospitalbruderschaft gegründet und bereits 1198 in einen geistlichen Ritterorden umgewandelt. Heute ist er ein klerikales Ordensinstitut päpstlichen Rechts. Während der Orden in Österreich nach der Säkularisation fortbestand, wurde er in Deutschland nach 1945 von Ordenspriestern aus dem Sudentenland wiedergegründet.

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