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    Würzburg

    Shutdown auch bei "Kirchen's"?

    Rezession: Die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise werden Kirche, Staat und Gesellschaft noch lange beschäftigen.

    Coronavirus - Auswirkungen auf die Wirtschaft
    Die Folgen des schlussendlich brachialen Handelns der Bundes- und Landesregierungen zur Eindämmung des Coronavirus sind ... Foto: Uwe Zucchi (dpa)

    "Seit der Deutschen Einheit, nein, seit dem Zweiten Weltkrieg gab es keine Herausforderung an unser Land mehr, bei der es so sehr auf unser gemeinsames solidarisches Handeln ankommt." Mit diesen Worten richtete sich Bundeskanzlerin Angela Merkel vergangene Woche an das deutsche Volk und schwur so die Bürgerinnen und Bürger nicht nur auf drastische Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie ein.

    Bis zu 1,8 Millionen Erwerbslose infolge der Krise

    Denn die Folgen des schlussendlich brachialen Handelns der Bundes- und Landesregierungen sind nicht absehbar. So legte das ifo-Institut eine erste Einschätzung der wirtschaftlichen Folgen des "Shutdowns" vor. "Je nach Szenario schrumpft die Wirtschaft um 7,2 bis 20,6 Prozentpunkte. Das entspricht Kosten von 255 bis 729 Milliarden Euro", so ifo-Präsident Clemens Fuest. Damit würden die Kosten alles übertreffen, was die Bundesrepublik in den vergangenen Jahrzehnten bei Wirtschaftskrisen stemmen musste. Folgekosten stehen in Aussicht, die entgegen den Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie, das Gemeinwesen insgesamt für lange Zeit belasten werden. Ifo erwartet massive Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt, die mit bis zu 1,8 Millionen Erwerbslosen und bis zu sechs Millionen Kurzarbeitern die Zustände auf dem Höhepunkt der Finanzkrise in den Schatten stellen werden, wie Fuest betont.
    Die Folgen für das Gemeinwesen und die Sozialversicherungssysteme sind mit den vorangegangenen Krisen kaum zu vergleichen, zumal die europäische und globale Dimension durch die Schließung der Grenzen und die Beeinträchtigung der Lieferketten bislang unvorstellbar war.

    Misereor-Bischof Stephan Burger richtete daher auch den Blick auf die Krisengebiete, die schon jetzt nicht nur unter der Epidemie und deren Folgen leiden. Die Nöte in Krieg, Hunger und auf der Flucht werden sich verschärfen. Der Freiburger Erzbischof appelliert daher, dass die deutschen Katholiken sie nicht im Stich lassen dürften. In Anbetracht des Ausfalls der Kollekten für Misereor und die Christen im Heiligen Land in den kommenden Tagen wachsen die Befürchtungen, dass die Spendeneinbußen drastisch ausfallen könnten.  

    Noch will man am Synodalen Weg feshalten

    Unterdessen befassen sich die ersten deutschen Bistümer mit der Zukunft der kirchlichen Finanzkraft, die für die Aufrechterhaltung nicht nur der flächendeckenden Seelsorge, sondern auch eines großen Apparats aus Ordinariaten, Verbänden, Hochschulen bis hin zu Tagungshäusern und Akademien essentiell ist. Das Kirchensteueraufkommen wird nun nicht nur durch den massiven Anstieg der Kirchenaustritte des vergangenen Jahres einbrechen, sondern weit mehr durch die Folgen der Rezession. So stellte der Rottenburger Generalvikar Clemens Stroppel fest, es sei mit einer deutlichen Abschwächung des Bruttoinlandsprodukts und damit auch der Kirchensteuereinnahmen zu rechnen. Während in Rottenburg-Stuttgart noch nicht in den laufenden Haushalt und geplante Investitionsvorhaben eingegriffen werden soll, heißt es schon im Erzbistum Freiburg, dass um "absehbare Ausfälle" abzufedern, der Haushalt überprüft wird.

    Zu Anfang des Jahres wollten sich die Katholiken in Deutschland auf einen Synodalen Weg machen. Und auch die Arbeit des Präsidiums verlagert sich wie ein Großteil des kirchlichen Lebens ins Virtuelle, während man noch am durchgesetzten Themenkanon und sogar der nächsten Synodalversammlung Anfang September festhält. Die Aufgaben der Kirche in den nächsten Monaten werden sich zunächst darauf verlagern, Trost zu spenden und die Solidarität mit den noch stärker betroffenen Krisengebieten nicht abreißen zu lassen. Doch wie es ausschaut, wird Corona erst der Anfang der Krise - in Kirche, Staat und Gesellschaft.

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