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    Freiburg

    Nicht mal eine Fußnote lässt einen Türspalt offen

    Keine "viri probati", keine Frauenweihe: Der Freiburger Dogmatiker Professor Helmut Hoping wertet das Nachsynodale Schreiben des Papstes als große Ernüchterung für den Synodalen Weg. Geweckte Hoffnungen seien schon zu Beginn des Weges zerstoben.

    Papst Franziskus: Nachsynodales Schreiben von  hat Folgen
    Foto: Simon Kremer (dpa)

    Es mag auf den ersten Blick überraschen, dass Papst Franziskus in seinem Nachsynodalen Schreiben „Querida Amazonia“ die Weihe von verheirateten Diakonen zu Priestern nicht mit einem Wort erwähnt, hatten damit doch viele gerechnet, da sich eine Mehrheit auf der Bischofssynode dafür ausgesprochen hatte. Doch nicht einmal eine enigmatische Fußnote findet sich dazu im Schreiben des Papstes, ebenso wenig eine solche zur Weihe von Frauen zu Diakonen.

    Inkulturation der römischen Liturgie statt amazonischer Ritus

    Die floskelhafte Ermutigung am Ende des Schreibens, in den Visionen für das geliebte Amazonien (Querida Amazonia) „auf konkreten Wegen weiterzugehen“ (Nr. 111), wird man wohl nicht ernsthaft als einen Türspalt, den Franziskus für verheiratete Priester und weibliche Diakone offen hält, ausgeben wollen.

    Eine Fußnote findet sich dagegen zum „amazonischen Ritus“, der auf der Synode angeregt wurde. Doch Franziskus setzt nicht auf eine Rituskirche in Amazonien, sondern auf eine „Inkulturation der Liturgie“ des römischen Ritus, wobei auffällt, dass er – trotz der irritierenden Verehrung der Pachamama bei der Bischofssynode – ein sehr großzügiges Vorgehen bei der Aufnahme von Elementen indigener Volksfrömmigkeit empfiehlt. 

    "Die Hoffnungen, die man hinsichtlich der Zugangsbedingungen für die Weiheämter geweckt hatte, sind schon zu Beginn des Synodalen Weges zerstoben"
    Professor Helmut Hoping 

    Bei verheirateten Priestern aus dem Kreis der Diakone fürchtete Franziskus wohl, sie würden eine Art Katalysator für einen optionalen Zölibat werden, was schon die Sorge von Johannes Paul II. war. Ein Diakonat der Frau wäre wegen der Einheit des Weihesakraments ein Präjudiz für die lehramtlich definitiv ausgeschlossene Priesterweihe von Frauen gewesen.

    Für den von DBK und ZdK getragenen Synodalen Weg, durch den Vertrauen nach dem Missbrauchsskandal wiedergewonnen werden sollte, bedeutet das Schreiben des Papstes eine große Ernüchterung. Die Hoffnungen, die man hinsichtlich der Zugangsbedingungen für die Weiheämter geweckt hatte, sind schon zu Beginn des Synodalen Weges zerstoben. 

    Nun muss der Ruhrbischof wohl eine Kurskorrektur vornehmen

    Einen Tag vor Veröffentlichung des päpstlichen Schreibens kündigte Kardinal Marx an, als Vorsitzender der DBK nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Ein optionaler Zölibat wurde in jüngerer Zeit von Theologen und Bischöfen als Konsequenz aus dem Missbrauchsskandal gefordert, obschon kein innerer Zusammenhang von Zölibat und sexuellem Missbrauch nachweisbar ist.

    Franz-Josef Overbeck, der als einer der Kandidaten für die Nachfolge von Reinhard Kardinal Marx als DBK-Vorsitzender gehandelt wird, nannte den Zölibat für Priester des römischen Ritus jüngst gar ein „Relikt aus vergangenen Zeiten“. Mehrfach erklärte er zudem, er würde sich freuen, bald auch Frauen das Weihesakrament spenden zu können. Nun muss der Ruhrbischof wohl eine Kurskorrektur vornehmen, aber darin ist er ja geübt. 

    Der Autor, Professor Helmut Hoping, hat den Lehrstuhl für Dogmatik und Liturgiewissenschaft an der Theologische Fakultät der Universität Freiburg inne.

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