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    Vatikanstadt

    Nachsynodales Schreiben: Alles bleibt, wie es immer war

    Mit seinem Amazonas-Schreiben erteilt Papst Franziskus dem Frauendiakonat und der Priesterweihe verheirateter Männer eine Absage. Lesen Sie das Schreiben hier im Wortlaut.

    Vatikan veröffentlicht nachsynodales Papstschreiben
    „Querida Amazonia“ ist ein fast poetischer Text, gewissermaßen eine Art Liebeserklärung des Papstes an sein geliebtes Am... Foto: Evandro Inetti (ZUMA Wire)

    Papst Franziskus hat sich entschieden, mit seinem postynodalen Schreiben „Querida Amazonia“ (Das geliebte Amazonien) keine der Türen zu öffnen, über die im Umfeld der vergangenen Bischofsversammlung zum Amazonasbecken immer wieder spekuliert worden war: Weder die zur Weihe verheirateter Diakone zu Priestern, was die Synode dem Papst im Schlussdokument vorgeschlagen hatte. Noch die zur Weihe von Frauen zu Diakonen– ein Thema, das auf der Bischofsversammlung selbst breiten Raum eingenommen hatte. Und auch nicht die zur Erarbeitung eines amazonischen Ritus, was ebenfalls ein Votum der Synode war. Wenn man bedenkt, dass ein deutscher Bischof sogar die Erwartung geäußert hatte, dass in der katholischen Kirche nach der Amazonas-Synode nichts mehr so sein würde wie vorher, dann muss man das von Franziskus vorgelegte Schreiben sogar als ausgesprochen konservativ bezeichnen. In der Frage des Priestermangels in abgelegenen Regionen etwa regt der Papst das an, was immer eine Antwort der Kirche war: Mehr Priester als Missionare in diese Gegenden zu schicken.

    Klassische Antworten der Pastoral

    „Querida Amazonia“ ist ein fast poetischer Text, gewissermaßen eine Art Liebeserklärung des Papstes an sein geliebtes Amazonien. Zu Beginn des Textes träumt Franziskus von einem Amazonien, das „für die Rechte der Armen kämpft“, das seinen „kulturellen Reichtum bewahrt“ und die „überwältigende Schönheit“ seiner Natur „eifersüchtig hütet“. Die ersten drei Kapitel verbinden drei Visionen für die Region, eine soziale, eine kulturelle und eine ökologische, woraus dann im vierten Kapitel eine „kirchliche Vision“ hervorgeht, die die klassischen Felder der Pastoral vertieft: die Verkündigung der Schrift, die christliche Bildung und Erziehung, die Inkulturation, die Liturgie und die Feier der Sakramente. Was es an Besonderheiten im Amazonasgebiet jetzt schon gibt, wird nochmals wiederholt: Laien als Gemeindeleiter, Basisgemeinschaften und das besondere Engagement von Frauen, die „Zugang zu Aufgaben und auch kirchlichen Diensten haben“ sollen, die „nicht die heiligen Weihen erfordern“.

    Zum Ende des Schreibens wendet Franziskus seinen Blick auf die Gottesmutter, die Mutter Amazoniens. Hatte das Arbeitspapier der Synode, das „Instrumentum laboris“, noch von den Indigenen als theologisches Paradigma für die ganze Kirche und Ort einer neuen Offenbarung Gottes gesprochen, so lehnt Franziskus in dem Kapitel über die kulturelle Vision jeden „geschlossenen, ahistorischen, statischen Indigenismus“ ab. Stattdessen lädt der Papst die Indios ein, katholisch zu werden.

    Keine Veränderung beim Zölibat

    Der Pressesaal verbreitete am Mittwochvormittag zusammen mit dem Text des postsynodalen Schreibens ein Editorial des Chefredakteurs aller vatikanischen Medien, Andrea Tornielli, das als Schlüssel zum Verständnis von „Querida Amazonia“ dienen soll. Franziskus bezeuge mit seinem Text einen Blick, der  „über die dialektischen Dispute hinausgeht, die die Synode quasi als Referendum über Möglichkeit darstellen wollten, verheiratete Männer zu Priestern zu weihen“. Das sei eine Frage, über die der Papst meditiert habe – mit dem Ergebnis, „keine Veränderungen oder weitere Möglichkeiten der Ausnahmen hinsichtlich dessen vorzusehen, was die geltende kirchliche Disziplin bereits vorsieht“. Stattdessen wolle der  Papst, dass man vom Wesentlichen ausgeht, „von einem gelebten und inkarnierten Glauben, von einem erneuerten missionarischen Eifer, der Frucht der Gnade ist, das heißt dem Handeln Gottes Raum gibt und nicht Marketing-Strategien oder kommunikativen Techniken religiöser Influencer“.

    Tornielli unterstreicht den konservativen Grundzug des postsynodalen Schreibens: Die universale Kirche solle mit Großzügigkeit auf die Völker Amazoniens blicken, wo es vielerorts unmöglich sei, die sonntägliche Eucharistie zu feiern, und darauf „mit der Entsendung neuer Missioanre“ reagieren. Dabei solle man „alle Charismen wertschätzen und auf neue Dienste und Ämter setzen, für die keine Weihe vorgesehen ist und die in dauerhafter und anerkannter Weise den Laien und Frauen anvertraut werden können“.

    Papst Franziskus hat das lang erwartete nachsynodale Schreiben zur Amazonas-Synode veröffentlicht. Um eine umfassende Berichterstattung zu diesem Thema auch in der kommenden Printausgabe zu ermöglichen, verschiebt sich der Erscheinungstag von Donnerstag, 13. Februar, auf Freitag, 14. Februar. Wir bitten um Ihr Verständnis.

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