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    Frankfurt

    Kardinal Marx: Regionale Lockerung des Zölibats denkbar

    Im Vorfeld der Amazonas-Synode nennt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, eine regional begrenzte Zulassung verheirateter Priester durchaus vorstellbar. Eine mögliche Zulassung verheirateter Priester sieht er als gewaltigen Einschnitt in die Kirchengeschichte.

    Marx zu Zölibat und Frauenweihe
    "Entscheidend ist für mich, ob und wie der Zölibat so gelebt werden kann, dass er ein positives Zeichen ist und auch die... Foto: Mohssen Assanimoghaddam (dpa)

    Für den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, ist eine regionale Lockerung des Zölibats denkbar. Er könne sich „durchaus vorstellen, dass man zu dem Ergebnis kommen kann, dass es sinnvoll ist, unter bestimmten Voraussetzungen in bestimmten Regionen verheiratete Priester zuzulassen“, erklärte der Münchner Erzbischof im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

    Marx: Nicht über Amazonien Probleme in Deutschland lösen

    Kardinal Marx äußerte sich damit auf eine Frage zur im Oktober stattfindenden Amazonas-Synode. Eine regional begrenzte Zulassung verheirateter Priester wurde vom Vatikan auf die Tagesordnung des Bischofstreffens gesetzt. Marx verwies jedoch gleichzeitig darauf, dass man erst einmal über die konkrete Situation in Deutschland diskutierten müsse, „und nicht meinen, wir könnten über Amazonien unsere Probleme lösen“.

    Bezüglich der Weihe verheirateter Männer zu Priestern sprach der Münchner Kardinal von einer Frage, „die man besprechen kann und deren Vor- und Nachteile es abzuwägen gilt“. Es könne aber nicht darum gehen, einfach nur dem zu folgen, was die Meinung des Mainstreams sei. „Entscheidend ist für mich, ob und wie der Zölibat so gelebt werden kann, dass er ein positives Zeichen ist und auch die Priester in ihrem Leben nicht beschädigt.“

    "Wir können keinen deutschen Sonderweg
    gehen, aber die Diskussion
    voranbringen können wir schon"
    Kardinal Reinhard Marx

    Weiter nannte Marx eine mögliche Zulassung verheirateter Priester einen „gewaltigen“ Einschnitt in die Kirchengeschichte. Daher könne man nicht allein in Deutschland darüber entscheiden. „Wir können keinen deutschen Sonderweg gehen, aber die Diskussion voranbringen können wir schon“, so der Vorsitzende der deutschen Bischöfe.

    Angesprochen auf seinen Standpunkt zu einer möglichen Zulassung von Frauen zum Priesteramt positionierte sich Marx nicht ausdrücklich dagegen, meinte jedoch, dass er nicht erkennen könne, wie man heute theologisch beiseitelegen könne, was Papst Johannes Paul II. 1994 endgültig festgelegt habe: „dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden“. Das sei entschieden, auch wenn die Diskussion noch nicht zu Ende sei.

    Gehorsam als einziges Argument problematisch

    „Es ist ja nicht so, dass es keine inhaltlichen Argumente gäbe, die Johannes Paul II. angeführt hätte“, so Kardinal Marx. Auf Dauer sei allerdings der Gehorsam als einziges Argument problematisch. Es gehe aber auch nicht an, die theologischen Argumente überhaupt nicht mehr ernst zu nehmen. „Ich habe auch Papst Franziskus gesagt: ,Heiliger Vater, die Diskussion ist nicht beendet!'“

    Zum Verhältnis von Einheit und Vielfalt in der katholischen Kirche erklärte Marx, dass dieses stets neu austariert werden müsse. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil sei der Gedanke der Einheitlichkeit in der katholischen Kirche wieder sehr stark geworden. „Das hat mich befremdet“, so Marx. „Einige wünschen sich eine Kirche als kleine Schar der Reinen – ich nicht. Wer sollte das sein? Da wäre ich wohl auch nicht dabei.“ Die Kirche müsse „auch widerständig, prophetisch sein“. Dies müsse jedoch vom Evangelium her geschehen, nicht bei Dingen, die zeitbedingt seien und der Verkündigung des Evangeliums im Weg stünden.

    DT/mlu

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