• aktualisiert:

    Augsburg

    Im Blickpunkt: Verlangen nach MEHR

    Es bleibt abzuwarten, inwiefern die Begeisterung, die von Initiativen wie dem Augsburger Gebetshaus und den MEHR-Konferenzen ausgeht, anhält und über die bereits Bekehrten hinaus den christlichen Glauben in die Gesellschaft tragen wird.

    MEHR-Konferenz 2020
    Die diesjährige MEHR-Konferenz suchte nun das Gespräch und gab Theologen und Fans ein gemeinsames Forum. Foto: bwi

    Die MEHR-Konferenzen erfreuen sich bislang in den deutschen „Volkskirchen“ nur geringer Beliebtheit. Der Vorwurf, Vernunft und Theologie skeptisch gegenüberzustehen und einer „quietistischen“, gefühlsbetonten und individualistischen Spiritualität Vorschub zu leisten, wurde in den vergangenen Jahren gegen die Initiativen Johannes Hartls erhoben. Anbetung und Lobpreis sind gerade bei Vertretern der deutschen akademischen Theologie, von denen sich mancher in den vergangenen Jahren an der Initiative des Gebetshauses Augsburg geradezu verbissen hatte, nicht der locus theologicus ökumenisch sensibler Theologie.

    Intellektuelles Schwarzbrot für jugendliche Christen

    Die diesjährige MEHR-Konferenz suchte nun das Gespräch und gab Theologen und Fans ein gemeinsames Forum. Und tausende Teilnehmer zogen mit. Zehn Theologieprofessoren legten in gewinnenden kurzen Beiträgen Traktate der Theologie vor. Vom „Neuen Atheismus“, über die Bedeutung des Zweifels bis hin zur Mystik setzten die Professoren den meist jugendlichen Christen intellektuelles Schwarzbrot vor. Für die Lehrenden des akademischen Schwundfachs Theologie dürfte die Erfahrung, vor einem gläubigen und interessierten Publikum von Festivalgröße zu sprechen, ungewohnt gewesen sein. Die Feststellung, „nicht alles, was sich fromm anfühlt, kommt von Gott“, stellte die Fundamentaltheologin Veronika Hoffmann in ihrem Referat kritisch in den Mittelpunkt. Vor allem fundamentaltheologische Themen bildeten den roten Faden der Veranstaltung. Und die jungen und junggebliebenen Christen verschiedener Konfession sind in weiten Teilen auch mit neuen Perspektiven und Einsichten nach Hause gefahren.

    Einen großen Aufschwung für die Volkskirchen wird man von Initativen wie der MEHR nicht erwarten können. Auch nicht die Bekehrung der Masse. Aber es zeigt sich, dass die Erneuerungsbewegungen der verschiedenen Konfessionen fähig sind zu einem gemeinsamen Christus-Zeugnis. Und sie sind bereit, sich den Anfragen der kritischen Wissenschaft auszusetzen. Dass gerade viele junge Christen ein neues Interesse an der heiligen Theologie entwickeln, dürfte nun auch eine Anfrage an die akademischen Kritiker aus den staatlichen theologischen Fakultäten sein, ob sie vermögen, den hier erlebten „Reload des Heiligen Geistes“ als Glaubenserfahrung anzuerkennen, derer die Theologie bedarf.

    Leben mit Jesus und der Kirche gesucht

    Es bleibt abzuwarten, inwiefern die Begeisterung, die von Initiativen wie dem Augsburger Gebetshaus und den MEHR-Konferenzen ausgeht, anhält und über die bereits Bekehrten hinaus den christlichen Glauben in die Gesellschaft tragen wird. Viele katholische Teilnehmer dieser MEHR haben auch gezeigt, dass es ihnen mit dem Glauben und der Kirche ernst ist. Mehr noch, dass sie das landläufige Modell der „Teilidentifikation“ der nachkonziliaren Zeit hinter sich gelassen haben, und mit Hingabe ein Leben mit Jesus und der Kirche suchen. Angesichts des „Synodalen Weges“ dürfte das von Papst Franziskus der Kirche in Deutschland aufgetragene Evangelisierungs-Paradigma Rückenwind erhalten.

    Der Brief an die deutschen Katholiken steht schließlich auch nicht isoliert im Lehramt des Papstes. „Evangelii gaudium“ gibt bereits den Weg vor, der die Christen zurück zur Freude am Glauben und dem Teilen des Friedens mit Gott führen möchte. Die vielen evangelikalen Christen und ihre Initiativen zeigen bei allen Differenzen, wie Evangelisierung angesichts der gesellschaftlichen Säkularisierung gelingen kann. Mögen viele Formen von Gebet, Lobpreis und Anbetung, die auf der MEHR gepflegt werden, nicht jedermanns Sache sein, oder nicht alles von jedem mitgetragen werden kann, aber Johannes Hartl hat mit seiner Veranstaltung ein Forum für das Gebet, die Begegnung und vor allem auch das Zeugnis in einem scheinbar gottfernen Land geschaffen, das Hoffnung gibt.

    Der "Augsburger Postreiter" Das Logo der katholischen Wochenzeitung "Die Tagespost". Redaktion 08. Januar 2020 10:10 Uhr Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung US-Präsident Donald Trump Angesichts der eskalierenden Spannungen mit Iran rufen die US-Bischöfe zum Gebet auf. "Wir müssen dringend dafür beten, dass unsere Anführer in der Welt Dialog anstreben und Frieden suchen“, schrieb der Vorsitzende Jose Horacio Gomez, am Mittwoch auf Twitter. Foto: Alex Brandon (AP) Mit Blick auf die drohende Eskalation im Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Iran nach der Tötung von General Qasem Soleimani haben die katholischen Bischöfe der USA zu Frieden und Dialog aufgerufen. „Angesichts der eskalierenden Spannungen mit Iran müssen wir dringend dafür beten, dass unsere Anführer in der Welt Dialog anstreben und Frieden suchen“, schrieb der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, der Erzbischof von Los Angeles Jose Horacio Gomez, am Mittwoch auf Twitter. „Da hat unser Verbündeter USA jetzt einen völlig falschen Schritt getan. Das ist verantwortungslos.“ Christine Hoffmann, Generalsekretärin von Pax Christi Unterdessen verurteilte die Generalsekretärin von Pax Christi Deutschland, Christine Hoffmann, das Vorgehen der USA scharf. Im Kölner Domradio bezeichnete Hofmann die Ermordung des iranischen Generals als eine „weitere Eskalation von Seiten der USA.“ Diese sei absolut zu verurteilen, weil sie „völkerrechtswidrig ist und weil sie Öl ins Feuer gießt.“ Es gehe darum, einen schon lange tobenden „Flächenbrand“ im Nahen und Mittleren Osten zu beenden, mahnte Hoffmann. Die Generalsekretärin von Pax Christi bezeichnete das Vorgehen der USA als verantwortungslos. Wörtlich sagte sie: „Da hat unser Verbündeter USA jetzt einen völlig falschen Schritt getan. Das ist verantwortungslos.“ So werde Gewalt immer wieder hochgeschaukelt. Lesen Sie auch Leitartikel: Der Anwalt echten Friedens LEITARTIKEL: Bleibt Österreich verlässlich? Der Papst ist nicht der „Ayatollah der Katholiken“, wie ein deutscher Journalist einst launig formulierte, auch nicht bloß „das katholische Kirchenoberhaupt“, wie kirchennahe Medien gewohnheitsmäßig formulieren. Er ist nicht Lobbyist kirchlicher Interessen oder katholischer Völker. Der Papst ist die Stimme des Evangeliums für unsere Zeit, der Botschafter Jesu Christi heute, der Anwalt des Menschen und seiner höchsten Berufung, der Verteidiger der Menschlichkeit. Diese anwaltschaftliche Rolle hat die Päpste im blutigen 20. Jahrhundert der Weltkriege und todbringenden Ideologien immer wieder zu Donnerworten wider gesellschaftliche Abwege und politische Irrwege gedrängt. So nun am Samstag auch Papst Franziskus bei seinem Besuch in Sarajevo, der Hauptstadt Bosnien-Herzegowinas. Franziskus warnte vor einer „Art dritter Weltkrieg, der stückweise geführt wird“ und vor einem „Klima des Krieges“, das von einigen vorsätzlich geschaffen und geschürt wird. Hoffmann rief zur sprachlichen Abrüstung auf. „Wir fordern auch, dass in der Kommunikation abgerüstet wird. Aber das heißt, dass Klarheit über das, was passiert ist, herrschen muss.“ Die Generalsekretärin von Pax Christi zitierte eine Äußerung von Papst Franziskus, wonach sich die Welt in einem dritten Weltkrieg befinde, „in Teilen“. Dies sei genau das, was passiere, betonte Hoffmann. „Für die Menschen dort ist längst Krieg. Und darauf weist uns der Papst mit dieser Formulierung vom ,Dritten Weltkrieg in Stücken’ hin. Ich finde, es ist eine gute Möglichkeit für uns, uns wirklich zu besinnen und an die Menschen dort zu denken, in unserem Gebet. Sie möchten, ganz genau wie wir, einen Alltag in Frieden leben und ihre Kinder großziehen“, hob Hoffmann hervor. Papst Franziskus: Krieg bringt nur Tod und Zerstörung Zuvor hatte der Papst-Botschafter in Teheran, Erzbischof Leo Boccardi, darüber informiert, dass Franziskus die Entwicklungen mit großer Sorge verfolge. Er bete und lasse sich aktuell informieren. Am Sonntag hatte Papst Franziskus beim traditionellen Angelusgebet gesagt: „In vielen Teilen der Welt liegen Spannungen in der Luft. Krieg bringt nur Tod und Zerstörung. Der Papst rief „alle Parteien auf, Dialog und Selbstbeherrschung zu wahren“. Am Donnerstag hält der Papst Franziskus seine traditionelle Neujahrsansprache an das Diplomatische Corps. Viele rechnen bei dieser Gelegenheit mit einer Stellungnahme zum Konflikt zwischen den USA und Iran. Auch der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, zeigte sich tief besorgt über eine drohende Eskalation in der Golfregion. „Die Gefahr eines Krieges ist nach dem US-Angriff auf einen iranischen General wohl gestiegen“, befürchtet der evangelische Theologe. Dazu gehört bei ihm auch die große Sorge vor einer gefährlichen Spirale von Rache und Vergeltung, die den Konflikt noch verschärfen könnte. „Gerade als Kirchen können wir dazu nicht schweigen “, mahnt Brahms in einer Mitteilung der Evangelischen Friedensarbeit in Bonn. Seiner Ansicht nach ist es jetzt wichtig, dass nach politischen Lösungen gesucht wird, bevor die Krise in einen militärischen Konflikt münde. „Ich kann die Mahnungen des Ökumenischen Rates der Kirchen wie auch des UN-Generalsekretärs an die Konfliktparteien zu einer größtmöglichen Zurückhaltung nur unterstützen“, so Brahms. EKD-Friedensbeauftragter: Jetzt ist die Stunde der Diplomatie Der EKD-Friedensbeauftragte fordert aber auch die Bundesregierung auf, im Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen mäßigend auf die Konfliktparteien einzuwirken, Gespräche zu führen und gemeinsam mit anderen Staaten nach friedlichen Lösungen zu suchen. „Es muss nun alles getan werden, damit es nicht zu einem Krieg mit unübersehbaren Folgen kommt“, mahnte Renke Brahms und betont: „Es ist jetzt die Stunde der Diplomatie.“ Der EKD-Friedensbeauftragte unterstützt dabei die Entscheidung der Bundesregierung für einen Teilabzug der Bundeswehrsoldaten aus dem Irak. „Wenn der Irak in diesen Konflikt stärker verwickelt wird, bestünde auch für diese Personen die Gefahr, in die Auseinandersetzungen mit hingezogen zu werden“, warnt Renke Brahms. DT Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier .

    Weitere Artikel