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    Budapest

    Im Blickpunkt: Ungarn hilft

    Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban unterstützt im Rahmen der nationalen Hilfsaktion „Hungary helps“ Christen in Syrien und im Irak.

    Ungarns Regierungschef Orban
    Dass fruchtbare Allianzen zwischen Staat und Kirche zugunsten christlicher Minderheiten möglich sind, zeigt die Initiati... Foto: Sven Hoppe (dpa)

    Die Bedeutung des jüngsten Treffens der Nahost-Patriarchen in Budapest kann kaum überschätzt werden: Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban führte im Rahmen der nationalen Hilfsaktion für die orientalischen Christen „Hungary helps“ einen Austausch mit den christlichen Patriarchen Syriens und des Irak über die Situation im Nahen Osten und Hilfsmaßnahmen für die überlebenden Christen. Dass kein westlicher Politiker daran teilnahm, erstaunt nicht. Gleichwohl ist diese Leerstelle ein Krisensymptom. Neben der Unsitte westlicher Politiker, begründete Bedenken gegenüber der Politik Russlands als Vorwand für pauschale Abwehr in jeder Einzelfrage als politisch korrekt zu betrachten, kommen mehrere Faktoren hinzu, die seit dem Scheitelpunkt des Terrors im Jahr 2014 das dringend notwendige Engagement für die verfolgten Christen im Orient lähmen.

    Innere Zerstrittenheit der Konfessionen

    Der folgenschwerste darunter ist die innere Zerstrittenheit der Konfessionen. Das Reformchaos in der katholischen Kirche wirkt sich ebenso negativ aus wie die Grabenkämpfe innerhalb der Orthodoxie aufgrund der neuen eigenständigen orthodoxen Kirche der Ukraine. Der Konflikt berührt auch die Grenzen der Wirksamkeit des gegenwärtigen Pontifikats. Es ist schwer zu sagen, welchen konkreten Fortschritt die medienwirksame Begegnung von Papst Franziskus und dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill auf Kuba im Februar 2016 im gemeinsamen Engagement für die verfolgten Christen eigentlich bewirkt haben soll.

    Insbesondere in Deutschland strotzt das Sittenbild der Ökumene gegenwärtig von Provokationen und Nebenschauplätzen. Diese binden viele Kräfte, die an anderer Stelle fehlen. Abgesehen davon, dass die politische Großwetterlage zwischen Ost und West so schlecht ist wie zur Zeit des Kalten Krieges, zaudert die reiche Ortskirche in Deutschland aus Furcht, falscher Rücksichtnahme und übergroßer Staatsnähe oft vor klaren Ansagen an die Politik.

    Christen in Nahost stehen für Versöhnung und Erneuerung

    Wer ausschert, gehört zu den einsamen Rufern in der Wüste. Und das nicht erst im Jahr 2019. Wer möchte so unsanft vor die Wand fahren wie der ehemalige bayerische Ministerpräsident Max Beckstein? Er forderte schon vor vier Jahren, ein Kontingent für christliche Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak nach dem Vorbild der Aufnahme von russischen Juden in Deutschland zu errichten.

    Zu jenem Zeitpunkt hofften viele christliche Flüchtlinge aus dem Nahen Osten in Nordeuropa noch auf eine Rückkehr in ihre Heimat. Inzwischen fallen die Prognosen verhaltener aus. Dass die Christen im Nahen Osten für Versöhnung und gesellschaftliche Erneuerung stehen, ist unbestritten. Und ebenso unzweifelhaft ist auch, dass jetzt etwas geschehen muss, wenn die christliche Minderheit im Nahen Osten nicht völlig zwischen den Fronten zerrieben werden soll. Es wäre Zeit, dass westliche Politiker über ihren Schatten springen und sich auch mit Orban und Putin um der Zukunft der Christen willen im Nahen Osten an einen Tisch setzen.

    Fruchtbare Allianzen zwischen Staat und Kirche sind möglich

    Dass fruchtbare Allianzen zwischen Staat und Kirche zugunsten christlicher Minderheiten möglich sind, zeigt die Initiative „Hungary helps“. Auch wenn sich der finanzielle Rahmen von circa 40 Millionen US-Dollar Wiederaufbauhilfe aus der Perspektive der kirchensteuerverwöhnten deutschen Öffentlichkeit recht übersichtlich ausnimmt, ist er – proportional zur Größe der christlichen Community in Ungarn – bemerkenswert. Und nicht minder wichtig ist die Hilfestellung bei der Gewissensbildung. Ungarns Außenminister Peter Szijjarto sprach sich für Klarheit im Hinblick auf die Situation der Christen im Nahen Osten aus. Dass sich eine europäische Regierung bewusst an die Seite der verfolgten Christen stellt, mag politisch nicht korrekt sein. Doch es zeugt von kirchlicher Gesinnung. Zumindest, solange es im Nahen Osten noch Christen gibt.

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