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    Vatikanstadt

    Franziskus ruft Mosambik zur Feindesliebe auf

    Der Weg zur Versöhnung führt nicht an der Vergebung vorbei: An seinem zweiten Tag in Mosambik hat Papst Franziskus das Land augerufen, auf Vergeltung für frühere Gewalttaten zu verzichten.

    Papst Franziskus feiert in Maputo die Heilige Messe. Foto: Alessandra Tarantino (AP)

    Die Geschicke und die Zukunft Mosambiks standen ganz im Mittelpunkt der ersten Station der Afrika-Reise von Papst Franziskus. Bei einem Gottesdienst, den der Papst am Freitagvormittag bei regnerischem Wetter vor etwa sechzigtausend Teilnehmern im Stadion von Maputo feierte, ging er wie am Vortag auf den Weg des Friedens und der Wiederversöhnung ein, der vor dem ostafrikanischen Land liege. In seiner Predigt erinnerte er an das Jesus-Wort „Liebt eure Feinde“ und meinte weiter, es sei schwierig, von Versöhnung zu reden, „wenn die Wunden aus langen Jahren der Zwietracht noch offen sind“, erinnerte Franziskus an jahrzehntelange Gewalt in Mosambik.

    Christen aber müssten „die früher wie heute gängige Gewohnheit“ abschaffen, „nach dem Vergeltungsprinzip zu leben“. Man könne keine Nation mit Zukunft bauen, die auf dem vermeintlichen Gleichgewicht der Gewalt beruhe, sagte Franziskus. Dies ende stets in einer endlosen Gewaltspirale. Die Völker und ihre Menschen hätten „ein Recht auf Frieden“. Um ihn zu erreichen, könne man mit der Goldenen Regel beginnen: „Wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen.“ Die „Barmherzigkeit und Güte“, die dies erfordere, sind nach Aussage des Papstes „kein schwaches, sondern ein starkes Verhalten“. Es zeichne Männer und Frauen aus, die „andere nicht schlecht behandeln, anschwärzen oder fertigmachen brauchen, um sich wichtig zu fühlen“.

    Die eigene Berufung erneuern

    Am Donnerstagnachmittag hatte Franziskus in der Kathedrale von Maputo vor Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und Seminaristen dazu aufgerufen, die eigene Berufung mit neuem Leben zu füllen, nicht der Vergangenheit nachzutrauern, sondern den Blick nach vorn zu richten. In diesem Zusammenhang zeigte der Papst auch einen möglichen Weg aus der „Krise der priesterlichen Identität“ auf: Sich selbst zurückzunehmen und zu den Wurzeln der jeweils eigenen Berufung zurückkehren. Dabei sei es besonders wichtig, sich der Wirklichkeit so zu stellen, wie sie sei, sagte der Papst. „Wenn wir so den vergangenen Zeiten nachweinen, versteinern wir. Anstatt die ‚Gute Nachricht‘ zu bekennen, verkünden wir eine aschgraue Botschaft, die niemandes Herz anzieht noch entflammt.“

    Maria als Wegweiser zum Frieden

    Der Papst sprach in der Kathedrale der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria und verwies vor etwa zweieinhalbtausend Zuhörern auf das Vorbild der Gottesmutter. Die Kirche in Mosambik sei eingeladen, die Kirche der Heimsuchung Marias zu sein. Sie dürfe nicht Teil des Problems von Kompetenzstreitigkeiten, Geringschätzung und Spaltungen sein, sondern müsse vielmehr eine Tür für die Lösungen sein, ein Raum, wo Achtung, Austausch und Dialog möglich seien. „Wir befinden uns in dieser der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria geweihten Kathedrale, um uns als Familie darüber auszutauschen, was bei uns geschieht; als eine Familie, die mit dem ,Ja’, das Maria zum Engel sagte, entstand. Maria blickte nicht einmal für einen Moment zurück. Diese Ereignisse des Beginns des Geheimnisses der Menschwerdung erzählt uns der Evangelist Lukas. Wir können in der Art und Weise, wie er dies tut, die Antworten auf die Fragen entdecken, die ihr heute gestellt habt, und auch den nötigen Ansporn, um mit der gleichen Großherzigkeit und Bereitschaft wie Maria zu antworten.“

    Zu Beginn seines zweiten Besuchstages in Mosambik hatte Franziskus ein Aids-Zentrum am Rande der Hauptstadt Maputo besucht, das von dem so genannten „Dream“-Zentrum der Gemeinschaft Sant'Egidio betreut wird. Das 2002 begonnene Projekt „Dream“ steht dabei für „Disease Relief through Excellent and Advanced Means“ und will Gesundheitsversorgung wie Ernährungsberatung für betroffene Menschen bieten.. In einer kurzen Ansprache dankte er den Mitarbeitern am Freitagmorgen für ihren oft selbstlosen Einsatz, der über die rein medizinische Versorgung hinausgehe. Am Freitagmittag flog Franziskus nach Antananarivo auf Madagaskar ab, wo er bis Dienstagmorgen bleiben und von wo aus er am Montag der Insel Mauritius einen eintägigen Besuch abstatten wird, bevor er dann am Dienstag nach Rom zurückfliegt.

    DT/gho

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