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    Vatikanstadt

    Buch zum Zölibat: Sarah widerspricht Kritikern

    Kurienkardinal Robert Sarah weist den Vorwurf einiger Medien zurück, die massive Zweifel geäußert hatten, ob der emeritierte Papst Benedikt XVI. tatsächlich gemeinsam mit Sarah der Urheber des Werks zu Zölibat und Priestertum sei.

    Kardinal Sarah widerspricht Kritikern
    In seiner Stellungname widerspricht Sarah denjenigen, die ihn als Gegner von Papst Franziskus stilisieren wollten. „Mein... Foto: Paul Haring (KNA)

    In der Debatte um das am Mittwoch in Frankreich erscheinende Buch „Des profondeurs de nos coeurs“ („Aus den Tiefen unserer Herzen“) hat sich der Kurienkardinal Robert Sarah, gegen Kritiker verteidigt, die massive Zweifel geäußert hatten, ob der emeritierte Papst Benedikt XVI. tatsächlich gemeinsam mit Sarah der Urheber des Werks zu Zölibat und Priestertum sei.

    Sarah: "Niederträchtige Polemik"

    In einer über den Kurzmitteilungsdienst „Twitter“ verbreiteten Stellungnahme schreibt der aus Guinea stammende Kardinal: Die Polemik, die darauf abziele, ihn mit der Behauptung durch den Schmutz zu ziehen“, dass Benedikt XVI. nicht über die Veröffentlichung des Buches informiert gewesen sei, sei „durch und durch niederträchtig“. Gleichzeitig widerspricht Sarah denjenigen, die ihn als Gegner von Papst Franziskus stilisieren wollten. „Meine Verbundenheit gegenüber Benedikt XVI. bleibt intakt, mein filialer Gehorsam gegenüber Papst Franziskus bleibt absolut.“

     

    Darüber hinaus schildert der 75-Jährige in chronologischer Reihenfolge, wie es zur Entstehung des Buches gekommen sei. Bereits Anfang September habe er den emeritierten Papst nach einem Besuch im Kloster „Mater Ecclesiae“ gebeten, einen Text über das katholische Priesteramt zu verfassen – mit Hauptaugenmerk auf den Zölibat. Er sei sich schon damals bewusst gewesen, dass eine Reflexion Benedikts zu diesem Thema möglicherweise nicht opportun sei, da sie polemische Reaktionen in den Medien hervorrufen könne. Er habe dem emeritierten Papst jedoch seine Einschätzung mitgeteilt, dass er überzeugt sei, „dass die ganze Kirche dieses Geschenk nötig hat“.

    Benedikt habe Einverständnis erteilt

    Am 20. September habe ihm Benedikt dann schriftlich mitgeteilt, er selbst habe bereits damit begonnen, solch einen Text zu schreiben, diesen aufgrund mangelnder Kräfte jedoch nicht fortgeführt. „Mein Brief hat ihn dazu ermutigt, diese lange Arbeit wieder aufzunehmen“, so Sarah in seinem Statement.

    Am 12. Oktober, während der Amazonas-Synode im Vatikan, habe Benedikt ihm dann schließlich den fertigen Beitrag zukommen lassen. Aufgrund der Länge wie auch der inhaltlichen Qualität habe Sarah dann vorgeschlagen, ihn in Buchform zu veröffentlichen, zusammen mit seinem eigenen Beitrag zum Thema Zölibat und Priestertum. Das fertige Manuskript habe er dem emeritierten Papst am 19. November zukommen lassen. Dieser sei mit den beiden Texten „sehr zufrieden“ gewesen und schrieb an Sarah: „Ich für meinen Teil bin einverstanden damit, dass der Text in der von Ihnen vorgesehenen Form erscheint“.

    Noch bevor er seine ausführliche Erklärung veröffentlicht hatte, sprach Sarah in einer Twitter-Nachricht von „Diffamierungen von außergewöhnlichem Ausmaß“ und veröffentlichte zudem seinen Briefwechsel mit Benedikt.

    "Nicht vierhändig ein Buch mit Kardinal Sarah geschrieben"

    Nachdem die französische Tageszeitung „Le Figaro“ am Montag vorab Auszüge aus dem Buch veröffentlicht hatte, war eine intensive Diskussion sowohl über die innerkirchlichen Auswirkungen der Äußerungen Benedikts zum Zölibat wie auch über die Urheberschaft des Benedikt-Textes entstanden. So zitierte beispielsweise die italienische Tageszeitung „Corriere della Sera“ eine nicht näher benannte Quelle aus dem Umfeld Benedikts mit den Worten, der emeritierte Papst habe „nicht vierhändig ein Buch mit Kardinal Sarah geschrieben“. Vielmehr habe Benedikt XVI. „vor einigen Monaten eine Aufzeichnung über das Priestertum verfasst“. Der Emeritus habe Sarah den Text auf dessen Bitten zwar zukommen lassen, einer Mitherausgeberschaft an einem Buch jedoch nie zugestimmt. Die spanische Zeitung „ABC“ nannte Sarahs Buch „eine redaktionelle und mediale Manipulation, an der der emeritierte Papst laut Quellen, die Joseph Ratzinger sehr nahe stehen, nicht beteiligt war“.

    In seinem Beitrag zu dem Buch schreibt Benedikt, die Ehe betreffe den Menschen in seiner Gesamtheit, und da der Dienst für den Herrn gleichermaßen die totale Hingabe des Menschen erfordere, sei es nicht möglich, beide Berufungen gleichzeitig zu realisieren. „Ich glaube, dass der Zölibat eine große Bedeutung in sich trägt als Verzicht auf einen möglichen irdischen Besitz und auf ein Leben im Kreis der Familie.“ Der Zölibat sei sogar unerlässlich, so der emeritierte Papst, „damit unser Weg hin zu Gott das Fundament unseres Lebens“ bleiben kann.

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