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    Würzburg

    Aktivist Tschugguel: "Bin auf alles gefasst"

    Alexander Tschugguel warf die Pachamama-Statuen in den Tiber. Doch warum?

    Alexander Tschugguel
    Glaubt, dass jeder Mensch die Rettung durch Christus brauche: der österreichische Lebensrechts-Aktivist Alexander Tschug... Foto: privat

    Herr Tschugguel, Sie argumentieren in dem am Montag veröffentlichten Video, in dem Sie sich dazu bekennen, die Pachamama-Statuen in den Tiber geworfen zu haben, mit dem ersten Gebot. Aber spielen Sie das Götzenverbot nicht einfach nur gegen das siebte Gebot aus – du sollst nicht stehlen?

    Es gibt eine Hierarchie der Gebote, und das erste Gebot ist natürlich wichtiger, denn ohne erstes Gebot hätte das siebte Gebot keinen Sinn. Dementsprechend ist das erste Gebot schon das Grundsätzlichste und ein Ausspielen gegen das siebte Gebot in dieser Form gar nicht möglich. Außerdem bereichere ich mich ja nicht daran, ich habe mir die Figuren nicht „angeeignet“. Mir war wichtig, dass sie außerhalb der Kirche sind, und deswegen habe ich sie in den Fluss geworfen. Ich finde einfach, dass diese Pachamamas mit einem offenen heidnischen Hintergrund in einer Kirche verehrt werden, das ist ein ganz großer Skandal.

    "Dass diese Pachamamas mit einem
    offenen heidnischen Hintergrund in
    einer Kirche verehrt werden,
    das ist ein ganz großer Skandal"

    Kardinal Brandmüller hat Sie wegen der Aktion bereits im Vorfeld als „neuen Makkabäer“ bezeichnet. Würden Sie sich selbst so nennen?

    Ich versuche mich selbst als gar nichts zu bezeichnen. Wir haben sie aus dem Grund, weil sie gegen das erste Gebot verstoßen, abgeräumt – und weil dahinter eine Ideologie steckt, die seit Jahrzehnten über die Befreiungstheologie Einzug in die katholische Kirche gefunden hat. Vergleiche wie die von Brandmüller schmeicheln, aber ich halte mich für einen normalen Mann, der sich informiert und es dann durchgezogen hat.

    Kommen wir doch mal auf diese Ideologie zu sprechen. Auch im Video deuten Sie „politische Hintergründe“ an. Was haben ein paar indigene Holzfiguren damit zu tun?

    Es gibt zwei Teile, die bei dieser Synode ins Auge stechen. Da sind die religiösen Aspekte – Frauenweihe, viri probati und alles Mögliche – aber dazu haben Bischof Schneider und die Kardinäle Müller, Brandmüller und Burke schon genug gesagt. Und dann sehen wir die politische Seite. Papst Franziskus selbst hat gesagt, wir sollten uns der UNO „unterordnen“. In UN-Dokumenten findet man dann nicht nur diese Rede von der „ganzheitlichen Ökologie“, sondern man findet auch solche Rituale, wie wir sie im Vatikan gesehen haben. Die sind – meistens – erfunden. Stammesmitglieder aus dem Amazonas haben mir gesagt, dass sie ganz andere Traditionen haben.

    "Es werden Elemente gemischt, um eine
    indigene Kultur vorzutäuschen, die in
    der Form gar nicht existiert, und anschließend
    dazu genutzt, um politische Ziele durchzubringen"

    Ein Beispiel ist der Name Pachamama selbst, der von der Organisation REPAM benutzt wird. REPAM vertritt nach eigenen Angaben vor allem die Indigenen im Amazonasgebiet – obwohl Pachamama eine Andengottheit ist. Es werden Elemente gemischt, um eine indigene Kultur vorzutäuschen, die in der Form gar nicht existiert, und anschließend dazu genutzt, um politische Ziele durchzubringen. Es gibt ganz konkrete Pläne, den Amazonas-Atlantik-Streifen unter direkte UN-Kontrolle zu stellen, um „die Indigenen zu schützen“. Die Kirche ordnet sich im Zuge dieser Synode dieser Diktion unter. Die Holzfiguren werden benutzt für ein globalistisches Programm.

    Sie gehören der „Demo für alle“ an und sind damit selbst Teil einer Organisation. Welchen Einfluss hat ihre dortige Mitgliedschaft auf die Entfernung der Pachamama-Figuren?

    Das hat keinen Einfluss. Ich bin dieselbe Person, ich stehe für die Anliegen des Lebens- und Familienschutzes, und ich stehe dafür ein, was ich hier jetzt gemacht habe. Was sehr wohl eine Sache ist, die mir wichtig ist: Durch mein Engagement habe ich gelernt, dass wir nicht eine Minderheit sind. Auch diesmal haben sich Zehntausende Menschen aus aller Welt bei mir gemeldet. Ganz katholisch, im Sinne von „allumfassend“.

    In den sozialen Netzwerken hagelte es Kritik, dass ausgerechnet die Bilder von schwangeren Frauen ins Wasser gestoßen worden seien – Kardinal Schönborn formulierte es sehr ähnlich. Zugleich sind Sie der Organisator für den „Marsch fürs Leben“ in Wien. Ist das nicht ein Widerspruch?

    "Ich bin gläubiger Katholik und
    deswegen habe ich diese Figuren
    aus der Kirche geräumt"

    Diese Kritik ist nicht sehr statthaft. Nummer eins: Diese Figuren stehen für Fruchtbarkeitsgöttinnen. Nummer zwei: Ich bin gläubiger Katholik und deswegen habe ich diese Figuren aus der Kirche geräumt. Ich will, dass nicht unterschieden wird zwischen Menschen, die Katholiken sein dürfen und Menschen, die es nicht sein dürfen, weil Leute hier in Europa entscheiden, dass die Menschen dort eine ganz authentische Religion haben, die man nicht beeinträchtigen und deshalb nicht missionieren dürfe. Ich glaube, dass jeder Mensch die Rettung durch Christus braucht. Ich will, dass die Kinder dort getauft werden, ich will, dass dort keine Kinder abgetrieben werden, und ich will, dass nicht etwas gutgeheißen wird, was man als offenen Infantizid bezeichnen muss. REPAM hat sich dazu nicht geäußert, aber viele Stämme lassen ihr Kind im Dschungel zurück, wenn sie es nicht akzeptieren – wo es dann elendig zugrunde geht. Man kann hier nicht den Lebensschutz gegen mich ausspielen, das funktioniert nicht.

    Nach Wiederauffindung der Statuetten sprach der Heilige Vater davon, dass diese keine „götzendienerische Intention“ hatten und bat um Entschuldigung. Wie gehen Sie als Katholik damit um, dass Papst Franziskus Ihre Aktion als offensichtlich unkatholisch aburteilt?

    "Dem ganzen Vorfall liegt das
    Missverständnis zugrunde, dass diese
    Statuen für die indigenen Völker stehen"

    Der Heilige Vater hat von den Statuen als „Pachamamas“ gesprochen und damit bestätigt, dass sie keine reinen Symbole sind, sondern eine „Mutter Erde“. In den vatikanischen Gärten haben sich Menschen vor den Statuen zu Boden geworfen. Gleichzeitig wollen die Bischöfe der italienischen Bischofskonferenz ein Gebet für die Pachamama einführen. Der Heilige Vater verurteilt unsere Aktion, weil er meint, dass ich damit Leute beleidigt habe. Das war nie mein Ziel. Dem ganzen Vorfall liegt das Missverständnis zugrunde, dass diese Statuen für die indigenen Völker stehen. Das ist aber nicht der Fall. Wir hätten diese Figuren entfernt, ganz egal, ob das eine Pachamama oder eine Gaia-Figur ist.

    Sind Sie auf juristische Schritte des Vatikans vorbereitet? Immerhin hat Synodensprecher Paolo Ruffini Ihre Aktion als „Diebstahl“ bewertet.

    Ja, natürlich. Es gibt aber noch viele offene Fragen: Wem haben diese Statuen gehört? Wird nach italienischem oder vatikanischem Recht entschieden? Das wissen wir alles noch nicht so genau. Das einzige, was ich sagen kann: Ich bin auf alles gefasst und habe da auch keine Angst.

    Bei der Aktion hatten sie eine weitere, bisher unbekannte Person als Helfer. Gibt es weitere Hintermänner? Und welche Rolle spielt das „Sankt-Bonifatius-Institut“, das Sie im Video verlinkt haben? Erwartet uns jetzt ein „Greenpeace“ auf katholisch?

    Ich war derjenige, der die Statuen
    in den Tiber geworfen hat, weshalb
    auch ich entschieden habe,
    dass ich jetzt an die Öffentlichkeit gehe

    Ich war derjenige, der die Statuen in den Tiber geworfen hat, weshalb auch ich entschieden habe, dass ich jetzt an die Öffentlichkeit gehe. Die anderen Beteiligten zu nennen, würde jetzt nur unnötigen Ärger machen.

    Das Sankt-Bonifatius-Institut hat einen ganz bestimmten Zweck: Wir wollen mit den Menschen in Kontakt bleiben. Das geht bei Facebook nicht auf Dauer. Mit dem Sankt-Bonifatius-Institut wollen wir Laien wie Geistliche zusammenbringen und für eine Kultur des traditionellen Katholischseins einstehen. Überall dort, wo die Lehre der Kirche vernachlässigt wird oder wo politische Zeitgeistigkeiten im Mittelpunkt stehen, da wollen wir mit dem Finger draufzeigen und sagen: Wir wollen bei der katholischen Tradition bleiben. Aktionen wie die jetzige werden aber nicht auf der Tagesordnung stehen, das war einmalig.

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