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    Zwischen Tradition und Ikealook

    Die perfekte Liturgie gibt es nur im Himmel. Aber wenn ihr auf Erden etwas am nächsten kommt, dann doch wohl eine große und feierliche Papstliturgie – sollte man jedenfalls meinen. In Wirklichkeit sind die Massenmessen mit dem Heiligen Vater nicht ohne liturgische Probleme. Was während des Deutschlandbesuchs Benedikts XVI. als Altarraum zusammengezimmert wird, erinnerte teilweise an die Bühne eines Rockkonzerts. Immerhin: In Erfurt stand da nicht einfach ein gut ausgeleuchtetes Podium, sondern eine Konstruktion, die sich maßstabsgetreu an den Grundriss des Domchores hielt und so die uralt-christliche Form der Apsis zitierte.

    Die perfekte Liturgie gibt es nur im Himmel. Aber wenn ihr auf Erden etwas am nächsten kommt, dann doch wohl eine große und feierliche Papstliturgie – sollte man jedenfalls meinen. In Wirklichkeit sind die Massenmessen mit dem Heiligen Vater nicht ohne liturgische Probleme. Was während des Deutschlandbesuchs Benedikts XVI. als Altarraum zusammengezimmert wird, erinnerte teilweise an die Bühne eines Rockkonzerts. Immerhin: In Erfurt stand da nicht einfach ein gut ausgeleuchtetes Podium, sondern eine Konstruktion, die sich maßstabsgetreu an den Grundriss des Domchores hielt und so die uralt-christliche Form der Apsis zitierte.

    Im Gegenzug ließ man den Papst hier ebenso wie in Freiburg auf Sitzmöbeln thronen, die im Ikea-Katalog – vielleicht als Teil einer Serie „Hartsitza“ – nicht weiter auffallen würden. Seine Heimat tut sich eben besonders schwer mit Benedikts Programm einer liturgischen Erneuerung aus dem Geist der Tradition. Schließlich sind hier Pfarrgemeinderäte kompetent genug, um römische Direktiven bis zum Beweis des Gegenteils oder noch ein wenig länger für unsinnig zu halten. Umso sturer zeigt man sich, wo der sanftmütige Pontifex nicht auf Vorschriften, sondern auf die bloße Kraft seines guten Beispiels setzt.

    In der Tat: Der Papst hat die Indulte nicht aufgehoben, die es den Gläubigen vielerorts gestatten, sich den Leib des Herrn in die Hand reichen zu lassen. Doch seit 2008 spendet er die Kommunion nur noch an einer Kniebank. So macht er diskret, aber unmissverständlich deutlich: Er selbst zieht es vor, den Kommunikanten das Allerheiligste direkt auf die Zunge zu legen. Der Bundestagspräsident und Vater-unser-Umdichter Norbert Lammert allerdings kniete im Olympiastadion zwar nieder, hatte aber schon vorher die Hände geöffnet und Benedikt XIV. damit – für die Kameras gut sichtbar – ebenso unmissverständlich wie indiskret deutlich gemacht: Ihm ist der Leib Christi gefälligst so zu spenden, wie es in Deutschland nun mal üblich ist. Da konnte es auch nicht mehr weiter überraschen, wie eine Fernsehkommentatorin bei der Freiburger Sonntagsmesse die verstörende Absonderlichkeit eines lateinischen Gebets in der Messe erklärte: Irgendwie klang das bei ihr so, als ob hier ökumenische Gottesdienste von römisch- und deutsch-katholischer Kirche gefeiert würden, in die beide Glaubensgemeinschaften ihre je eigenen Elemente einbringen.

    Gleiches Spiel bei der Musik: Erklang eine zeitgenössische, aber sehr klassisch anmutende Vertonung des Ordinariums von Wolfgang Menschick, dann sollte das Volk nach der Kommunion „Wo Menschen sich vergessen“ trällern, einen musikalisch anspruchslosen Klassiker des Neuen geistlichen Lieds, der es schafft, in drei Strophen kein einziges Mal das Wort „Gott“ zu verwenden. Durchgesetzt hat sich dagegen immerhin das „benediktinische Arrangement“. Ein mittig auf dem Altar stehendes Kruzifix, flankiert von hohen Leuchtern, soll zeigen, dass der Zelebrant durch Christus zum Vater betet – und nicht mit dem Volk redet, auch wenn er am Altar ihm zugewandt steht.

    Besonders deutlich wurde das in Freiburg und Erfurt, wo historische Garnituren auf den Altären standen. In Berlin dagegen war das Altarkreuz klein, dünn und unauffällig. Als ob es vor allem zeigen wollte, dass es hier nicht weiter stören sollte. Umso auffälliger waren die Logos zum Papstbesuch, die in Brusthöhe auf die Kaseln der Konzelebranten gestickt waren. Der bunte Klecks auf grünem Grund war offenbar unverzichtbar in einer Gesellschaft, in der sich auch jeder halbwegs ambitionierte Abwasserzweckverband sein eigenes Logo gönnt.

    Auf der für den Heiligen Vater bestimmten Kasel prangte dagegen das Christus-Monogramm. Benedikt allerdings trug dann doch grünes Tuch aus römischen Fundus. Florale Applikationen zwischen barocker Pracht und postkonziliarem „Glanz edler Einfachheit“.