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    Zu Füßen der Pyrenäen

    Ein Besuch in Lourdes sorgt immer wieder für Gänsehaut. Und bei einem Bad im eiskalten Quellwasser lassen sich hochsommerliche Abkühlung und spirituelle Erfahrung verbinden.

    Nach elf Jahren war ich wieder in Lourdes. Ein wichtiger Augenblick war das gemeinsame Angelus-Gebet mitten im Lärm der Autobahn. Klar, den Engel des Herrn könnten wir immer und überall beten, aber das wäre nicht das Gleiche. Ungefragt bin ich Vorbeter, was ungewohnt für mich ist, da ich bisher eher zurückhaltend mitgebetet habe. Wir stehen zu fünft vor dem Auto. Wir, das sind meine Eltern, mein Bruder, seine Freundin und ich. Ich muss fast brüllen, um den Lärm der Autobahn zu übertönen. Trotzdem spüre ich, wie mich eine gewisse Andacht überkommt und ruhig werden lässt. Noch 400 Kilometer bis Lourdes.

    Schon von Weitem bekomme ich Gänsehaut, wenn ich das unverwechselbare Zusammenspiel von Kathedrale und Grotte sehe. Was kann man gerade in Lourdes für seinen Geist und gegen diese hochsommerlichen Temperaturen tun? Klar, man geht im frischen und eiskalten Quellwasser baden. Nach erfolglosen Versuchen, wenigstens den Vater zu überzeugen, sitze ich allein auf der Bank und warte. Eine geistige Wiedergeburt, die dir aber das Blut in den Adern gefrieren lässt. Wenn schon, dann richtig. Obwohl ich weiß, was mich erwartet, bin ich aufgeregt, als ich mit fünf anderen Männern in der Kabine sitze. Wir sitzen uns gegenüber und hören das Auf- und Abtauchen unserer Vorgänger. Die ersten Schritte ins eiskalte Wasser sind die schlimmsten, mit dem Schock beim Untertauchen komme ich erst einige Sekunden danach klar.

    Die zwei Tage in Lourdes halten viele schöne Momente für uns bereit. Als „Tempel des menschlichen Leidens“ hat der heilige Papst Johannes Paul II. das Heiligtum in Lourdes einmal bezeichnet. Auch wir haben unter den schwülheißen Temperaturen gelitten, aber festgestellt: Wenn du etwas wirklich willst, dann ist es dir egal, wie sehr die Beine schmerzen. In diesem Tempel engagieren sich Hunderte junger Frauen in weißen Kleidern ehrenamtlich und kümmern sich um alte, kranke und behinderte Menschen. Hingabe und Fürsorge fallen mir bewusst beim Gebet an der Grotte und bei der Lichterprozession auf. Mag die Arbeit noch so körperlich und psychisch belastend sein – die jungen Frauen tragen ein Lächeln auf den Lippen. So ist auch Maria, sie begleitet still. Sie macht keine großen Worte, sondern ruft uns in Erinnerung: „Was er euch sagt, das tut.“ Sie nimmt uns an die Hand und führt uns zu ihrem Sohn. Sein Leben zu betrachten und darin Trost und Hoffnung zu finden – das ist Lourdes.

    Der Autor, 28, ist Volontär in der Hauptabteilung Medien und Kommunikation im Erzbistum Köln

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