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    Zollitsch distanziert sich von „Petition Vatikanum 2“

    Hamburg (DT) Zum Abschluss der viertägigen Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe in Hamburg hat der Vorsitzende der Konferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, für die Gastfreundschaft der Erzdiözese, der Hansestadt und des gastgebenden Grand-Hotels gedankt. Als Hauptthemen der bischöflichen Beratungen kristallisierten sich die Auseinandersetzung um die Pius-Bruderschaft, die Interpretation des Zweiten Vatikanischen Konzils und die gegenwärtige Weltwirtschaftskrise heraus.

    Hamburg (DT) Zum Abschluss der viertägigen Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe in Hamburg hat der Vorsitzende der Konferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, für die Gastfreundschaft der Erzdiözese, der Hansestadt und des gastgebenden Grand-Hotels gedankt. Als Hauptthemen der bischöflichen Beratungen kristallisierten sich die Auseinandersetzung um die Pius-Bruderschaft, die Interpretation des Zweiten Vatikanischen Konzils und die gegenwärtige Weltwirtschaftskrise heraus.

    Die Bischöfe verabschiedeten einstimmig, wie Erzbischof Zollitsch betonte, eine Stellungnahme zum „gegenwärtigen Weg der katholischen Kirche“. Hatte der Vorsitzende zu Beginn der Konferenz noch von einer Rücknahme der Exkommunikation der vier Bischöfe der Pius-Bruderschaft gesprochen, so war davon im Abschluss-Kommuniqué keine Rede mehr. Es sei allein Sache Roms und nicht der deutschen Bischöfe, die Frage einer Integration der Pius-Bruderschaft zu entscheiden. In der nächsten Woche werde er in Rom zu Gesprächen erwartet. Die Pius-Bruderschaft hätte sich selbst von der katholischen Kirche abgespalten und Papst Benedikt habe ihnen mit der Aufhebung der Exkommunikation als einer Geste des Entgegenkommens „die Hand gereicht“. Nun sei es an der Pius-Bruderschaft, die Glaubensüberzeugung der ganzen Kirche und aller Konzilien zu bejahen.

    Im Gegensatz zu den Kräften in der Katholischen Kirche, die einseitig von der Anerkennung nur des Konzils sprechen, machte Zollitsch deutlich, es gehe hier um alle Ökumenischen Konzile seit Beginn der Kirche. In diesem Zusammenhang bedauern die Bischöfe in ihrer Erklärung, dass es verzerrende und polemische Darstellungen der aktuellen Ereignisse in den letzten Wochen in der Medienberichterstattung gegeben habe. Besonders hob der Erzbischof die Stimmen aus dem „Innenraum der Kirche“ hervor, die „lieblos, extrem einseitig oder gar herabsetzend waren und der Einheit geschadet haben“. Damit waren insbesondere die Verfasser und Unterstützer der „Petition Vatikanum 2“ gemeint, denen die Bischöfe zum Vorwurf machen, das Ansehen und die Integrität des Papstes in Zweifel zu ziehen und spalterisch zu wirken. Es fehle „der Geist der Liebe“ in deren Äußerungen, erklärte Zollitsch. Das Pontifikat von Papst Benedikt XVI. sei kein Pontifikat des Rückwärtsgehens. „Wir sehen die Dinge völlig anders“, bekräftigte der Vorsitzende der Bischofskonferenz in Bezug auf die Petitionsunterzeichner. Diese hatten dem Papst eine „Rückwärtswendung“ und eine „Rückkehr in eine antimodernistische Exklave“ unterstellt. Am Rande der Bischofskonferenz wurde zudem bekannt, dass auch der Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Wolfgang Thierse, zu den Unterstützern dieser Petition gehört, der er in einem Brief vom 25. Februar „Glück und Erfolg“ wünscht.

    Auf Grund des großen Medieninteresses und der aktuellen Diskussionen gerieten die anderen Themen der Bischofskonferenz zwangsläufig in den Hintergrund. In Bezug auf die Weltwirtschaftskrise unterstrichen die Erzbischöfe Zollitsch und Marx die christliche Wertebasis als Grundlage des Wirtschaftslebens. Inwieweit sich diese im Abendland ebenfalls schwindenden Überzeugungen allerdings in einer globalen Welt durchsetzen lassen, blieb offen.

    In der Frage der „Schönheit der Liturgie“ konnte sich die Bischofskonferenz ebenso wenig zu einer neuen Stellungnahme durchringen wie in der Frage des „pro multis“. Hier war offenbar auch auf Grund der jüngsten Äußerungen der römischen Gottesdienstkongregation, die auf eine stärkere Beachtung der Konzilskonstitution „Sacrosanctum concilium“ und hier insbesondere der lateinischen Sprache sowie anderer Elemente gedrungen hatte, offenbar neuer Beratungsbedarf entstanden. Hier entsteht der Eindruck bei Beobachtern, dass in liturgischen Fragen nach dem Konzil „zu viel reformiert“ worden ist und die „ars celebrandi in ihrer theologischen Vielfalt“ neu entdeckt werden müsse.

    Von Hinrich E. Bues