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    Zentrale Gestalt des Mönchtums

    Man nennt ihn den „honigsüßen Lehrer“: Den heiligen Bernhard von Clairvaux (1090–1153). Er war Mitglied des Zisterzienserordens, der sich zum Ziel setzte, das benediktinische Mönchsideal in alter Reinheit wiederaufleben zu lassen; ein Orden, der durch Bernhards Wirken einen enormen Aufschwung nahm. Bernhard war zudem ein fruchtbarer Schriftsteller, dessen Werke auch heute noch Aufmerksamkeit verdienen. Mit dem Heiligen, seiner Theologie und der Spiritualität des von ihm zu höchster Blüte geführten Zisterzienserordens beschäftigt sich der neu erschienene Sammelband „Monastikon“ aus der Feder Gerhard B. Winklers. Der Verfasser ist selbst Zisterzienser (des Stiftes Wilhering in Oberösterreich) und wirkte bis zu seiner Emeritierung 1999 als Ordinarius für Kirchengeschichte, zuletzt an der Universität Salzburg. Er ist Herausgeber der zehnbändigen lateinisch-deutschen Werkausgabe des heiligen Bernhard von Clairvaux, die 1990 bis 1999 im Tyrolia-Verlag erschien. Der hier vorzustellende kleine Sammelband mit Beiträgen „zum kulturgeschichtlichen Umfeld des Zisterzienserordens, zu seiner Theologie und Spiritualität“ erscheint im erst 2011gegründeten Patrimonium-Verlag, der seinen Sitz in der deutschen Trappisten-Abtei Mariawald hat und stellt eine der ersten Publikationen im Verlagssortiment, genauer: der wissenschaftlichen Reihe „Patrimonium Cisterciense“, dar. Er enthält 20 Aufsätze und Vorträge, die zu verschiedenen Gelegenheiten entstanden sind (drei davon in englischer Sprache); der Umfang der Einzelbeiträge liegt meist zwischen 10 und 20 Seiten.

    Der „honigsüße Lehrer“ Bernhard Foto: KNA

    Man nennt ihn den „honigsüßen Lehrer“: Den heiligen Bernhard von Clairvaux (1090–1153). Er war Mitglied des Zisterzienserordens, der sich zum Ziel setzte, das benediktinische Mönchsideal in alter Reinheit wiederaufleben zu lassen; ein Orden, der durch Bernhards Wirken einen enormen Aufschwung nahm. Bernhard war zudem ein fruchtbarer Schriftsteller, dessen Werke auch heute noch Aufmerksamkeit verdienen. Mit dem Heiligen, seiner Theologie und der Spiritualität des von ihm zu höchster Blüte geführten Zisterzienserordens beschäftigt sich der neu erschienene Sammelband „Monastikon“ aus der Feder Gerhard B. Winklers. Der Verfasser ist selbst Zisterzienser (des Stiftes Wilhering in Oberösterreich) und wirkte bis zu seiner Emeritierung 1999 als Ordinarius für Kirchengeschichte, zuletzt an der Universität Salzburg. Er ist Herausgeber der zehnbändigen lateinisch-deutschen Werkausgabe des heiligen Bernhard von Clairvaux, die 1990 bis 1999 im Tyrolia-Verlag erschien. Der hier vorzustellende kleine Sammelband mit Beiträgen „zum kulturgeschichtlichen Umfeld des Zisterzienserordens, zu seiner Theologie und Spiritualität“ erscheint im erst 2011gegründeten Patrimonium-Verlag, der seinen Sitz in der deutschen Trappisten-Abtei Mariawald hat und stellt eine der ersten Publikationen im Verlagssortiment, genauer: der wissenschaftlichen Reihe „Patrimonium Cisterciense“, dar. Er enthält 20 Aufsätze und Vorträge, die zu verschiedenen Gelegenheiten entstanden sind (drei davon in englischer Sprache); der Umfang der Einzelbeiträge liegt meist zwischen 10 und 20 Seiten.

    Die Mehrzahl der Beiträge widmet sich, wie der Untertitel verspricht, dem Zisterzienserorden. Im Zentrum steht dabei vor allem der heiligen Bernhard von Clairvaux. Doch der thematische Rahmen wird mehrfach störend durchbrochen: Ein Beitrag widmet sich etwa der Missionsarbeit des Bonifatius, ein anderer dem Thema „Islam und Christenheit“, und auch eine Laudatio für den emeritierten Erzbischof Eder von Salzburg wurde in den Band aufgenommen, dem mehr thematische Geschlossenheit zu wünschen gewesen wäre (wenn man die genannten „Ausreißer“ nicht alle unter dem schwammigen Oberbegriff „kulturgeschichtliches Umfeld“ fassen möchte).

    Folgende Beiträge verdienen besondere Erwähnung. Das Kapitel „Zum monastischen Umgang mit Zeit“ beleuchtet besonders von der Benediktsregel ausgehend das biblische und anthropologische Fundament der strikten Zeiteinteilung im Tagesablauf mittelalterlicher Klöster. In die Frühzeit der christlichen Missionierung der deutschen Lande führt ein sehr anregender Beitrag über die Kontroverse zwischen dem heiligen Bonifatius und dem aus Irland stammenden Salzburger Bischof Virgil, der besonders aus ihren verschiedenen Ansichten über das Verhältnis von Orts- und Universalkirche resultierte. Am besten erscheinen in dem Band die beiden Beiträge über „Gnade und Freiheit“ und „Freiheit und Unfreiheit“ bei Bernhard. Winkler zeigt darin, wie Bernhard die Gnadenlehre des heiligen Augustinus aufgriff und weiterführte. Reizvoll ist der Vergleich, den Winkler im Kapitel „Die Enzyklika Deus Caritas est und Bernhards Lehre von der Gottesliebe“ zwischen der ersten Enzyklika Benedikts XVI. und Bernhards Schrift „De diligendo Deo“ anstellt. Der Gelehrte attestiert dem regierenden Pontifex eine bemerkenswerte Vertrautheit mit den Schriften des Heiligen.

    Die aufklärerische Geschichtsschreibung pflegt dem heiligen Bernhard bis heute sein Engagement im „Wendenkreuzzug“ im Jahre 1147 zur Abwehr der Elbslawen zum Vorwurf zu machen. In einem Rundbrief schrieb er damals „vel deleantur vel convertantur“ („sie [die Heiden] sollen entweder vertilgt oder bekehrt werden“).

    Winkler ordnet diesen Brief in seinen historischen und theologiehistorischen Kontext ein, und macht verständlich, warum sich Bernhard so scharf äußerte und wie seine Äußerung richtig zu verstehen ist („Die Suppe wurde nicht so heiß gegessen wie gekocht“).

    Der Humanist Erasmus von Rotterdam nahm den heiligen Bernhard in seinen Kanon der sieben besten lateinischen Schriftsteller auf (neben zum Beispiel Cicero oder dem Kirchenvater Hieronymus). Wie begründete Erasmus dieses Urteil? Winkler unterzieht die Äußerung des Gelehrten aus Rotterdam einer genauen Betrachtung und lenkt ganz nebenbei den Leser dahin, den bisweilen als Protoaufklärer betrachteten Humanisten Erasmus als durchaus dogmatisch festen Christen zu betrachten. Das 20. Kapitel führt ins 20. Jahrhundert und damit in die neueste Geschichte des Zisterzienserordens: Es stellt Matthäus Quatember vor, den 78. Generalabt der Zisterzienser, der sich besonders um die innere Einheit des spanischen Katholizismus nach dem großen Bürgerkrieg verdient machte. Dass das Mittelalter nicht dunkel war, hat die Geschichtswissenschaft längst festgestellt, aber das Schlagwort vom „dunklen Mittelalter“ spukt weiterhin durch viele Köpfe.

    In einem kurzen und pointierten Beitrag im dritten Kapitel versetzt ihm Winkler mehrere zielsichere Schläge. Unter den Beiträgen, die thematisch nicht speziell dem Orden des Bernhard oder diesem selbst gewidmet sind, verdient daneben noch das Kapitel über den heiligen Modestus, den Apostel der Kärntner, besondere Erwähnung.

    „Monastikon“ besticht nicht zuletzt dadurch, dass es auch das Zeitgebundene und in gewisser Weise „Überholte“ an Bernhard von Clairvaux nicht verschweigt, etwa seine Position in der Frage der Unbefleckten Empfängnis Mariens (Kapitel acht), die durch die spätere dogmatische Entwicklung obsolet geworden ist, oder seinen martialisch klingenden Appell im Wenden- kreuzzug.

    Und zugleich wird deutlich, weshalb Bernhard auch für die Gläubigen heute zum Lehrer werden kann. Seine Bedeutung für die Entwicklung des christlichen Denkens wird an vielen prägnanten Einzelbeispielen deutlich gemacht. Der vorgestellte Band stellt eine anregende und bereichernde Lektüre dar; dass die Einzelkapitel nicht allzu lang sind, kommt gerade vielbeschäftigten Lesern zupass. Winkler zeigt in „Monastikon“, wie sich rechtgläubige Kirchengeschichtsschreibung, wissenschaftliche Methode und leserfreundliche Darstellungsweise miteinander vereinbaren lassen.

    Gerhard B. Winkler, Monastikon. Beiträge zum kulturgeschichtlichen Umfeld des Zisterzienserordens, zu seiner Theologie und Spiritualität, Patrimonium-Verlag, Heimbach/Eifel 2012, 342 Seiten, ISBN 978-3-8641-7002-7, EUR 29,80