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    „Wir verteidigen Gottes Ja zum Leben“: Nachgefragt

    Münster (DT) Mit einem feierlichen Abschlussgottesdienst und einem gemeinsamen Mahl auf dem Domplatz ist am Sonntag das Fest-Wochenende zum 750-jährigen Jubiläum des St.-Paulus-Doms in Münster zu Ende gegangen. Dabei betonte der Bischof von Münster, Felix Genn, dass der Dom für viele eine eigene, lebendige Bedeutung habe. „Er ist das Herz dieser Stadt und gehört ganz einfach zu uns“, hob Genn in seiner Predigt hervor. „Zu seinem Geburtstag haben wir ihm dieses Spektakel gegönnt.“ Nach Angaben des Bistums Münster hatten an dem dreitägigen Fest insgesamt 50 000 Menschen teilgenommen, davon allein 5 000 am Abschlussgottesdienst.

    Fest unter freiem Himmel. Die Münsteraner feierten ihren Dom. Foto: Felder

    Münster (DT) Mit einem feierlichen Abschlussgottesdienst und einem gemeinsamen Mahl auf dem Domplatz ist am Sonntag das Fest-Wochenende zum 750-jährigen Jubiläum des St.-Paulus-Doms in Münster zu Ende gegangen. Dabei betonte der Bischof von Münster, Felix Genn, dass der Dom für viele eine eigene, lebendige Bedeutung habe. „Er ist das Herz dieser Stadt und gehört ganz einfach zu uns“, hob Genn in seiner Predigt hervor. „Zu seinem Geburtstag haben wir ihm dieses Spektakel gegönnt.“ Nach Angaben des Bistums Münster hatten an dem dreitägigen Fest insgesamt 50 000 Menschen teilgenommen, davon allein 5 000 am Abschlussgottesdienst.

    Genn erklärte, eine tiefe Sehnsucht sei in allen Herzen unausrottbar. Beim Jubiläum habe sich gezeigt, dass der Dom auch als steinernes Bauwerk nach Jesus tönen und sein Licht vermitteln könne, sagte der Bischof. Das Leitwort des Jubiläums „Willkommen im Paradies“ sei keine Vertröstung ins Jenseits, sondern die Einladung, bei Jesus willkommen zu sein. Freimütig räumte der Bischof ein, dass die Alltagstöne anders klängen als die Jubiläumsstimmung der Fest-Tage, denn das Licht sei durch „Misstöne, Fehler, Skandale, Missbräuche, Ungerechtigkeiten und Sünden der Kirche“ verdeckt. „Aber solange wir nach Jesus suchen, dürfen wir wissen: Er will bei uns, in unserer Kirche zu Gast sein, in einer Kirche, deren Gewand weitaus weniger schön ist als das Gewand unseres Domes.“

    Geistliche Gemeinschaften, eine Gabe des Geistes

    Auch eine sündige Kirche, in der es nicht immer paradiesische Zustände gegeben habe und gebe, stehe aber dafür ein, paradiesische Zustände im Jetzt und Hier zu ermöglichen. Ausdrücklich rief Genn die Christen dazu auf, ihren gesellschaftlichen und politischen Auftrag wahrzunehmen, trotz aller Ohnmacht, „mitunter nichts unmittelbar bewirken zu können“, und verwies insbesondere auf die Ukraine, den Irak und die Ebola-Gebiete in Afrika. Im Hinblick auf die Diskussion um den Anfang und das Ende des Lebens erklärte der Bischof mit großem Nachdruck: „Wir verteidigen Gottes Ja zum Leben, und selbstverständlich müssen wir deshalb den assistierten Suizid ablehnen.“ Auf der anderen Seite dürfe man Menschen, die sich in einer solchen Grenzsituation befänden, nicht verurteilen, sondern ihnen den „Atem der Hoffnung“ zukommen lassen.

    Bei mehreren Veranstaltungen des Jubiläums-Wochenendes ging es um das Thema Neuevangelisierung. Dabei würdigte der Offizial von Vechta, Weihbischof Heinrich Timmerevers, das Engagement der geistlichen Gemeinschaften als „etwas sehr Bewegendes, Ermutigendes und Schönes“. „Das ist immer eine Gabe des Heiligen Geistes für die Kirche und zeigt, dass er auch heute am Werk ist“, betonte Timmerevers. Wer getauft sei, der sei damit nicht zugleich auch schon evangelisiert; vielmehr müsse dann die innere Zugehörigkeit noch hinzukommen. Allerdings sei jede geistliche Gemeinschaft der Versuchung ausgesetzt, zu glauben, sie habe den Stein der Weisen gefunden und repräsentiere das bessere Christentum. „Deswegen kommt es darauf an, dass man zusammenbleibt und keine Spaltung bringt“, mahnte der Weihbischof.

    Pfarrer Martin Piller berichtete von fünf kleinen geistlichen Gemeinschaften, die vor sieben Jahren in seiner Gemeinde Maria Lourdes in Zürich-Seebach gebildet worden seien. Diese Gemeinschaften seien verschiedenen Stadtteilen zugeordnet und träfen sich regelmäßig an Versammlungsorten wie Wohnungen oder Gemeinschaftsräumen, so Piller. „Die Stadtteile denken total verschieden, aber jeder gehört grundsätzlich dazu“, erläuterte der Pfarrer. „Die Gemeinschaften sollen bewusst keine Sekten sein, die ein Eigenleben führen.“ Deswegen seien das Gemeinde-Leben und das Leben vor Ort, aber auch die Arbeit der Leiter und Hauptamtlichen miteinander vernetzt.

    Zentrale Bedeutung habe das Bibel-Teilen in sieben Schritten, das eine „Schule des Betens und Hörens“ und eine ganz einfache Wort-Liturgie sei. „Wir haben neu entdeckt, dass wir von Jesus Christus in unser Leben gesandt werden“, fügte die Koordinatorin der Gemeinschaften, Marianne Reiser, hinzu. „Entscheidend sind also ein neues Bewusstsein und eine neue Haltung, und das hat zugleich große Bedeutung für den Alltag.“ Dominique Haas, Mitglied der Gemeinschaft Emmanuel in Münster, ergänzte, dass „ihre“ Gemeinschaft ihre Spiritualität in die neue Großgemeinde St. Mauritz (Münster) einbringe und dass das sehr bereichernd sei.

    Evangelisierung sei zugleich Mit-Leiden mit den Menschen. „Wir machen den Mitgliedern der Gemeinde klar: Aus diesen Quellen schöpfen wir – mit unserer Straßenmission, mit Glaubenskursen, Katechesen und Hinführungen –, aber in aller Freiheit. Das ist ein fruchtbares Miteinander, aber niemand ist gezwungen, da mitzumachen.“ Matthias Schulte, Mitglied des Pfarreirates der Gemeinde St. Lamberti in Münster, die inzwischen nahezu die gesamte Innenstadt umfasst, sprach sich für ein Miteinander von dem aus, „was Gott in den Gemeinschaften und den Gemeinden wirkt. Christ-Sein hat schließlich auch viel mit Zugehörigkeit zu tun.“

    Monika und Bernhard Arndt aus Münster berichteten, manche Pfarrer hätten Sorge, wenn Ideen geistlicher Gemeinschaften ins Gemeindeleben getragen würden. Beide hatten sich der Schönstatt-Bewegung angeschlossen, nachdem sie das Gemeindeleben als zu anonym empfunden hatten. „Wir wollen den Menschen vergegenwärtigen, dass Gott ein Gott des Lebens ist“, erklärte Bernhard Arndt. Bei der „Spurensuche“, die bei der Schönstatt-Bewegung den Stellenwert des Bibel-Teilens bei anderen Gemeinschaften habe, komme zur Sprache, was die Einzelnen erlebt hätten und wo sie Gott finden könnten. „Ich suche nicht so sehr den direkten Gott, sondern erlebe ihn im Menschen“, verdeutlichte Arndt. „Und mein Schlüssel-Glaubenserlebnis ist meine Ehe, in der ich ein Dauersakrament sehe.“ Jedes Schönstatt-Mitglied habe sein privates Heiligtum zu Hause, an dem es Gott und der Gottesmutter besonders begegnen könne, so Monika Arndt. „Das ist unser häusliches Schönstatt-Kapellchen, und dort findet auch Glaubenskatechese statt. Ich bin begeistert vom Glauben, brenne dafür und will das auch weitergeben.“

    Zur Mission braucht es Personen

    Der Erzbischof von Manila, Kardinal Luis Antonio Tagle, sprach sich in einem Vortrag für eine „Mission durch Dialog“ in Asien aus. Die frühere einseitige Missionierung von einer Nation zu anderen Nationen (missio ad gentes) habe dort tiefe Wunden geschlagen, bedauerte Tagle. Heutzutage aber sei eine „missio inter gentes“, also eine Missionierung zwischen den Völkern und Nationen, gefordert. „Die Christen in Asien sollten als Asiaten zu dieser Missionierung beitragen und sich nicht für ihre Herkunft schämen“, forderte der Erzbischof. „Und die Missionare müssen sensibler für andere Traditionen und Kulturen sein.“

    Evangelisierung ist nach Ansicht Tagles nicht so sehr eine Sache von Institutionen, sondern geschieht von Person zu Person im wirklichen Leben. Triumphalistische Töne seien dabei unbedingt zu vermeiden. „Wir müssen Begleiter auf dem Weg der anderen Menschen mit all ihren Leiden, Freuden und Hoffnungen sein“, hob der Kardinal hervor. Zwar bleibe die Welt eine gebrochene Welt, aber sie biete auch die Chance für eine Mission der Begegnung mit anderen Kulturen. „Oft gibt es in Asien keine Bereitschaft zum Dialog, sondern Intoleranz und Gewalt“, räumte Tagle ein. „An Jesus Christus zu glauben kann in manchen Teilen des Kontinents ein Risiko sein.“ Grundsätzlich aber könnten alle Menschen Gebende und Empfangende sein, und deshalb müssten die Christen die Fähigkeit entwickeln, auf die anderen zu hören und zu ihren Quellen zu gehen. „Mission geht über eine Strategie und eine Technik weit hinaus“, betonte der Erzbischof von Manila. „Es geht um eine Bildung der Herzen. Der Glaube wird manchmal durch die an uns herangetragen, die unsere Feinde sind.“

    Der heutige Dom ist eigentlich schon der dritte Dom von Münster. Seine zwei Vorgängerbauten wurden 805 (durch den Gründer-Missionar von Stadt und Bistum Münster, den heiligen Liudger) sowie im 10. oder 11. Jahrhundert errichtet. Der Grundstein zum heutigen Dom wurde am 22. Juli 1225 gelegt; am 30. September 1264 wurde er eingeweiht. Er vereinigt Stilelemente der Romanik und der Gotik und beherbergt unter anderem das Grab des seligen Bischofs Clemens August Graf von Galen, der als „Löwe von Münster“ durch seine Predigten gegen das Euthanasieprogramm der Nazis Berühmtheit erlangte. GF