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    „Wir rocken hier London“

    Auf Initiative von Kaplan Andreas Süß, Priester des Erzbistums Köln, entstand im Anschluss an den Weltjugendtag 2005 in Bonn die Aktion „Nightfever“. Mittlerweile sind die Gebetsabende in 27 deutschen Städten und mehreren Ländern zur festen Institution geworden. Auch in London hat „Nightfever“ Fuß gefasst. Bei der Olympiade sind die jungen Katecheten dabei.

    Ansteckende Glaubensfreude erleben die Jugendlichen im Joshua-Camp: In der Mitte der Erfinder von „Nightfever“, Kaplan A... Foto: Archiv

    Auf Initiative von Kaplan Andreas Süß, Priester des Erzbistums Köln, entstand im Anschluss an den Weltjugendtag 2005 in Bonn die Aktion „Nightfever“. Mittlerweile sind die Gebetsabende in 27 deutschen Städten und mehreren Ländern zur festen Institution geworden. Auch in London hat „Nightfever“ Fuß gefasst. Bei der Olympiade sind die jungen Katecheten dabei.

    Wie ist Nightfever ins offizielle Olympiaprogramm gekommen?

    Die katholische Kirche nimmt – wie uns berichtet wurde – zum ersten Mal teil am olympischen Programm der Stiftung „More than Gold“, also „Mehr als Gold“. Nightfever wurde von der englischen Bischofskonferenz eingeladen. Als olympische Dachorganisation verbindet „More than Gold“ mehr als dreihundert Religionen, Konfessionen und Denominationen und will durch ihr geistliches und caritatives Engagement während der Spiele zeigen: Es gibt mehr als diesen Leistungswettbewerb. Man kann den Glauben an Gott auch während der Olympia entdecken. Dazu braucht man nicht über verschiedene Gottesbilder zu diskutieren. Vom 1. bis 13. August haben wir uns mit 200 jungen Erwachsenen aus aller Welt im katholischen Joshua-Camp auf unsere Einsätze bei Olympia vorbereitet.

    Welche Voraussetzungen bringen die Jugendlichen mit, die Nightfever in London während der Spiele unterstützen?

    Sie sind mindestens 18 Jahre alt, haben den Mut, den Glauben auf nette Art und Weise ins Gespräch zu bringen. Zum Beispiel fragen sie Passanten, ob sie für sie beten können, wenn sich zeigt, dass es ihnen nicht gut geht. Die Nationalitäten sind bunt gemischt, manche sind eher charismatisch geprägt. Die meisten pflegen ein intensives Gebetsleben. Sonst würden sie sich wohl gar nicht trauen, in einer Stadt fremde Menschen anzusprechen. Es gibt aber auch einige, die noch nicht getauft sind. Sie sind eingeladen worden, mitzumachen. Beim Kommunionempfang bitten sie einfach nur um den Segen.

    Wie sieht der Beitrag von Nightfever konkret aus?

    Wir nehmen teil am sogenannten Joshua-Camp. Das ist ein Treffen verschiedener katholischer Gruppen, die gemeinsam überlegen, was sie für die geistliche Erneuerung Europas tun können. Insgesamt sind 200 Jugendliche aus der ganzen Welt hier. Hier werden ganz konkret die Teilnehmer auf den Einsatz bei Nightfever und andere Aktionen vorbereitet. Wir selbst durften theoretisch und praktisch schulen. Es kommen auch Bischöfe und der Generalvikar von London morgens zur heiligen Messe. Übersetzt wird in vierzehn Sprachen. Seit Februar 2012 gibt es Nightfever in London und für die Verantwortlichen hier ist das eine wunderbare Vision: Junge Menschen laden

    auf der Straße Touristen oder Sportler ein zur Anbetung und zum Sakrament der Versöhnung. Vom 1. bis 4. August haben wir uns selbst im Joshua-Camp auf unseren Einsatz vorbereitet: Das waren intensive Tage mit vielen Workshops und Vorlesungen vom Morgengebet um halb acht bis zum Abendgebet um 22.30 Uhr. In dieser Woche machen wir seit Sonntag jeden Abend Nightfever in St. Patrick's in Soho und in St. Catherine's in der Nähe der Austragungsorten der Wettkämpfe. Das setzen wir bis zum 10. August fort.

    Welche Erfahrungen machen Sie dabei in London?

    Soho liegt in einem Viertel, das wie eine Partymeile ist. Wir kommen dort in Kontakt mit dem Rotlichtmilieu. Doch wir sind nicht die einzigen, die Menschen für ihren Glauben gewinnen wollen: Es gibt auch stark missionierende Muslime bei den Olympischen Spielen und Evangelikale. Vor Beginn des Nightfevers machen wir auch Straßenaktionen: Wir schminken Leute und machen Luftballonakrobatik und Pantomine, um die Passanten auf unser Programm aufmerksam zu machen und auch die Freude und die Offenheit der jungen Leute für den Glauben zur Sprache zu bringen. In der Stadt ist es leicht, Menschen anzusprechen. Acht Priester haben beim ersten Nightfever den ganzen Abend die Sakramente gespendet.

    Wie nehmen Sie die Stimmung wahr?

    Wir versuchen, die Freude der Weltjugendtage zu verbreiten, singen und tanzen mit jungen Menschen aus anderen Nationen in der U-Bahn und Straßen. Mit 200 jungen Menschen aus dem Camp können wir wirklich im Kleinen zum Beispiel im Hidepark ansteckend wirken. Es ist unser einfaches Lebenszeugnis, das Passanten einlädt. Dadurch kommen wir ins Gespräch und können Zeugnis geben von der Freude, die uns erfüllt. Man merkt, dass wir hier London rocken. Das hat etwas Leichtes und man gewinnt nicht den Eindruck, zu etwas

    überredet zu werden. Auch wenn wir abends in unser muslimisch geprägtes Viertel zurückfahren, begegnen uns die Leute offen, wenn wir in der Bahn singen.

    Sprechen Sie auch Muslime an, um ihnen von Christus erzählen?

    Ja, wir versuchen, alle Religionen einzuladen. Wir gratulieren zum Ramadan und knüpfen auf diese Weise den ersten Gesprächsfaden. Dann lädt man ein und sagt: Wir sind hier in der Kirche und haben schöne Musik, wollt ihr nicht mit hineinkommen? Und wenn diejenigen sich dazu entscheiden, das zu tun, dann kann man ein wenig von seinem eigenen Glauben erzählen, wie Gott in meinem Leben wirkt und warum er mein Leben so erfüllt, dass ich mich von ihm getragen fühle.

    Welche Wirkung wird von der Schulung im Camp und durch die 12 Nightfever-Abende ausgehen?

    Es ist für Nightfever eine große Ehre und Freude bei diesem Multiplikatoren-Treffen mitwirken zu dürfen. Wir sind gespannt, was der Heilige Geist wirken wird, denn durch unsere Schulung im Joshua-Camp und die viele Nightfever-Abende während der Olympischen Spiele in mehreren Kirchen, haben unzählig viele Menschen diese Form der Neuevangelisierung kennen-gelernt. Ich teile die Vision Johannes Pauls II., dass von der Jugend die Neuevangelisierung Europas, ja der ganzen Welt ausgeht. Ich bin sicher, dass wir in unseren Städten bald Zentren der Neuevangelisierung haben werden.