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    „Wir können nicht eine Sünde feiern“

    Wien (DT/KNA/KAP) Der 500. Jahrestag der Reformation 2017 ist nach Ansicht des vatikanischen Ökumene-Beauftragten Kardinal Kurt Koch kein Grund zum Feiern. Er plädiere daher dafür, nicht von einem „Jubiläum“, sondern von einem „Reformationsgedenken“ zu sprechen, sagte der Schweizer Kurienkardinal am Dienstag in Wien: „Denn wir können nicht eine Sünde feiern.“

    Wien (DT/KNA/KAP) Der 500. Jahrestag der Reformation 2017 ist nach Ansicht des vatikanischen Ökumene-Beauftragten Kardinal Kurt Koch kein Grund zum Feiern. Er plädiere daher dafür, nicht von einem „Jubiläum“, sondern von einem „Reformationsgedenken“ zu sprechen, sagte der Schweizer Kurienkardinal am Dienstag in Wien: „Denn wir können nicht eine Sünde feiern.“

    Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen, mit denen die Reformation begann. Ob Luther seinen Protest gegen den päpstlichen Ablasshandel tatsächlich mit Hammer und Nagel an die Wittenberger Schlosskirche schlug, ist in der Forschung umstritten. Die Reformation führte zur Trennung von katholischer und evangelischen Kirchen und löste eine Fülle von weiteren Veränderungen etwa in Musik, Kunst, Wirtschaft und Sozialem aus. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bereitet sich seit 2008 mit einer Lutherdekade auf den Jahrestag vor.

    Ihm sei bewusst, dass er mit seiner Aussage möglicherweise als „Anti-Ökumeniker“ wahrgenommen werde, räumte der vatikanische Ökumene-Minister ein. Er erhoffe sich jedoch statt einer Jubiläumsfeier ein „beidseitiges Schuldbekenntnis“ nach dem Vorbild der Versöhnungsbitte von Papst Johannes Paul II. aus dem Jahr 2000. Dann könne das Gedenken an die Reformation auch Fortschritte im ökumenischen Gespräch zwischen den Kirchen bringen, so der Präsident des päpstlichen Rates für die Einheit der Kirchen.

    Mit seiner Versöhnungsbitte im Heiligen Jahr 2000 entschuldigte sich ein Papst erstmals in der Kirchengeschichte mit einem umfassenden „Mea Culpa“ für Fehler und Sünden von Christen in den zurückliegenden 2 000 Jahren. Dabei verurteilte Johannes Paul II. auch die Spaltungen der Christenheit und bekannte die Sünden von Christen gegen die Juden.

    Koch ging auch auf eine verbreitete Falschdarstellung ein, wonach Benedikt XVI. der Ökumene mit der Orthodoxie Priorität gegenüber der Ökumene mit den reformatorischen Kirchen einräume. Dies sei schon historisch falsch, denn Joseph Ratzinger habe schon als Theologe viel zur reformatorischen Theologie gearbeitet. Es sei auch Ratzinger gewesen, der 1998 die gefährdete Augsburger „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigung“ (1999) gerettet habe, einen Meilenstein der Ökumene zwischen Katholiken und Lutheranern. Der jetzige Papst sei 1998 extra nach Regensburg gereist, wo es zu einem Treffen mit den maßgeblichen Vertretern des Lutherischen Weltbunds kam. Ergebnis war ein Dokument zur Verständigung, in dem unmissverständlich der Konsens in den Grundwahrheiten der Rechtfertigungslehre bestätigt und hervorgehoben wird. Betont wird weiter, dass die gegenseitigen Lehrverurteilungen des 16. Jahrhunderts die heutigen Kirchen nicht mehr treffen. Zudem heißt es klarstellend, dass der Mensch allein aus Gnade gerechtfertigt und erlöst werde.

    Koch äußerte sich am Rande eines Expertentreffens zum 50. Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965). Das von der Universität Wien, den Wiener Theologischen Kursen und der Stiftung „Pro Oriente“ ausgerichtete Symposium stand unter dem Titel „Erinnerung an die Zukunft“.