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    Wille zur Aufklärung bekräftigt

    Würzburg (DT/KNA) Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann befürwortet eine rasche Neuvergabe einer Studie zu Missbrauch durch katholische Priester in Deutschland. „Ich hoffe, dass wir Bischöfe sehr schnell eine gute Entscheidung treffen können“, schreibt Hofmann in einem Gastbeitrag für die Würzburger „Main-Post“ (Samstag). Bereits mehrere Institute hätten sich der Bischofskonferenz als Kooperationspartner angeboten, nachdem die Zusammenarbeit mit dem Hannoveraner Kriminologen Christian Pfeiffer gescheitert war. Die Kirche habe „keine Angst vor einer wissenschaftlichen Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs“. Dies müsse aber seriös geschehen. Hofmann erneuerte die Kritik an dem Vorhaben Pfeiffers und verwies auf eine fehlende Vertrauensbasis. Der Forscher habe verbindliche Zusagen nicht eingehalten und sei nicht in der Lage gewesen, zeitnahe Informationen zur Vorgehensweise zu liefern. „Sehr negative Erfahrungen gab es auch im Kommunikationsverhalten des Kriminologen.“ Zugleich erinnerte der Bischof an die Kritik des Würzburger Strafrechtsprofessors Klaus Laubenthal, der auch unabhängiger Missbrauchsbeauftragter des Bistums ist. Dieser hatte kritisiert, dass der Opferschutz in der Studie Pfeiffers nicht gewährleistet gewesen sei, wenn diese befragt würden.

    Seit Montag tagt der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz im Würzburger Kloster Himmelspforten (im Bild). Die Au... Foto: Symbolbild: dpa

    Würzburg (DT/KNA) Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann befürwortet eine rasche Neuvergabe einer Studie zu Missbrauch durch katholische Priester in Deutschland. „Ich hoffe, dass wir Bischöfe sehr schnell eine gute Entscheidung treffen können“, schreibt Hofmann in einem Gastbeitrag für die Würzburger „Main-Post“ (Samstag). Bereits mehrere Institute hätten sich der Bischofskonferenz als Kooperationspartner angeboten, nachdem die Zusammenarbeit mit dem Hannoveraner Kriminologen Christian Pfeiffer gescheitert war. Die Kirche habe „keine Angst vor einer wissenschaftlichen Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs“. Dies müsse aber seriös geschehen. Hofmann erneuerte die Kritik an dem Vorhaben Pfeiffers und verwies auf eine fehlende Vertrauensbasis. Der Forscher habe verbindliche Zusagen nicht eingehalten und sei nicht in der Lage gewesen, zeitnahe Informationen zur Vorgehensweise zu liefern. „Sehr negative Erfahrungen gab es auch im Kommunikationsverhalten des Kriminologen.“ Zugleich erinnerte der Bischof an die Kritik des Würzburger Strafrechtsprofessors Klaus Laubenthal, der auch unabhängiger Missbrauchsbeauftragter des Bistums ist. Dieser hatte kritisiert, dass der Opferschutz in der Studie Pfeiffers nicht gewährleistet gewesen sei, wenn diese befragt würden.

    Auch der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst sagte eine rückhaltlose Aufklärung und Erforschung von Entwicklungen zu, die zu den zu verabscheuenden Vorkommnissen sexuellen Missbrauchs geführt hätten. Die Bischöfe bedauerten, dass dies mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer nicht so möglich gewesen sei, „wie ursprünglich mit ihm vereinbart“, sagte Tebartz-van Elst am Sonntag in Limburg beim Neujahrsempfang seines Bistums. Tebartz-van Elst versicherte, die Bischöfe wollten die mit Pfeiffer gescheiterte Missbrauchsstudie unbedingt mit einem anderen unabhängigeren, wissenschaftlich verlässlicheren und verbindlicheren Institut fortsetzen. „Das sind und bleiben wir den Opfern schuldig und hier lassen wir nicht nach, denen Gehör und Gerechtigkeit, Entschädigung – so es die überhaupt angemessen geben kann – und alle mögliche Hilfe zukommen zu lassen, die so schreckliches Leid erfahren mussten“, sagte Tebartz-van Elst. Er wies darauf hin, dass in seinem Bistum alle Akten von einem zugewiesenen Juristen eingesehen worden seien. „Wer aber behauptet, ohne belegen zu können, dass Akten generell vernichtet worden sind, und damit einen herabsetzenden Verdacht streut, kann kein redlicher Partner in einer Studie sein, die der Wahrheit dienen soll“, so der Bischof.

    Nach dem Ausstieg der Kirche aus dem Forschungsprojekt mit dem Kriminologen Pfeiffer rief der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke zur Selbstkritik auf. Die Bischöfe müssten sich der Frage stellen, warum die Probleme, an denen die Zusammenarbeit letztlich gescheitert sei, nicht schon am Anfang im Blick gewesen seien, sagte Hanke am Wochenende beim Neujahrsempfang des Eichstätter Diözesanrats. Zu fragen sei auch, warum überhaupt die Wahl auf Pfeiffer gefallen sei. Die Kirche arbeite mit anderen renommierten Wissenschaftlern bereits zusammen, erklärte der Bischof. Pfeiffer werde außerdem „von manchen seiner Fachkollegen skeptisch und kritisch beurteilt“. Hanke bedauerte den durch den Bruch entstandenen öffentlichen Eindruck. Es sei das falsche Bild entstanden, dass es der katholischen Kirche an Aufklärungswillen fehle. Davon könne keine Rede sein. Aufklärung und fachliche Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der Kirche seien nicht abgesagt worden, es müsse nur der Projektleiter ausgewechselt werden. „Wir verlassen nicht das Spielfeld, brauchen aber einen neuen Trainer.“

    Unterdessen geht die juristische Auseinandersetzung zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und dem Kriminologen Christian Pfeiffer weiter. Anwälte des Verbandes der Diözesen Deutschlands (VDD) hätten am Freitag an Pfeiffer und sein Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) „eine konkretisierte Abmahnung gerichtet“, bestätigte der Sprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp, am Wochenende in Bonn auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Pfeiffer bezeichnete die Unterlassungsdrohung am Sonntag im „Spiegel“ als „reine Show“. Die Bischöfe wehren sich gegen Vorwürfe des Kriminologen, sie hätten die Erstveröffentlichung von Forschungsergebnissen verhindern oder zensieren wollen. Die neue Abmahnung sei aus rechtlichen Gründen erforderlich, sagte Kopp. Zudem hätten die Anwälte den Bischöfen empfohlen, „die erforderlichen gerichtlichen Schritte einzuleiten“, wenn diese „konkretisierte Unterlassungsverpflichtungserklärung nicht abgegeben werden sollte“. Die Frist dafür laufe am Montagabend ab. Pfeiffer habe sich ebenfalls am Freitag in einem Brief an Erzbischof Robert Zollitsch, den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, gewandt und um die Rücknahme der Unterlassungsverpflichtungserklärung gebeten, sagte der Pressesprecher. Er nannte den Vorschlag und das Vorgehen des Kriminologen „inakzeptabel“, auch weil dieser zunächst die Medien über den Schritt informiert und den Brief erst dann dem Adressaten zugesandt habe.

    Laut „Spiegel“ weigert sich Pfeiffer, die Erklärung zu unterschreiben. Er habe bei den in Betracht kommenden Landgerichten Schutzschriften für den Fall hinterlegt, dass die Kirche ihm die Äußerung gerichtlich verbieten lassen wollte. In der von den Bischöfen verlangten Erklärung soll sich der Kriminologe unter anderem dazu verpflichten, nicht weiter den Eindruck zu erwecken, es gebe keine neueren Vertragsentwürfe als den auf der KFN-Homepage veröffentlichten vom Mai 2012. Die späteren Entwürfe, die Pfeiffer nicht veröffentliche, zeigten aber sehr deutlich, dass der Bischofskonferenz nicht der Vorwurf gemacht werden könne, sie habe „in den Verhandlungen seit Juni 2012 irgendwelche Wünsche geäußert, nach denen es möglich gewesen wäre, die Erstveröffentlichung von Forschungsergebnissen zu verhindern beziehungsweise zu zensieren“. Sollten Pfeiffer oder das KFN eine solche Behauptung aufstellen, was bisher nicht ausdrücklich erfolgt sei, werde den Bischöfen empfohlen werden, „auch gegen solche Falschdarstellungen rechtlich vorzugehen“.

    Die Deutsche Bischofskonferenz hatte im Sommer 2011 zwei Projekte zur Erforschung des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche gestartet. Für eine der beiden Studien war das KFN unter der Leitung Pfeiffers zuständig. In der vergangenen Woche wurde das Ende der Zusammenarbeit verkündet und zugleich angekündigt, die Studie mit anderen Partnern fortzusetzen. Die Bischöfe erklärten zur Begründung, sie hätten kein Vertrauen mehr in Pfeiffer. Zugleich unternahmen sie rechtliche Schritte, um ihm den Vorwurf der Zensur zu untersagen. Pfeiffer sprach aber weiterhin in Interviews und Talkshows von versuchter „präventiver Zensur“ durch die Kirche. Die Bischöfe hätten nach Beginn des Forschungsprojekts im Jahr 2011 neue Regeln zur wissenschaftlichen Auswertung und Publikation der Ergebnisse aufstellen wollen. In einem Vertragsentwurf habe es sinngemäß geheißen, dass man über die Texte im Beirat diskutiere, dass aber nichts veröffentlicht werden dürfe, wenn man sich nicht einige. Auch dies, so die Bischofskonferenz, sei zwar in dem Vertragsentwurf vom Mai 2012 enthalten gewesen, aber in späteren Entwürfen nicht mehr. Dies aber erwähne Pfeiffer in seinen öffentlichen Äußerungen nicht.