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    „Wie Weihnachten und Ostern zusammen“

    Köln (DT) „Es ist wie Weihnachten und Ostern zusammen“, sagt Kardinal Rainer Maria Woelki – und das ist nicht übertrieben. Im gesteckt vollen Kölner Dom erleben die Gläubigen, die am Samstag zum Mittagsgebet mit ihrem neuernannten Erzbischof gekommen sind, eine bewegende, teilweise emotionale Feierstunde. Kein Störenfried ist weit und breit zu sehen, die Freude über die Heimkehr des früheren Kölner Weihbischofs ist echt.

    Köln (DT) „Es ist wie Weihnachten und Ostern zusammen“, sagt Kardinal Rainer Maria Woelki – und das ist nicht übertrieben. Im gesteckt vollen Kölner Dom erleben die Gläubigen, die am Samstag zum Mittagsgebet mit ihrem neuernannten Erzbischof gekommen sind, eine bewegende, teilweise emotionale Feierstunde. Kein Störenfried ist weit und breit zu sehen, die Freude über die Heimkehr des früheren Kölner Weihbischofs ist echt.

    Langer Beifall brandet auf, als Diözesanadministrator Stefan Heße den 94. Nachfolger des heiligen Maternus begrüßt. Es komme ein Erzbischof nach Köln, „der uns vertraut ist und dem wir vertraut sind“. Heße bekundet Mitgefühl mit den Berlinern, die nun von Woelki Abschied nehmen müssen. Zugleich zeigt er sich aber dankbar dafür, dass Woelki „Ja“ gesagt hat zur Wahl des Domkapitels. Das war bei einem Telefonat am Sonntagabend vor einer Woche aus der Wahlsitzung des Kapitels heraus, wie Heße erzählt.

    Mit Empathie spricht der erste gebürtige Kölner, der seit vielen Generationen Nachfolger des heiligen Maternus wird, über seine künftige Bischofskirche: Zur Bischofsstadt gehörten Rhein, Karneval und eben der Dom. Der verbinde die Herzen aller Kölner – ob Gläubige oder Nichtgläubige, Deutsche oder Zugewanderte. Die Kathedrale mit ihren Türmen zeige: „Wir sind nach oben hin, über uns hinaus angelegt.“ Der Kardinal ruft zur Mitarbeit in der Kirche auf. So wie der Dom aus verschiedenen Steinen bestehe, sollten alle Menschen mit ihren verschiedenen Begabungen mitmachen im Reich Gottes. „Dieser Dom ermutigt uns, lebendige Steine der Kirche zu werden.“

    Zuvor hat er sich im Kolumba Diözesanmuseum den Fragen der Journalisten gestellt. Geschmunzelt wird auf der Pressekonferenz, etwa als Kardinal Woelki berichtet, wie er am Sonntagabend nach einem anstrengenden Arbeitsprogramm in seiner Berliner Wohnung den Anruf des Kölner Generalvikars Heße erhielt, der ihm das Wahlergebnis des Kapitels mitteilte. Müde, wie er gewesen sei, habe er im ersten Moment gedacht: „Sollst Du überhaupt drangehen?“

    Er dankt dem im Urlaub weilenden Vorgänger Joachim Kardinal Meisner, der das Erzbistum Köln und die Kirche in Deutschland in den vergangenen 25 Jahren geprägt habe wie kaum ein anderer und von dem er nun ein Bistum übernehmen dürfe, „das sehr gut vorbereitet ist auf die zukünftigen Herausforderungen“. Kardinal Meisner habe ihm imponiert mit seinem Mut, unbequeme Dinge anzusprechen und mit seinem tiefen Gebetsleben. „Er hat sich nicht geschont.“ Beeindruckt habe ihn auch, dass Meisner sich stets als Zeuge des Glaubens verstanden und entsprechend gehandelt habe. Deshalb habe er auch den Mut gehabt, Kritik auszuhalten. Dafür gebühre dem emeritierten Erzbischof Dank und Anerkennung. Telefonisch hat Kardinal Meisner seinem Nachfolger bereits zugesagt, dass er loyal zu ihm stehe und auch bereit sei, weiterhin bei Gottesdiensten im Erzbistum auszuhelfen.

    Der neue Erzbischof will am ersten Tag nach der Ernennung noch keine Regierungserklärung abgeben will. Dass er aber in der Öffentlichkeit auch Flagge zeigt für die Botschaft, dass Gott Mensch geworden ist und unter uns lebt, klingt schnell durch: „Religion mag eine persönliche Angelegenheit sein, sie ist nie und nimmer Privatsache Dafür werde ich weiterhin einstehen“. Angesprochen auf die Frage, wie mit wiederverheirateten Geschiedenen umzugehen sei, unterstreicht Woelki die Sakramentalität der Ehe. Er erwartet keine Änderungen in der Lehre der Kirche.

    Mit einem Schuss Wehmut und viel Pflichtbewusstsein beschäftigt sich Kardinal Woelki auch mit seinem Abschied von Berlin. „Ich nehme die Hedwigskathedrale im Herzen mit nach Köln“. Zugleich kündigte er an, dass er deren Umbau auch vom Rhein aus unterstützen werde. Er werde sich auch in der Deutschen Bischofskonferenz weiter dafür einsetzen, dass die katholische Präsenz in Berlin gestärkt werde. Woelki unterstrich, die Zahl der Katholiken im Erzbistum Berlin wachse. In mancher Hinsicht könne auch die Kirche in katholischen Hochburgen wie dem Rheinland von den Erfahrungen der Christen in der Diaspora lernen.

    Vor allem die Kontakte ins benachbarte Polen, die Kardinal Woelki während seiner Berliner Jahre geknüpft hat, dürften ihm in Köln zugute kommen. 2015 gedenkt das Erzbistum des zehn Jahre zuvor gefeierten Internationalen Weltjugendtags. Damit soll der Startschuss fallen für die Vorbereitungen des Jugendtreffens in Krakau 2016. Kardinal Woelki verspricht, für dieses Fest zu werben.

    Das Stichwort Bischofswohnung dürfte in Köln auch in Zukunft wenig Stoff für Schlagzeilen hergeben: Kardinal Woelki wird ins Erzbischöfliche Haus in Domnähe einziehen, sobald die notwendigen Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind. Woelki unterstrich, das Kölner Bischofshaus sei funktional und kein Prachtbau wie manche Residenz im Süden Deutschlands. Dafür folgt ein Wink an die Berliner, „die sich mal überlegen müssen, wo sie ihren neuen Bischof unterbringen“. Kardinal Woelki deutet an, dass es hier ein Defizit zu beheben gilt, denn es gibt in der Hauptstadt kein Bischofshaus, und das einstige Domizil von Kardinal Sterzinsky ist sanierungsbedürftig.

    Doch davon abgesehen ist das angeblich gottlose Berlin dem „hillije Kölle“ aus Sicht des neuen Erzbischofs doch ziemlich ähnlich. Zwar bildeten die Katholiken in der Stadt am Rhein keine Minderheit. Doch auch hier sei nicht mehr alles und alle katholisch. „Ich glaube, dass wir uns hier in Köln manches von Berlin abgucken können.“

    Mit Material von KNA