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    Wider die Gottlosigkeit

    Ein Leben für den katholischen Glauben: Der frühere polnische Primas Kardinal August Hlond (1881–1948) könnte bald seliggesprochen werden. Von Ewa K. Czaczkowska

    August Kardinal Hlond trug 1946 den Corpus Christi durch das zerstörte Warschau. Foto: IN

    Euer Sieg ist sicher. Die Unbefleckte wird euch helfen, um zu gewinnen“ – dies sagte der sterbende Primas von Polen, August Hlond, im Oktober 1948, als die Zeit des Stalinismus in Polen begann. Der Primas, der sich bald den Reihen der Seligen anschließen könnte, hatte – wie biblische Propheten – die Fähigkeit, weiter, besser und tiefer zu sehen.

    Der Seligsprechungsprozess von Kardinal August Hlond (1881-1948) dauert seit 1992 an. Im Mai dieses Jahres wurde von der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse sein heroischer Tugendgrad anerkannt, und Papst Franziskus stimmte dieser Entscheidung zu. Dies bedeutet, dass er - nach Bestätigung eines Wunders durch die Fürsprache des Ehrwürdigen Dieners Gottes - seliggesprochen wird.

    Kardinal August Hlond, Primas von Schlesien, wie er genannt wurde, hat die Kirche in Polen in der schwierigen Zeit von 1926 bis 1948 geleitet. Geboren in einer Familie mit mehreren Kindern in Brzeczkowice, wurde er ab dem Alter von zwölf Jahren vom Salesianer-Orden in Turin, Italien, erzogen; studierte er an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, wo er in Philosophie und Theologie promovierte. Als Salesianer (Ordensgelübde 1897, Priesterweihe 1905) arbeitete er mit der Jugend und half Straßenkindern, besonders während des Ersten Weltkriegs. Bevor er Primas von Polen wurde, war er Provinzial der Salesianer in der Deutsch-Österreichisch-Ungarischen Provinz in Wien, ab 1922 Apostolischer Administrator in Kattowitz und ab 1925 der erste Bischof der Diözese Kattowitz, mit dem Bischofsmotto „Gib mir Seelen, alles andere nimm“, wie der Hl. Johannes Bosco gebetet hat. Ein Jahr später, im Jahr 1926, wurde Hlond Primas der Kirche im wiedergeborenen Polen. Er hat viel dazu beigetragen, die Strukturen und vor allem die Gläubigen der Kirche, die seit über 120 Jahren durch Teilungen getrennt waren, in einen Organismus zu integrieren. Dank ihm wurde unter anderem die „Katholische Aktion“ gegründet und weiterentwickelt, sowie im Jahre 1932 die Gesellschaft Christi für die Polnische Diaspora. Ihr Ziel war es, sich um polnische Auswanderer in der Welt zu kümmern. Seine große Sorge galt der Umsetzung der Grundsätze der katholischen Soziallehre, insbesondere für die Ärmsten und Arbeitslosen. Er selbst führte einen sehr bescheidenen, man kann sagen, einen asketischen Lebensstil und gab sein Gehalt an die Armen. Von den Geistlichen erwartete er einen ähnlichen Lebensstil auch, besonders in den Jahren der großen Wirtschaftskrise. Leicht ließe sich sagen, dass Hlond gelebt hat, was Papst Franziskus heute fordert. Er half auch Flüchtlingen im Zweiten Weltkrieg, während er außerhalb des Landes lebte.

    Im September 1939 wollte Kardinal August Hlond Polen, das von Nazideutschland angegriffen worden war, nicht verlassen. Der Apostolische Nuntius, Erzbischof Filippo Corazi, überzeugte ihn jedoch vom Gegenteil. Er argumentierte, dass „in dieser tragischen Situation die einzige für ihn rationale und für Polen günstige Lösung die ist, nach Rom zu gehen und dort die Rolle eines Verteidigers der von Gewalt und Gesetzlosigkeit gequälten polnischen Nation zu übernehmen.“ Und so war es, dass Italien dem Krieg beitrat und Hlond nach Frankreich fliehen musste. Er lebte in Lourdes, wo er an der Unterstützung für polnische Flüchtlinge und die jüdische Bevölkerung beteiligt war – er half, Papiere auszustellen, Zuflucht zu finden, nach Amerika zu gehen. Im Februar 1944 wurde er verhaftet und für zwei Monate von der Gestapo gefangengehalten, die ihn zur Kollaboration überreden wollte; die Gestapo wünschte, dass er an einem antibolschewistischen Kreuzzug teilnehme, welcher angeblich der Verteidigung der christlichen Zivilisation dienen sollte. Nach einer endgültigen Weigerung wurde er in den Klöstern von Bar-le-Duc und Wiedenbrück in Westfalen interniert. Als der Krieg 1945 endete, kehrte er nach Polen zurück, wo sich die Kommunisten bereits installiert hatten, die von der sowjetischen Armee und der NKWD unterstützt wurden.

    Auch diese nächste schwierige Phase der Zeit als Primas hat August Hlond Gott und Maria anvertraut. „Für uns Katholiken gibt es kein Problem, wo wir leben sollen. Wenn Gott uns sagt, dass wir in der Hölle sein sollen, müssen wir in der Hölle sein, aber das bedeutet nicht, dass wir für die Hölle arbeiten müssen. Die Situation, die in Polen nach dem Krieg entstanden ist, ist keine von uns gewählte Situation, sie wurde uns auferlegt. Es gibt jedoch einen Plan von Gott dahinter, um uns auf die Probe zu stellen, uns zu prüfen. Deshalb müssen wir Schlussfolgerungen ziehen. Vor allem – müssen wir in diesem System leben, wir sind dazu bestimmt, aber das bedeutet nicht, dass wir für es arbeiten müssen“, sagte Kardinal August Hlond im Jahr 1945, kurz nach seiner Rückkehr nach Polen. Der Primas war nicht gegen die von den neuen Behörden eingeführten Sozialreformen. Aber er widersetzte sich der Atheisierung der Gesellschaft und der Gottlosigkeit. Im März 1946 veröffentlichten die Bischöfe mit dem Primas einen Brief an die Gläubigen, in dem sie schrieben: „Polen darf nicht gottlos sein, Polen darf den christlichen Geist seiner Geschichte nicht verraten. Polen darf nicht kommunistisch sein. Polen muss katholisch bleiben.“ Der Primas widersetzte sich der Atheisierung der Gesellschaft, dem Kampf des Staates gegen die Kirche und die Religion und die Beleidigung religiöser Gefühle; er forderte, dass das Recht der Eltern auf katholische Erziehung von Kindern in der Schule und die Freiheit der Bürger respektiert werde; er widersetzte sich dem Missbrauch der Zensur sowie dem Zwang auf die Menschen, an Sonn- und Feiertagen arbeiten zu müssen, sich den Reihen der Partei anzuschließen.

    Die Kommunisten ließen den Primas dafür nicht ungestraft – zweimal bereiteten sie einen Angriff auf das Leben des Primas vor, den er überlebte. Es ist noch nicht ganz klar, ob der Tod am 22. Oktober 1948 aufgrund von Komplikationen nach der Operation der Blinddarmentzündung aufgetreten ist oder ob er vergiftet wurde, worauf kürzlich entdeckte Dokumente hinweisen könnten. Aus diesem Grund hat das Institut für Nationales Gedenken eine Untersuchung eingeleitet.

    In jedem Fall hatte Primas Hlond keine Illusionen über die neue Autorität. Er sagte einmal dem französischen Botschafter Jean Baelen über Präsident Boleslaw Bierut: „Man verhandelt mit dem Teufel nicht“. Er traf weder mit dem Präsidenten noch mit dem Premierminister zusammen, da dies von der Öffentlichkeit als Legitimation der neuen Regierung angesehen worden wäre. Das wollte er vermeiden. Doch irgendwann entschied er, dass es aufgrund der zunehmenden Repression der Kirche ratsam wäre, eine bilaterale Kommission zur Lösung von Problemen auf der Linie Staat-Kirche zu schaffen, die während der Zeit von Primas Wyszynski verwirklicht wurde.

    Am 8. September 1946 fand in Jasna Gora ein wichtiges Ereignis statt: Kardinal August Hlond unternahm mit dem Episkopat den Akt der Weihe Polens an das Unbefleckte Herz Mariens. Es war eine Erneuerung des „Bundes Polens mit seiner himmlischen Königin“ zu Beginn einer neuen, schwierigen Zeit. Zuvor wurde dieser Akt in allen Pfarreien und Diözesen Polens durchgeführt und erfüllte damit den Ruf Marias in Fatima.

    Primas Hlond verbrachte sein ganzes Leben auf marianische Art und förderte neben der Allerheiligsten- auch die Marienverehrung. Daneben verbreitete er das Rosenkranzgebet. Einmal sagte er: „Polen wird nicht mit Waffen siegen, sondern mit Gebet, Buße und großer Nächstenliebe und dem Rosenkranz.“ Er rief dazu auf, sich mit ganzem Herzen an Maria zu wenden und sie um Hilfe und Schutz zu bitten. Vor seinem Tod sagte er, dass der Sieg, wenn er kommt, der Sieg Marias sein werde. Diese Worte der Hoffnung von Kardinal Hlond waren das Testament-Programm seines Nachfolgers Primas Stefan Wyszynski. Die Erfüllung der Prophezeiung sah Wyszynski – wie er selbst sagte – am 2. Juni 1979 auf dem Pilsudski-Platz in Warschau, in der Mitte der Hauptstadt eines Staates, die immer noch von Kommunisten dominiert wurde, auf dem aber ein hohes Kreuz stand, unter welchem die Kraft des Heiligen Geistes vom Papst aus Polen herabgerufen wurde.

    Eine große Leistung von Primas August Hlond war die Gründung Apostolischer Verwaltungen in den West- und Nordgebieten. Temporäre Strukturen der Kirche in den Gebieten, die Polen in Potsdam zugestanden worden waren, im Austausch für die viel größeren Gebiete, die von der Sowjetunion im Osten beschlagnahmt worden waren. Am 14. August 1945 ernannte Primas Hlond apostolische Verwalter mit den Befugnissen eines residierenden Bischofs in Allenstein, Oppeln, Breslau, Gorzow und Danzig. Er tat dies auf Grundlage von Sondervollmachten, die er von Pius XII. im Juli 1945 erhalten hatte, nämlich einer mündlichen Antwort auf die gestellte Frage im Staatssekretariat, ob er, basierend auf der empfangenen Vollmacht, solche Strukturen gründen könne. Er errichtete sie schnell, weil er wusste, wie wichtig es war, die geistliche Betreuung von Hunderttausenden von Polen zu gewährleisten – Flüchtlingen und Vertriebenen aus dem Osten, die aus ihrer Heimat hinter dem Bug vertrieben wurden und sich nun an der Oder ansiedelten. Wir wissen, dass sich die deutschen Bischöfe dieser Entscheidung von Primas Hlond widersetzten, aber der Vatikan reagierte nicht.

    Die Information über die Anerkennung des heroischen Tugendgrades von Primas Hlond durch Papst Franziskus löste in Amerika in bestimmten jüdischen Kreisen Widerstand aus. Er ist damit ein weiterer Geistlicher, der das Opfer von Verleumdung und Diffamierung wurde, weil man bis heute Sätze von ihm aus dem Kontext reißt. Im Februar 1936 veröffentlichte Primas Hlond einen Brief „Über die katholischen moralischen Grundsätze“, in dem er soziale und wirtschaftliche Probleme aufzeigt, die aus der Existenz der jüdischen Minderheit (elf Prozent) herrührten. Er schrieb aber auch: „Ich warne vor der ethischen Haltung, die aus dem Ausland eingeführt wird, die grundsätzlich und absolut antijüdisch ist. Dies ist unvereinbar mit der katholischen Ethik. Man kann die eigene Nation mehr lieben; man darf aber niemanden hassen. Auch nicht die Juden. (...) Man darf Juden nicht angreifen, schlagen, verletzen oder verleumden. Auch im Juden sollte man den Menschen und den Nächsten respektieren (...) Hütet euch vor denen, die zur antijüdischen Gewalt aufhetzen. Sie dienen einer schlechten Sache.“ Es ist nicht wahr, dass Primas Hlond auf das Pogrom von Kielce vom Juli 1946 nicht reagierte. Er sagte damals öffentlich, dass die Kirche „immer und überall alle Morde verurteilt“, egal von wem sie ausgeübt würden, ob an Polen oder an Juden in Kielce oder an anderen Orten Polens. Der Verlauf der Ereignisse in Kielce „zeigt, dass sie nicht dem Rassismus zugeschrieben werden können. Sie sind auf einem völlig anderen, schmerzhaften und tragischen Boden gewachsen. Diese Vorfälle sind ein schreckliches Unglück, das mich mit Trauer und Bedauern erfüllt“.

    Die Autorin ist promovierte Historikerin und gehört zu den bekanntesten Kirchenjournalistinnen Polens.

    Übersetzt aus dem Polnischen von Anna Meetschen.

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