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    Wider die Angst vor den Risiken der Liebe

    Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

    Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

    Das Evangelium des heutigen Sonntags ist das Gleichnis von den Talenten nach dem heiligen Matthäus (25, 14–30). Es handelt von einem Mann, der, bevor er zu einer Reise aufbricht, seine Diener zusammenruft und ihnen sein Vermögen an Talenten – antiken Münzen von großem Wert – anvertraut. Jener Herr vertraut dem ersten Diener fünf Talente an, dem zweiten zwei, dem dritten eines. Während der Abwesenheit des Herrn sollen die drei Diener dieses Vermögen Frucht bringen lassen. Der erste und der zweite Diener verdoppeln jeweils das Ausgangskapital; der dritte hingegen – aus Furcht, alles zu verlieren – vergräbt das empfangene Talent in einem Loch in der Erde. Bei der Rückkehr des Herrn empfangen die ersten beiden Lob und eine Belohnung, während der dritte, der nur das empfangene Geld zurückerstattet, getadelt und bestraft wird.

    Es ist klar, was das bedeutet. Der Mann aus dem Gleichnis steht für Jesus, die Diener sind wir und die Talente sind das Vermögen, das der Herr uns anvertraut. Welches Vermögen ist das? Sein Wort, die Eucharistie, der Glaube an den himmlischen Vater, seine Vergebung.... viele Dinge also, seine kostbarsten Güter. Das ist das Vermögen, das er uns anvertraut. Nicht nur, um es zu bewahren, sondern um es wachsen zu lassen! Während der Begriff „Talent“ im alltäglichen Sprachgebrauch eine hervorragende persönliche Eigenschaft bezeichnet – zum Beispiel ein musikalisches Talent, ein Talent zum Sport, usw. –, steht er im Gleichnis für die Güter des Herrn, die Er uns anvertraut, damit wir sie Frucht bringen lassen. Das Loch, das der „schlechte und faule Diener“ (V. 26) in die Erde gegraben hatte, zeigt die Angst vor dem Risiko, die die Kreativität und die Fruchtbarkeit der Liebe blockiert. Denn die Angst vor den Risiken der Liebe blockiert uns. Jesus bittet uns nicht darum, seine Gnade in einem Tresor zu bewahren! Darum bittet Jesus uns nicht, sondern er möchte, dass wir sie zum Wohl der anderen nutzen. Alle Güter, die wir empfangen haben, sind dafür da, dass wir sie den anderen schenken, und auf diese Weise wachsen sie. Es ist, als würde er uns sagen: „Hier hast Du meine Barmherzigkeit, meine Zärtlichkeit, meine Vergebung: nimm sie und mach reichlich Gebrauch davon“.

    Und was haben wir damit getan? Wen haben wir mit unserem Glauben „angesteckt“? Wie viele Menschen haben wir mit unserer Hoffnung ermutigt? Wie viel Liebe haben wir mit unserem Nächsten geteilt? Es wird uns guttun, uns diese Fragen zu stellen. Jeder Bereich, auch der entfernteste und unzugänglichste, kann ein Ort werden, um Talente Frucht bringen zu lassen. Es gibt keine Situationen oder Orte, die der christlichen Gegenwart und dem christlichen Zeugnis verschlossen wären. Das Zeugnis, das Jesus von uns fordert, ist nicht verschlossen, es ist offen, es ist von uns abhängig.

    Dieses Gleichnis spornt uns an, unseren Glauben und unsere Zugehörigkeit zu Christus nicht zu verbergen, das Wort des Evangeliums nicht zu vergraben, sondern es in unserem Leben, unseren Beziehungen, in den konkreten Situationen zu verbreiten, als Kraft, die aufrüttelt, die reinigt, die erneuert. Das gilt auch für die Vergebung, die der Herr uns vor allem im Sakrament der Versöhnung schenkt: Halten wir sie nicht in uns selbst verschlossen, sondern lassen wir zu, dass sie ihre Kraft verströmt, dass sie Mauern zum Einstürzen bringt, die unser Egoismus errichtet hat, dass sie uns den ersten Schritt in festgefahrenen Beziehungen tun lässt, den Dialog wieder aufnehmen lässt, wo es keine Verständigung mehr gibt.... Und so weiter. Sorgen wir dafür, dass diese Talente, diese Geschenke, diese Gaben, die wir vom Herrn empfangen haben, für die anderen verwendet werden, dass sie wachsen, Frucht bringen, durch unser Zeugnis.

    Ich glaube, es wäre heute eine gute Geste, wenn jeder von Euch zuhause das Evangelium zur Hand nähme, das Evangelium des heiligen Matthäus, Kapitel 25, Verse 14 bis 30, Matthäus 25, 14–30, und das lesen und ein wenig darüber nachdenken würde: „Die Talente, die Reichtümer, alles, was Gott mir an Geistlichem, an Güte gegeben hat, das Wort Gottes – wie sorge ich dafür, dass es in den anderen Menschen wächst? Oder bewahre ich sie nur in einem Tresor auf?“

    Der Herr gibt auch nicht allen dasselbe und auf dieselbe Weise: Er kennt uns persönlich und vertraut uns das an, was richtig für uns ist; doch in allen, in allen gibt es etwas, das gleich ist: dasselbe, unendliche Vertrauen. Gott vertraut uns, Gott hofft auf uns! Und das ist für alle gleich. Enttäuschen wir ihn nicht! Lassen wir uns nicht von der Angst überlisten, sondern erwidern wir Vertrauen mit Vertrauen!

    Die Jungfrau Maria verkörpert diese Haltung auf schönste und vollkommenste Weise. Sie hat das erhabenste Geschenk, Jesus selbst, empfangen und angenommen und es ihrerseits großherzig der Menschheit angeboten. Sie bitten wir, uns zu helfen, „tüchtige und treue Diener“ zu sein, um an der „Freude unseres Herrn“ teilzuhaben.

    Nach dem Gebet des Angelus und vor den Grüßen an einzelne Gruppen auf dem Petersplatz sagte der Papst:

    Liebe Brüder und Schwestern!

    In diesen Tagen ist es in Rom zu ziemlich starken Spannung zwischen Anwohnern und Immigranten gekommen. Dies sind Vorkommnisse, die sich in verschiedenen europäischen Städten ereignen, vor allem in ihren Randgebieten, die auch von anderen Problemen gezeichnet sind. Ich fordere die Institutionen auf allen Ebenen dazu auf, diesen Geschehnissen Priorität einzuräumen, die mittlerweile einen sozialen Notstand darstellen und Gefahr laufen, immer mehr zu degenerieren, wenn sie nicht so bald wie möglich auf angemessene Weise in Angriff genommen werden. Die christliche Gemeinschaft setzt sich konkret dafür ein, dass es nicht zu Konfrontationen, sondern zu Begegnungen kommt. Anwohner und Immigranten können mit den institutionellen Vertretern zusammenkommen, auch in einem Raum der Gemeinde, und gemeinsam über die Situation reden. Das Wichtige ist, nicht der Versuchung der Konfrontation zu erliegen und jede Form von Gewalt zurückzuweisen. Es ist möglich, einen Dialog zu führen, einander zuzuhören, gemeinsam zu planen und auf diese Weise Verdächtigungen und Vorurteile zu überwinden und ein immer sichereres, friedlicheres, und alle einbeziehendes Zusammenleben zu fördern.

    Heute begehen wir den „Weltgedenktag für die Straßenverkehrsopfer“. Im Gebet gedenken wir all derer, die ihr Leben verloren haben, und wünschen uns das konstante Bemühen darum, Verkehrsunfällen vorzubeugen, so wie auch ein vorsichtiges und die Regeln respektierendes Verhalten der Autofahrer.

    Übersetzung von Claudia Reimüller