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    Wider den blinden Gehorsam der Moralisten

    Wer sich durch seine Lebensweise offen gegen das Eheverständnis der katholischen Kirche stellt, wird als Lehrer dem Ziel einer ganzheitlichen Pädagogik nicht gerecht. Von Regina Einig

    Katholische Schulen: Zeichen echter Vielfalt
    Im angelsächsischen Raum wenden sich immer mehr Wissenschaftler gegen die Umkehr akademischer Lehrstandards unter dem Dr... Foto: Thomas Frey (dpa)

    Man muss kein frommer Katholik sein, um die Gefahren der tendenziell übermoralisierten Pädagogik zu erkennen. Im angelsächsischen Raum wehren sich immer mehr Wissenschaftler mit gutem Grund gegen das Spektakel, das sich an Schulen und Universitäten vor aller Augen vollzieht: die Umkehr der wissenschaftlichen Maßstäbe und der akademischen Lehrstandards unter dem Druck linker Moralisten. Wer auf persönliche Erfahrungen und Gefühle verweist, hat im Diskurs bessere Karten als jemand, der auf die Kraft der Argumente und der Vernunft baut. Die Warnung des agnostischen Historikers Niall Ferguson, der Begriff der Diversität habe sich fundamental gewandelt und in sein Gegenteil verkehrt, ist jedenfalls ernster zu nehmen als der ideologische Konformitätsdruck, der auch an Kirchenkreisen nicht spurlos vorübergeht. Darf ein Erzbischof die Augen davor verschließen, dass das Wohlfühldenken die Vielfalt der Weltanschauungen und die Freiheit des akademischen Diskurses gefährdet? Wohl kaum.

    Zeichen für bischöfliches Verantwortungsbewusstsein

    Insofern ist die Nachricht, dass Erzbischof Thompson von Indianapolis einer Jesuitenschule das Gütesiegel „katholisch“ entzogen hat, weil sich die Schulleitung weigerte, eine in gleichgeschlechtlicher „Ehe“ lebende Lehrkraft zu entlassen, ein Zeichen für bischöfliches Verantwortungsbewusstsein gegenüber Lehrern, Eltern und Schülern. Lehrer haben über das Vermitteln von fachlichem Wissen hinaus auch eine Vorbildfunktion. Wer sich durch seine Lebensweise offen gegen das Eheverständnis der katholischen Kirche stellt, mag rein fachlich kompetent sein, wird aber als Lehrer dem Ziel einer ganzheitlichen Pädagogik nicht gerecht.

    In den Vereinigten Staaten erleben katholische Schulen zudem eine heilsame Konkurrenz. Der Gesetzgeber gewährt Eltern die Möglichkeit, ihre Kinder zuhause zu unterrichten. Davon profitieren indirekt auch katholische Schulen. Um den Vergleich zu den oft sehr gut ausgebildeten Kindern der Homeschooler zu bestehen und Eltern vom Wert des Unterrichts im Klassenverband zu überzeugen, müssen sie auf ihr Profil achten. Es wäre darum verfehlt, dem Erzbistum Indianapolis Intoleranz, Diskriminierung oder Menschenverachtung vorzuwerfen. Katholische Schulen, die unter den Bedingungen der säkularen Gesellschaft bestehen wollen, müssen ihre Identität bewahren – oder es wird sie bald nicht mehr geben, weil niemand eine Karikatur katholischer Erziehung braucht.

    Christliches Menschenbild auch durch das eigene Beispiel vermitteln

    Für die Entscheidung des Erzbischofs spricht zudem die Bedeutung katholischer Schulen als ein Zeichen echter Vielfalt in einer freien Gesellschaft. Schon um der Glaubwürdigkeit des eigenen Betriebs willen dürfen sie darum verlangen, dass Lehrkräfte ihrem freiwillig übernommenen Auftrag gerecht werden und das christliche Menschenbild auch durch ihr Beispiel vermitteln. Das Verständnis der Ehe als lebenslanger Verbindung von Mann und Frau ist davon nicht abzukoppeln. Wer nun im Namen der Inklusion und Toleranz ein Umdenken der Kirche fordert, bleibt den Schülern die intellektuelle Redlichkeit schuldig, ohne die es keine echte Bildung gibt. Schüler, die lernen, dass Beleidigtsein und politisch korrekte Empörung sich im Diskurs durchsetzen und die Korrektheit über die Wahrheit siegt, werden nicht zum freien Ideenaustausch erzogen, sondern zur blinden Anpassung an die Forderungen der Moralisten im akademischen Betrieb. Aber kann eine Form der Unterwerfung, die nicht dem Willen Gottes gilt, ernsthaft ein katholisches Erziehungsziel sein?

    Von Regina Einig

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