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    Wesentlich mehr als eine gesegnete Beziehung

    Pferde soll man bekanntlich nicht von hinten aufzäumen, will man nicht unliebsame Bekanntschaft mit deren Hufen machen. Mit der katholischen und sakramentalen Ehe ist es recht ähnlich: Gleichsam von hinten, nach ihrem Scheitern, macht die einst so hoffnungsvoll gefeierte und unter dem Segen Gottes begonnene Eheschließung wenig Sinn. „Mir ist eine lebenslange Ehe nicht geschenkt worden“, behauptete nonchalant die ehemalige EKD-Vorsitzende und Landesbischöfin Margot Käßmann. Sie sprach damit vielen Menschen sogar aus dem Herzen, die heute ebenfalls den Zerbruch ihrer Ehe erleben. Dabei hat die sakramentale Ehe aber mit einem mehr oder minder zufälligen Geschenk, das dem einen gewährt und dem anderen aber leider verwehrt wird, nichts zu tun. Gott als der Erfinder der Ehe zwischen Mann und Frau will es wohl kaum auf den Zufall ankommen lassen, ob seine Liebe und Hilfe nun beim Ehepaar ankommt oder nicht.

    Ewige Liebe nur eine Seifenblase? Die Ehe ist auf Dauer angelegt. Foto: dpa

    Pferde soll man bekanntlich nicht von hinten aufzäumen, will man nicht unliebsame Bekanntschaft mit deren Hufen machen. Mit der katholischen und sakramentalen Ehe ist es recht ähnlich: Gleichsam von hinten, nach ihrem Scheitern, macht die einst so hoffnungsvoll gefeierte und unter dem Segen Gottes begonnene Eheschließung wenig Sinn. „Mir ist eine lebenslange Ehe nicht geschenkt worden“, behauptete nonchalant die ehemalige EKD-Vorsitzende und Landesbischöfin Margot Käßmann. Sie sprach damit vielen Menschen sogar aus dem Herzen, die heute ebenfalls den Zerbruch ihrer Ehe erleben. Dabei hat die sakramentale Ehe aber mit einem mehr oder minder zufälligen Geschenk, das dem einen gewährt und dem anderen aber leider verwehrt wird, nichts zu tun. Gott als der Erfinder der Ehe zwischen Mann und Frau will es wohl kaum auf den Zufall ankommen lassen, ob seine Liebe und Hilfe nun beim Ehepaar ankommt oder nicht.

    Wie aber lässt sich die Ehe dann gleichsam von vorne aufzuzäumen? Vor der Eheschließung sollten Priester, Diakone oder Katecheten das große Plus der katholischen und sakramental geschlossenen Ehe vermitteln. Bevor sich zwei Christen das Heilige Sakrament der Ehe spenden, sollten sie von dem geheimnisvollen Bund zwischen einem Mann und einer Frau hören, der tatsächlich nicht brechen kann. Jesus stellt im Neuen Testament unzweifelhaft klar: „Was Gott zusammengefügt hat, sollen Menschen nicht scheiden“ (vgl. Mt 19,3–9). Der Apostel Paulus setzte die Ehebeziehung zwischen Mann und Frau sogar in Relation zum heiligen Verhältnis von Christus und der Kirche (vgl. Eph 5,21–33) – eine Bibelstelle, die in heutigen emanzipierten Zeiten nicht mehr so gerne bei Trauungen verlesen und gehört wird, weil dort der Mann als das „Haupt der Frau“ bezeichnet wird.

    Die sakramentale Ehe ist nach biblischer und katholischer Auffassung wesentlich mehr als eine wie auch immer „gesegnete Beziehung“. Sie ist ein wirksames Zeichen der Gnade Gottes, bei dem mit dem Eheversprechen (Ja-Wort) und dem ehelichen Einswerden von Mann und Frau durch Gott eine geheimnisvolle Einheit geschaffen wird, die nur noch durch den Tod des einen Partners getrennt werden soll. Einfacher gesagt, lassen sich zwei Menschen bei der sakramentalen Trauung nicht nur aufeinander, sondern zugleich auf eine Partnerschaft mit Gott, gleichsam eine „Ehe zu Dritt“, ein. In diesem Dreierbund, in dem das Ehepaar ständig göttliches Leben gespendet erhält, lassen sich natürlich Krisen und Konflikte ganz anders lösen.

    Wegen dieser hohen und heiligen Stellung der Ehe wird christlichen Brautpaaren empfohlen, bis zur Eheschließung mit der Gemeinschaft von Tisch und Bett zu „warten“, also keine wilde Ehe zu führen, wie es früher hieß. Ein vorheriges „Ausprobieren“ des Partners macht sowieso dann wenig Sinn, wenn ab der Hochzeit tatsächlich eine Art neue Existenz in einer Ehe zu Dritt beginnt; eine Existenz, wo die Brautleute „nicht mehr zwei, sondern eins sind“ kann man vorher nicht ausprobieren. Wer diesen Ansatz beherzigt, wie beispielsweise Brautpaare, die bei ihrer Verlobungsfeier gemäß dem kirchlichen Benediktionale den festen Vorsatz geloben, „mit Gottes Hilfe rein in die Ehe zu gehen“, üben sich dabei auch in der so wichtigen Ehetugend der Treue; sie trainieren sozusagen für die Phasen der Enthaltsamkeit, die in jeder Ehe angesagt sind, etwa rund um die Geburt von Kindern. Zudem haben die Brautleute in dieser vorehelichen Phase auf diese Weise Zeit und Raum, nach dem „Erfinder der Ehe“ und Seinen Plänen für das eheliche Zusammensein zu fragen.

    Halten sich Brautpaare an diese bewährte, derzeit aber leider auch unter katholischen Paaren wenig populäre Regel, können sie sich mehr den Themen widmen, die für das Gelingen einer Ehe weit wichtiger sind als die äußeren Vorbereitungen auf den Hochzeitstag. Leider gehen die meisten Paare heute genau den umgekehrten Weg: das Brautkleid, der Blumenschmuck, das Festmenü, die Art der Eheringe, die Wahl der „Location“ und vieles mehr stehen bei der immer aufwändiger werdenden Hochzeitsvorbereitung derart im Mittelpunkt, dass für die inneren Fragen der Ehe kaum mehr Zeit bleibt. Eigentlich logisch, dass bei dieser Herangehensweise ein Scheitern der Ehe (zumindest mit einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit) vorprogrammiert ist, wie sie dann auch in großstädtischen Räumen heute zur Regel wird.

    Um welche Themen geht es konkret bei dieser inneren Ehevorbereitung? Es sind vier Kernbereiche, von denen keiner von den Brautleuten ausgeschlossen werden darf, wenn es sich um eine gültige und sakramentale Ehe handeln soll. Ein Pfarrer hat die Zustimmung zu diesen vier Themenbereichen schriftlich und per vierfacher Unterschrift (Fragen 14–17), im Protokoll der Ehevorbereitung im offiziellen Formular der Deutschen Bischofskonferenz, festzuhalten. Es geht hier um die Fragen, ob die Entscheidung zur Ehe tatsächlich frei und ohne Zwang erfolgt ist, ob die Unauflöslichkeit der Ehe ebenso bejaht wird wie die Zeugung von Kindern und deren christliche Erziehung. Schließlich wird gefragt, ob die zukünftigen Ehepartner zum „beiderseitigen Wohl“ wirken wollen.

    Was hier vielleicht noch ein wenig theoretisch klingt, hat für den Ehealltag aber enorme Bedeutung. Ob die Ehepartner einander treu sein und „Unzucht“ vermeiden können, sich gegenseitig in ihren Stärken und Schwächen beistehen, ob sie den Glauben und gemeinsame Werte an ihre Kinder weitervermitteln können, entscheidet sich an diesen Themen. Mit ein paar Gesprächen oder Seminarstunden ist all dies allerdings kaum zu bewältigen. Wer beispielsweise mit Katholiken aus osteuropäischen, afrikanischen oder nordamerikanischen Ländern spricht, hört von einer Ehevorbereitung, die ein Jahr oder länger dauern kann, weil es derart viel zu klären und zu verstehen gibt, bevor die christliche Ehe als etwas Heiliges, als Dreierbund mit Gott dann auch wirklich praktiziert werden kann.

    Ohne Zweifel sind die Anforderungen an eine solchermaßen sakramental geschlossene Ehe hoch; sie ist nicht zum Nulltarif zu haben. Aber weit größer als die Mühen der Vorbereitung sind die Verheißungen und Vorteile eines solchen Ehebundes. Wie viele seelische Schmerzen und Verletzungen ließen sich vermeiden, wenn eine Ehe mit Gottes Hilfe tatsächlich lebenslang gelingt; wie viel Segen können Kinder erleben, die in einer weitgehend heilen Familie aufwachsen und nicht die Scheidung ihrer Eltern miterleben müssen, wie es heute leider Gottes millionenfach der Fall ist. Wenn das Brautpaar nicht nur ein paar rudimentäre Vorstellungen vom Glauben hat, sondern ihn mit Freude im Alltag und am Sonntag praktizieren kann, dann kann ein solcher Glaube auch den eigenen Kindern weitergegeben werden. Wer schließlich im Vertrauen auf Gottes Führung und Gnade die Ehe geschlossen hat, wird auch mit Gottes Hilfe in den hoffentlich vielen Ehejahren die Klippen umschiffen, an denen die eheliche Liebe und Treue zerschellen könnten. Dass dies keine leeren Worte oder Verheißungen sind, zeigen Umfragen aus Nordamerika unter katholischen und evangelikalen Ehepaaren, die ihren christlichen Glauben im Alltag und am Sonntag treu miteinander praktizierten und ihre Kinder in diesem Geist erzogen haben. Sie blieben zu über 95 Prozent von einer Scheidung verschont.