• aktualisiert:

    Weniger Event und mehr Substanz

    Exzellenz, Sie haben mit der Initiative, dem Nachdenken über Vorbereitung eines neuen Firmkonzeptes Raum zu geben, ein breites Echo hervorgerufen.

    „Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist!“ – Bevor der Bischof diese Worte spricht, bedarf es einer sorg... Foto: Symbolbild: KNA

    Exzellenz, Sie haben mit der Initiative, dem Nachdenken über Vorbereitung eines neuen Firmkonzeptes Raum zu geben, ein breites Echo hervorgerufen. Worum geht es Ihnen bei diesem Schritt?

    Bereits seit längerer Zeit gibt es in unserer Diözese ein Unbehagen bezüglich der derzeitigen Firmpraxis. Auch unsere Diözesansynode (2013–2015) hat sich mit der Sakramentenpastoral allgemein, und mit der Firmung im Speziellen, eingehend beschäftigt. Wichtig ist mir, dass wir den radikalen gesellschaftlichen und kirchlichen Veränderungen Rechnung tragen. Es soll in Zukunft nicht mehr ausschlaggebend sein, welche Schulstufe jemand besucht, sondern ob er/sie sich bewusst für die Firmvorbereitung meldet oder nicht. Die Vorbereitung selber soll mindestens ein Jahr dauern und wird inhaltlich und methodisch intensiviert. Dadurch erhöht sich von selbst das Firmalter, das derzeit bei durchschnittlich zwölf Jahren liegt. Der Entwurf für das neue Konzept legt kein spezifisches Alter fest. Mit diesem Nachdenkprozess verbinde ich vor allem eine Hoffnung: Weniger Event und mehr Substanz.

    Ihr Bistum hat einen italienischen und einen deutschen Bereich. Wie unterscheidet sich die Vorbereitung auf die Firmung und welche Konzepte wurden bislang umgesetzt?

    Das neue Konzept setzt sich zum Ziel, dass die Firmpastoral – die in deutsch- und ladinisch-sprachigen Pfarreien einerseits, und in den italienisch-sprachigen Pfarreien andererseits – bisher stark unterschiedlich war, viel stärker vernetzt und vereinheitlicht wird. Das ist für unsere Ortskirche immer ein wichtiges Anliegen. Während im deutsch-ladinischen Bereich die Vorbereitung sich nicht selten auf acht bis zehn Treffen beschränkt, ist im italienischen Bereich unserer Diözese schon jetzt die Vorbereitung auf den Empfang des Sakramentes intensiver und auch zeitlich länger (bis zu zwei Jahren).

    Sie haben betont, dass es Ihnen um einen diözesanen Nachdenkprozess geht, an dem viele beteiligt sind. Sehen Sie die Neugestaltung des Firmkonzeptes als Teil eines diözesanweiten Nachdenkens über eine vertiefte Sakramentenpastoral?

    Genau darum geht es. Die Kirche versteht sich nicht als Herrin der Sakramente. Es geht nicht darum, jemanden abzuschrecken oder ein Sakrament zu verweigern. Es muss aber darum gehen, dass wir im neuen gesellschaftlich-kirchlichen Kontext, der immer weniger der Kontext der Volkskirche ist, gemeinsam uns die Frage zu stellen: Was bedeutet uns ein Sakrament? Wie gehen wir um mit dem Geschenk eines Sakramentes? Begnügen wir uns damit, dass unsere Sakramente punktuelle Ereignisse sind, oder wollen wir Heilszeichen für einen Weg? Als Kirche haben wir nichts Kostbareres als das Wort Gottes und die Sakramente. Es geht um Christusbeziehung, und es geht um einen zwar persönlichen, aber nicht individualistischen Weg in der Glaubensgemeinschaft der Kirche.

    Welche Erfahrungen haben Sie mit dem bisherigen Konzept gemacht und was brauchen wir aus Ihrer Sicht heute als Vorbereitung?

    Ohne einfach zu verallgemeinern und damit ungerecht zu werden, habe ich es oft so wahrgenommen: Viele wollen ein Fest, aber nicht das Sakrament! Viele wollen ein punktuelles, isoliertes Ereignis, aber nicht einen Glaubensweg. Ein enttäuschter Pfarrer hat es einmal so ausgedrückt: Vorher nichts, ein Riesenfest, und nachher nichts. Viel Verpackung und wenig Sehnsucht nach dem Wesentlichen!

    Dabei steht nicht zur Diskussion, dass der „eigentliche Firmspender“, der dreifaltige Gott selber, immer wirkt und seine Wege hat, um uns Menschen zu erreichen. Aber es liegt auch an uns, das Sakrament zu wollen, um das Sakrament zu bitten und ein Sakrament so anzunehmen, dass das Geschenk zu einem angenommenen Geschenk wird.

    Die Herausforderungen, vor denen die Sakramentenpastoral heute steht, sind ja Teil eines gesamtgesellschaftlichen Prozesses, innerhalb dessen Menschen sich weniger intensiv binden und stark eventorientiert sind. Welche Früchte erhoffen Sie sich von der Neuorientierung innerhalb Ihrer Diözese?

    Ich bin ein großer Verfechter einer „Seelsorge des Alltags“. Weniger Event, weniger Drumherum, weniger Verpackung, weniger äußere und oft überflüssige Geschenke und mehr Inhalt! Dabei ist es mir wichtig, dass wir realistisch und demütig bleiben. Ich hoffe, dass unser gemeinsamer Nachdenkprozess uns hilft, zu erkennen, was uns aufgetragen ist, was uns möglich ist und was wir unter den heutigen Bedingungen tun können. Ich wünsche mir einen gläubigen, gemeinsamen Weg, der uns wieder mehr öffnet und sensibler macht für das, was uns die Firmung und ein Leben aus den Sakramenten schenken wollen.

    Es geht Ihnen nicht darum, Sakramente an Bedingungen zu knüpfen, aber Sie betonen in Ihrer Initiative, dass der Empfang der Sakramente eines Glaubensweges bedarf, um wirksam sein zu können. Rechnen Sie damit, dass andere Diözesen Ihrem Beispiel folgen werden, ein neues Netzwerk von überzeugten Christen zu knüpfen, die eine intensivere Strahlkraft entwickeln können?

    Wir wollen keine Pelagianer sein, um es mit einem theologischen Fachbegriff zu sagen: Niemand von uns „macht“ das Sakrament; gleichzeitig weiß der Glaube der Kirche, dass ein Sakrament nicht mit einem Automatismus verbunden sein darf. Gott zwingt uns nicht, er rechnet mit uns und er will unsere Freiheit.

    Wir werden sicher auch nicht das Firmkonzept entwickeln und durchführen, das es im Übrigen nicht gibt. Was ich mir wünsche ist ein verantwortbarer Weg, der sich mit anderen Erfahrungen austauscht und der dem Weg der Seelsorge und der Kirche unter den heutigen Bedingungen Rechnung trägt. Konzepte und Lösungen, die früher sinnvoll und fruchtbar waren, tragen heute nicht mehr. Auch das ist Ausdruck des Weges der Kirche durch die Geschichte. Auch in diesem Zusammenhang denke ich an ein Wort von Romano Guardini, der schon in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts gesagt hat: „Es mag bessere Zeiten gegeben haben als die unsere. Aber das ist unsere; und in dieser Zeit sind wir gefragt“.

    Wie, glauben Sie, wird Ihr Bistum in 20 Jahren aussehen?

    Sicher anders. Wenn ich in unsere Diözese hineinschaue, dann denke ich mir oft: Das äußere Gesicht unserer Kirche ist dabei, sich radikal zu verändern. Sehr menschlich gesprochen: Wenn ich in zwanzig Jahren – da bin ich, wenn der Herr es will, 75 Jahre alt – den Hirtenstab weiterreiche, dann wird unsere Diözese personell und auch in ihren Strukturen eine andere sein als bei meiner Bischofsweihe vor sechs Jahren. Freuen würde ich mich, wenn man dann über mich sagen würde: Er hat mit Freude, Glauben und Verantwortung das versucht zu tun, was in seiner Zeit getan werden musste und konnte. Meine größte Hoffnung ist: Dass inmitten der vielen Veränderungen und Umbrüche Menschen wieder neu entdecken, welche Kraft und welche Perspektive uns die Beziehung zu Jesus Christus schenkt. Mein bischöfliches Leitwort hilft mir persönlich sehr: „Tu es Christus“: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes – und dieses Bekenntnis trägt.

    Wenn Sie eine Zeitreise in die Kirchengeschichte machen könnten – welchen Ort, welche Person würden Sie aufsuchen?

    Schon oft habe ich mir vorgestellt, den Apostel Paulus auf seinen Reisen zu begleiten, ihm gleichsam auf den Mund und über seine Schultern zu schauen. Seine Christusleidenschaft und seine Christusverkündigung sind für mich Herausforderung, Motivation und Vorbild.

    Weitere Artikel