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    Weltweiter Aufbruch aus dem Geist Kentenichs

    Die Schönstatt-Bewegung feiert 2014 ihren 100. Geburtstag. Am vergangenen Freitag wurde nun mit einer internationalen Feier das Jubiläumsjahr am Ursprungsort in Vallendar eröffnet.

    Pater Heinrich Walter, Vorsitzender des Generalpräsidiums der internationalen Schönstatt-Bewegung. Foto: C.Mann

    Die Schönstatt-Bewegung feiert 2014 ihren 100. Geburtstag. Am vergangenen Freitag wurde nun mit einer internationalen Feier das Jubiläumsjahr am Ursprungsort in Vallendar eröffnet. Wie haben Sie den Auftakt erlebt?

    Der Auftakt war hier am Ursprungsort, aber durch die Übertragung im Fernsehen und Internet war die ganze Welt dabei. Es war ein schlichter, aber würdiger Auftakt an und in der Gnadenkapelle der Mutter Gottes. Der Beitrag von Kardinal Rylko, dem Präfekten des Päpstlichen Rates für die Laien hat mich sehr gefreut. Man konnte spüren, dass er als wichtiger Vertreter des Vatikan innerlich eingetreten ist in das, was unsere Bewegung ausmacht. Wir erlebten uns in unserem Charisma erkannt und beim Namen genannt. Das hat sehr viele Leute berührt, weil wir uns von der Kirchenleitung in den 100 Jahren nicht immer verstanden erlebt haben. Ich glaube, da hat sich wirklich etwas bewegt.

    Wie hat sich die Schönstatt-Bewegung auf dieses Jubiläum vorbereitet?

    Das war von Land zu Land unterschiedlich. Der Startschuss weltweit war 2009 mit einer Planungstagung mit Vertretern aller Länder. Wir haben damals danach gefragt, was vital und lebendig ist in unserer Bewegung. Wir haben uns entschieden, auf welche apostolischen Felder wir uns konzentrieren wollen. Die letzten drei Jahre waren weltweit von einem Dreischritt geprägt. Wir haben uns dabei der eigenen Quelle, aus der wir leben, wieder vergewissert. Unsere Vorbereitung wurde dadurch beschleunigt, dass die Gemeinschaft der Pallottiner der Schönstattfamilie die Kapelle des Gründungsereignisses am 22. September geschenkt hat. Das wurde weltweit als ein großer Moment der Gnade wahrgenommen. So können wir das Jubiläum der 100 Jahre in unserem eigenen „Urheiligtum“ begehen.

    Die brasilianische Schönstatt-Familie hat sich besonders lange und intensiv auf das Jubiläum vorbereitet. Ist die Begeisterung für das Jubiläum in anderen Ländern größer als hier in Deutschland?

    Das kann man nicht sagen, da die Kulturen andere Ausdrucksformen haben. Durch meine Besuche merke ich natürlich, dass Schönstatt in vielen Ländern noch sehr jung und damit jugendlich ist. Ich war vor kurzem in Mexiko: Die Begeisterung der jungen Generation zu sehen hat mir viel Zuversicht geschenkt. In Deutschland sind wir in die Jahre gekommen, also reif geworden. In Lateinamerika würden gerne alle zum 18. Oktober nach Schönstatt kommen. Was schade ist: Der Oktober ist für ganz Lateinamerika ein schlechtes Datum. Die Studenten haben Examen in diesen Wochen. Deshalb können von der Studentenbewegung nur einige Repräsentanten dabei sein.

    Was wünschen Sie sich für das Jubiläumsjahr?

    Nach innen wünsche ich mir, dass diese gegenseitige Berührung der Vitalität der gesamten Schönstatt-Bewegung zu einem neuen Impuls wird. Ich hoffe, dass ein großer Austausch entsteht im Laufe des Jahres auf allen Ebenen der Kommunikation. Ich hoffe auf viele Lerneffekte zwischen den Projekten der Bewegung im Einsatz für Kirche und Gesellschaft. Ich hoffe auf einen weltweit vernetzten Aufbruch aus dem Geist unseres Gründers, Pater Josef Kentenich, mit dem er die Bewegung ins Leben gerufen hat. Ich hoffe auf viele Stunden der Gnade, in denen Maria in ihrer Kapelle den Pilgern zu einer Erfahrung Gottes verhilft, die Bekehrung der Herzen bewirkt. Ich hoffe, dass wir voneinander lernen. Die jungen Kulturen mögen bei den Europäern lernen, mit Ehrfurcht und Staunen in die reiche Tradition zu schauen und geschichtsbewusst zu leben. Und die Europäer dürfen sich vom schlichten, tiefen Glauben und missionarischen Geist anderer Kontinente bereichern lassen.

    Und nach außen?

    Neulich sagte mir ein Jesuit, der Schönstatt gut kennt: „Jetzt nach 100 Jahren muss es richtig sichtbar werden, was dieser Pater Kentenich für die Gesellschaft und die Kirche bedeuten kann.“ Ich habe die Hoffnung, dass es uns gelingt, in den nächsten Jahren noch deutlicher unsere Spiritualität, die Pädagogik und die Vision Kentenichs von einer zukünftigen Kirche sichtbar zu machen. Es geht nicht nur darum, dass Schönstatt wächst und lebendig bleibt. Es geht darum, in der Gesellschaft wirksam zu sein. Das muss sichtbarer werden in Formen und Projekten. Ich freue mich über jede Initiative pädagogischer Art: Eine Schulgründung zum Beispiel ist ein wunderbares Zeichen, weil Leute den Mut haben, einen Impuls Pater Kentenichs konkret werden zu lassen. Der Jugend soll nicht nur Wissen, sondern Lebenskunst vermittelt werden, eine ganzheitliche Bildung des Menschen.

    Können Sie konkretisieren, was das wichtigste Element Schönstatt ist, das Sie in die Gesellschaft tragen wollen?

    Schönstatt lebt aus dem Bündnis mit Maria, mit dem lebendigen Gott und untereinander. Wir denken und reden nicht nur über Gott, sondern wir können seine Spuren erkennen, ihn erfahren und mit ihm leben. Daraus ist ein Lebens- und Arbeitsstil gewachsen, den wir Bündniskultur nennen. Diese Kultur der Bündnisse prägt den Stil der Kommunikation, der Zusammenarbeit, wie ich meine Firma leite oder Jugendliche zur Reife des Lebens führe. Über Erfahrungen mit dieser Bündniskultur in verschiedenen Arbeitsfeldern soll beim Fest in einem Jahr ein großer Austausch stattfinden. Wir hoffen, damit einen Beitrag leisten zu können in unserer beziehungs- und bindungsarmen Gesellschaft.