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    Wachstum mit leichten Dellen

    Vatikanische Jahrbücher: Zahl der Priester in der Welt sinkt – Die neue Kurie im Überblick. Von Guido Horst

    Studenten an der Päpstlichen Lateranuniversität. In Europa, Amerika und Ozeanien ist die Zahl der Priesteramtskandidaten... Foto: KNA

    Die katholische Kirche in der Welt wächst weiter. Von 7,4 Milliarden Menschen auf der Erde sind 1,3 Milliarden, das heißt 17,7 Prozent, katholisch getauft. Dabei verteilen sich die Katholiken sehr unterschiedlich auf die einzelnen Kontinente: 48,5 Prozent leben in Amerika, 21,8 Prozent in Europa, 17,8 Prozent in Afrika, 11,1 Prozent in Asien und 0,8 Prozent in Ozeanien. Dass der gegenwärtige Papst ein Argentinier und damit ein Amerikaner ist, passt also zu den Schwerpunkten der geografischen Verbreitung der katholischen Kirche.

    Diese Daten stammen aus dem jüngsten statistischen Jahrbuch, das der Vatikan Jahr für Jahr unter dem Titel „Annuarium Statisticum Ecclesiae“ gemeinsam mit dem „Annuario Pontificio“ (Päpstliches Jahrbuch) des laufenden Jahres herausgibt. Letzteres enthält die Namen und statistischen Angaben zur römischen Kurie und den Diözesen der Weltkirchen. Beide Nachschlagewerke sind vor wenigen Tagen erschienen, wobei das statistische Jahrbuch jetzt auf dem Stand des Jahres 2017 ist. Nicht nur Wachstum spiegelt sich in den Angaben wieder. So ist die Zahl der Priester in der Welt 2017 im Vergleich zum Vorjahr von 414 969 auf 414 582 gesunken. Und die Zahl der Seminaristen weltweit ging im gleichen Zeitraum von 116 160 auf 115 328 zurück.

    Das „Päpstliche Jahrbuch“ für 2019 spiegelt nicht nur die Ämter im Vatikan samt den Päpstlichen Nuntiaturen, die katholische Hierarchie, die Kirchensprengel und die religiösen Gemeinschaften in der Welt wider, sondern auch die vor fünfeinhalb Jahren eingeleitete Reform der römischen Kurie. Waren in früheren Jahren nach den Kongregationen die vatikanischen Gerichtshöfe und dann die Päpstlichen Räte aufgelistet, hat sich nun ein neuer Block zwischen die Kongregationen und die Vatikangerichte geschoben: die sogenannten Dikasterien.

    Einblicke in die drei neu errichteten Dekasterien

    Von denen gibt es nun drei – alle als Folge der von Franziskus gewollten Kurienreform: Und zwar das Dikasterium für die Laien, die Familie und das Leben (zwei Seiten im Jahrbuch), sodann das Dikasterium für den Dienst an der ganzheitlichen menschlichen Entwicklung (drei Seiten) und schließlich das Dikasterium für die Kommunikation (vier Seiten), das die vatikanischen Medien zusammenfassen soll. Im strengen Sinne gilt das aber nur für das frühere Radio Vatikan, das Vatikanfernsehen, den Pressesaal und den Internetdienst des Vatikans. Nach wie vor führen die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ und die Vatikandruckerei auch im jüngsten „Päpstlichen Jahrbuch“ ein eigenständiges Wesen und füllen nochmals drei Seiten. Im Vergleich zum Jahr 2017 taucht aber der renommierte Vatikanverlag „Libreria Editrice Vaticana“ nicht mehr als eigenständige Institution auf. An der Spitze einer langen Liste von Redakteuren steht der Editionsdirektor des Mediendikasteriums, Andreas Tornielli, der seiner früher als Chef des Online-Dienstes „Vatican Insider“ wahrgenommenen Aufgabe, Papst Franziskus gegen Kritik und Angriffe zu verteidigen, nun von Amts wegen nachkommen und dafür auf circa siebzig qualifizierte Journalisten aus den unterschiedlichsten Ländern zurückgreifen kann.

    Die drei Dikasterien führen vor, wie die Behörden der Kurie in Zukunft aussehen könnten: So ist etwa der Präfekt des Mediendikasteriums mit Paolo Ruffini ein Laie und unter den Mitgliedern des Dikasteriums für die Laien, die Familie und das Leben befinden sich Laien, darunter drei Ehepaare und insgesamt acht Frauen, davon Linda Ghisoni und Gabriella Gambino als Untersekretärinnen. Es sind nicht mehr ausschließlich Kardinäle Mitglieder der Dikasterien, deren regelmäßige Zusammenkunft, „congregatio“, früher den Kongregationen den Namen gegeben hat. So ist der ehemalige ZDF-Intendant Markus Schächter Mitglied des Mediendikasteriums.

    Strukturelle und personelle Veränderungen weltweit

    Was die Weltkirche angeht, so informiert das Jahrbuch darüber, dass 2018 vier neue Bischofssitze errichtet wurden, eine Diözese Metropolitanerzbischofssitz wurde, vier Apostolische Exarchate zu Apostolischen Eparchien erhoben wurden und eine Apostolische Administratur nun eine Diözese ist. Wenn hin und wieder Stimmen laut werden, die sich für die Einberufung eines Dritten Vatikanischen Konzils stark machen, so muss man bedenken, dass am letzten Konzil zielmlich genau zweieinhalbtausend Bischöfe als Konzilsväter teilgenommen haben. Laut statistischem Jahrbuch für 2017 hat sich deren Zahl mehr als verdoppelt: 5 389 Bischöfe zählt das Jahrbuch. Im Petersdom könnte man eine solche Bischofsversammlung wohl nicht mehr abhalten.

    Die leicht gesunkene Zahlen bei den Priestern und Seminaristen in der Welt lassen sich allerdings differenzieren: Im Vergleich zum Jahr 2014 fächern sich die Zahlen für das Jahr 2017 nach Weltregionen wie folgt auf: In Afrika ist die Zahl der jungen Männer, die sich auf das Priestertum im Diözesan- oder Ordensklerus vorbereiten, auf 31 248 gestiegen (2014: 28 528), in Asien ist sie mit 34 365 annähernd gleich geblieben (2014: 34 469). In Amerika fiel sie auf 31 536 zurück (2014: 33 985), ebenso in Europa, und zwar auf 17 314 (2014: 18 945). In Ozeanien ist sie mit 965 Priesteramtskandidaten ebenfalls leicht gesunken (2014: 1 012).

    Für Deutschland gibt das Jahrbuch 2017 die Zahl der Kandidaten für den Diözesanklerus und die Orden mit 782 an (2014: 968). Das sind in etwa so viele Seminaristen wie in Elfenbeinküste (798).

    Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Vergleich der im Weltdurchschnitt insgesamt leicht gesunkenen Zahl der Priester im Diözesan- oder Ordensklerus nach den einzelnen Weltregionen: In Afrika ist sie auf 46 421 angewachsen (2014: 42 915), in Amerika leicht auf 122 487 gesunken (2014: 122 989), in Asien auf 67 442 angestiegen (2014: 63 610), in Europa auf 173 611 geschrumpft (2014: 181 642) und in Ozeanien mit 4 621 etwa gleich geblieben (2014: 4 636).

    Bearbeitet von Guido Horst

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