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    „Vorbilder an Heiligkeit“

    Liebe Brüder und Schwestern!

    Liebe Brüder und Schwestern!

    Wie am vergangenen Sonntag wollen wir auch heute – im Zusammenhang mit dem Priesterjahr, das wir feiern – über einige Heilige nachdenken, derer die Liturgie in diesen Tagen gedenkt. Mit Ausnahme der heiligen Klara von Assisi, die sich, in göttlicher Liebe glühend, täglich im Gebet und im Gemeinschaftsleben aufopferte, handelt es sich um Märtyrer, von denen zwei im Konzentrationslager von Auschwitz getötet wurden: die heilige Teresa Benedicta vom Kreuz, Edith Stein, die sich als gebürtige Jüdin im Erwachsenenalter von Christus erobern ließ, Schwester der Karmelitinnen wurde und ihr Leben mit dem Märtyrertod besiegelte; und der heilige Maximilian Kolbe, ein Sohn Polens und des heiligen Franz von Assisi sowie ein großer Apostel der Unbefleckten Jungfrau Maria.

    Wir werden dann weiteren wunderbaren Märtyrergestalten der Kirche Roms begegnen, wie dem heiligen Papst Pontianus, dem heiligen Priester Hippolyt und dem heiligen Diakon Laurentius. Welch wunderbare Vorbilder an Heiligkeit die Kirche uns anbietet! Diese Heiligen sind Zeugen jener Liebe, die „niemals aufhört“ und das Böse nicht nachträgt, sondern es mit dem Guten bekämpft (vgl. 1 Kor 13, 4–8). Von ihnen können vor allem wir Priester das dem Evangelium entsprechende Heldentum lernen, das uns dazu drängt, furchtlos das Leben für das Heil der Seelen hinzugeben. Die Liebe besiegt den Tod!

    Alle Heiligen, vor allem aber die Märtyrer sind Zeugen Gottes, der die Liebe ist: „Deus caritas est“. Die Konzentrationslager der Nationalsozialisten können wie alle Vernichtungslager als extreme Symbole des Bösen betrachtet werden, der Hölle, die sich auf der Erde auftut, wenn der Mensch Gott vergisst und sich an Seine Stelle setzt, indem er sich das Recht anmaßt, über Gut und Böse sowie über Leben und Tod zu entscheiden. Leider beschränkt sich dieses traurige Phänomen nicht auf die Konzentrationslager. Sie stellen eher den Höhepunkt einer weit verbreiteten Realität dar, deren Grenzen häufig nicht klar erkennbar sind.

    „Sie zeigen das wahre Antlitz Gottes, der

    die Liebe ist und

    gleichzeitig das echte Antlitz des Menschen“

    Die Heiligen, derer wir uns kurz erinnert haben, lassen uns über die tiefen Gegensätze nachdenken, die zwischen dem atheistischen Humanismus und dem christlichen Humanismus bestehen; ein Gegensatz, der sich durch die gesamte Geschichte zieht, der jedoch am Ende des zweiten Jahrtausends – wie die großen Schriftsteller und Denker bemerkt und die Ereignisse es weithin gezeigt haben – mit dem zeitgenössischen Nihilismus an einem entscheidenden Punkt angelangt ist.

    Auf der einen Seite gibt es Philosophien und Ideologien, aber zunehmend auch Denk- und Handlungsweisen, die die Freiheit – als Gottesersatz – zum einzigen Prinzip des Menschen erheben und auf diese Weise den Menschen in einen Gott verwandeln, der die Willkür zu seinem Verhaltenssystem macht. Auf der anderen Seite haben wir eben die Heiligen, die dadurch, dass sie das Evangelium der Liebe leben, ihre Hoffnung zum Ausdruck bringen; sie zeigen das wahre Antlitz Gottes, der die Liebe ist und gleichzeitig das echte Antlitz des Menschen, der nach dem göttlichen Bild und Gleichnis geschaffen ist.

    Liebe Brüder und Schwestern, bitten wir die Jungfrau Maria, dass sie uns allen helfe – an erster Stelle uns Priestern – heilig zu sein wie diese heldenhaften Zeugen des Glaubens und der Selbsthingabe bis hin zum Märtyrertod. Das ist die einzige Art und Weise, den menschlichen und geistlichen Bedürfnissen, die durch die tiefe Krise in der heutigen Welt hervorgerufen werden, eine glaubwürdige und erschöpfende Antwort anzubieten: die Antwort der Liebe in der Wahrheit.

    Die Pilger deutscher Sprache begrüßte der Papst mit den Worten:

    Von Herzen heiße ich die Pilger und Besucher deutscher Sprache hier in Castel Gandolfo willkommen und grüße auch alle, die über Radio und Fernsehen mit uns verbunden sind. Der Sonntag ist der Tag des Herrn, der uns eine besondere Gelegenheit gibt, Christus, dem Sohn Gottes zu begegnen, der als Mensch das Leben der Menschen geteilt und ihnen seine Liebe geschenkt hat. Er ist auch uns nahe. Im heutigen Evangelium hören wir, dass Jesus von sich als dem Brot vom Himmel spricht. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Schenken wir ihm den Platz in unserem Herzen, der ihm gebührt, und er wird unseren Hunger nach Leben und Liebe stillen. Der gute Gott geleite euch auf allen Wegen!