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    Von seiner Standfestigkeit überzeugt

    Buenos Aires/Rom/Frankfurt (DT/KNA) In der Debatte um das Verhalten des neuen Papstes während der Militärdiktatur (1976–1983) melden sich in Argentinien immer mehr Unterstützer von Jorge Mario Bergoglio zu Wort. Zugleich wiederholt die Tageszeitung „Pagina 12“ in ihrer Sonntagsausgabe unter dem Titel „Kirche und Diktatur“ den Vorwurf einer zu großen Nähe des neuen Papstes zu den damaligen Machthabern. Die Juristin Alicia Oliveira verlor während der Diktatur ihre Stellung als Richterin. Sie sagte der Tageszeitung „Clarin“: „Als die Junta hinter mir her war, hat er sich auf meine Seite gestellt. Ich bin von Jorges Standfestigkeit überzeugt.“ Ähnlich sieht es Graciela Fernandez Meijide von der Ständigen Versammlung für Menschenrechte (APDH). Die Mutter eines vermissten Diktaturopfers sagte der Zeitung: „Ich habe damals hunderte Zeugenaussagen in die Hände bekommen. Auch während meiner Tätigkeit in der Nationalen Kommission für vermisste Personen habe ich unzählige Zeugenaussagen gelesen. Nicht ein einziges Mal ist der Name Bergoglio gefallen.“ Auch der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff (74) verteidigt Franziskus gegen Vorwürfe. Im Gegensatz zu anderen Bischöfen habe Bergoglio damals nicht zu den Komplizen der Diktatur gehört, sagte Boff dem „Spiegel“. Er stützte seine Einschätzung auf Äußerungen des argentinischen Friedensnobelpreisträgers Adolfo Perez Esquivel (81). Dieser sei selbst von den Schergen der Militärdiktatur gefoltert worden und kenne sich „gut aus“. Boff sagte, es gebe keine konkreten Hinweise auf ein Fehlverhalten Bergoglios: „Im Gegenteil, er hat wohl sogar viele Priester versteckt und sie so gerettet.“ Perez Esquivel hatte schon kurz nach der Papstwahl Berichte dementiert, wonach der neue Papst mit den damaligen Machthabern paktiert habe. Wörtlich sagte der 81-Jährige der BBC: „Es gab Bischöfe, die Komplizen der Diktatur waren, aber Bergoglio nicht.“ Es habe keinerlei Verbindungen gegeben.

    Buenos Aires/Rom/Frankfurt (DT/KNA) In der Debatte um das Verhalten des neuen Papstes während der Militärdiktatur (1976–1983) melden sich in Argentinien immer mehr Unterstützer von Jorge Mario Bergoglio zu Wort. Zugleich wiederholt die Tageszeitung „Pagina 12“ in ihrer Sonntagsausgabe unter dem Titel „Kirche und Diktatur“ den Vorwurf einer zu großen Nähe des neuen Papstes zu den damaligen Machthabern. Die Juristin Alicia Oliveira verlor während der Diktatur ihre Stellung als Richterin. Sie sagte der Tageszeitung „Clarin“: „Als die Junta hinter mir her war, hat er sich auf meine Seite gestellt. Ich bin von Jorges Standfestigkeit überzeugt.“ Ähnlich sieht es Graciela Fernandez Meijide von der Ständigen Versammlung für Menschenrechte (APDH). Die Mutter eines vermissten Diktaturopfers sagte der Zeitung: „Ich habe damals hunderte Zeugenaussagen in die Hände bekommen. Auch während meiner Tätigkeit in der Nationalen Kommission für vermisste Personen habe ich unzählige Zeugenaussagen gelesen. Nicht ein einziges Mal ist der Name Bergoglio gefallen.“ Auch der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff (74) verteidigt Franziskus gegen Vorwürfe. Im Gegensatz zu anderen Bischöfen habe Bergoglio damals nicht zu den Komplizen der Diktatur gehört, sagte Boff dem „Spiegel“. Er stützte seine Einschätzung auf Äußerungen des argentinischen Friedensnobelpreisträgers Adolfo Perez Esquivel (81). Dieser sei selbst von den Schergen der Militärdiktatur gefoltert worden und kenne sich „gut aus“. Boff sagte, es gebe keine konkreten Hinweise auf ein Fehlverhalten Bergoglios: „Im Gegenteil, er hat wohl sogar viele Priester versteckt und sie so gerettet.“ Perez Esquivel hatte schon kurz nach der Papstwahl Berichte dementiert, wonach der neue Papst mit den damaligen Machthabern paktiert habe. Wörtlich sagte der 81-Jährige der BBC: „Es gab Bischöfe, die Komplizen der Diktatur waren, aber Bergoglio nicht.“ Es habe keinerlei Verbindungen gegeben.

    Im Mai 1976 waren die beiden Jesuitenpatres Orlando Yorio und Francisco Jalics von Militärs entführt und für mehrere Monate inhaftiert worden. Da es zuvor inhaltliche Differenzen mit ihrem damaligen Provinzial Bergoglio gegeben hatte, warfen ihm drei Jahrzehnte später argentinische Publizisten vor, er habe die beiden schutzlos gelassen und damit indirekt den Militärs ausgeliefert. Bergoglio selbst sagte 2010 in einem Zeitungsinterview, er habe sich während der Diktatur für mehrere bedrohte Seminaristen und Priester eingesetzt. Dabei habe er auch mit den Junta-Führern General Jorge Videla und Emilio Massera gesprochen, um sich für die Betroffenen einzusetzen. Eine gleichlautende Aussage machte er auch im November 2010 als Zeuge vor Gericht. Auch Jalics' Familie liegen keine Belege für die Beschuldigungen vor. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (FAS) zitiert aus einem bislang unbekannten Brief Bergoglios an einen Bruder von Jalics, er habe „viele Aktionen unternommen bei der Regierung, damit Ihr Bruder freikommt“. In dem Schreiben aus dem Jahr 1976 sichere der Jesuitenprovinzial der Familie Unterstützung zu: „Ich habe diese Angelegenheit zu ,meiner‘ Sache gemacht. Die Schwierigkeiten, die Ihr Bruder und ich gehabt haben über das religiöse Leben, haben damit nichts zu tun.“ Weiter heißt es: „Ich liebe ihn und ich werde alles tun, was ich kann, damit er freikommt.“ Nach Angaben der Familie war Franz Jalics überzeugt, dass Bergoglio ihn und Yorio an die Junta verraten habe, weil er mit ihrer Arbeit in dem Armenviertel nicht einverstanden gewesen sei. Mehrfach habe er diesen Vorwurf im Kreis der Familie so ausgesprochen, sagte ein Bruder der FAS. Ende der 80er Jahre habe es aber noch einmal ein Treffen zwischen Bergoglio und Jalics gegeben. Franz Jalics habe der Familie danach erzählt, dass Bergoglio sich bei ihm entschuldigt habe. Danach habe er, Jalics, mit der Vergangenheit abgeschlossen und alle Dokumente aus jener Zeit verbrannt. Der heute 85-jährige Jalics hatte seinerseits am Freitag erklärt, er wolle die Vergangenheit ruhen lassen. „Ich bin mit den Geschehnissen versöhnt und betrachte sie als abgeschlossen.“

    In argentinischen Medien finden sich unterdessen in diesen Tagen neue Details über die wahre Rolle des damaligen Jesuitenprovinzials Bergoglio in der argentinischen Militärdiktatur. So veröffentlichte die Zeitschrift „perfil“ (Profil) unmittelbar nach der Papstwahl auf ihrer Internetseite ein aufschlussreiches Interview, das sie bereits 2010 mit dem damaligen Kardinal geführt hatte.

    Darin schildert Bergoglio, wie er sich mit einem Trick Zugang zum Haushalt des damaligen Militärdiktators General Jorge Videla verschaffte, um sich bei ihm für Geistliche einzusetzen, die von Militärs verschleppt und inhaftiert worden waren. Damals kontaktierte der Jesuitenprovinzial Bergoglio den Militärgeistlichen, der in der Residenz Videlas regelmäßig die Messe hielt. Sie verabredeten, dass der Geistliche eine plötzliche Erkrankung vortäuschen und Bergoglio als Aushilfspfarrer für die Messe im Haus des Generals vorschlagen solle. Der Plan funktionierte, und der Jesuit feierte mit der gesamten Familie Videla die Messe. Anschließend bat er den General um ein Vier-Augen-Gespräch, das er nutzte, um sich für verhaftete Geistliche einzusetzen.

    Die Kontakte zu Videla sowie zu Admiral Emilio Massera wurden Bergoglio von Journalisten, die dreißig Jahre später über die Ereignisse recherchierten, als eine zu große Nähe zu den Machthabern ausgelegt. Bergoglio hat sein Verhalten und seine Motive in der Zeit des Unrechtsregimes öffentlich dargestellt und begründet. Mindestens zweimal hat er bei Gerichtsprozessen als Zeuge in dieser Sache ausgesagt, und in dem „perfil“-Interview hat er weitere Details geschildert. Trotzdem wurde sein Ruf beschädigt.

    In ungewöhnlich scharfer Form hatte der Vatikan bereits am Freitag Medienberichte zurückgewiesen, die den neuen Papst eines angeblich schuldhaften Verhaltens unter der argentinischen Militärdiktatur bezichtigen. Vatikansprecher Federico Lombardi sprach vor Journalisten im Vatikan von einer „Kampagne gegen Bergoglio“. Dem betreffenden Presseorgan warf er vor, es sei „auf oft verleumderische und diffamierende Kampagnen spezialisiert“. Den Namen der Publikation nannte er nicht, bezog sich aber offensichtlich auf die argentinische Zeitschrift „pagina 12“. Sie hatte die Beschuldigungen gegen Jorge Mario Bergoglio erstmals 2005 verbreitet. Papst Franziskus habe angesichts der Vorwürfe „ein reines Gewissen“ und gehe „seinen Weg weiter“, so Lombardi. Der Vatikan habe reichlich Erfahrungen mit Kampagnen gegen Päpste und die Kirche; er sei daher nicht beunruhigt. Es sei offensichtlich, dass bestimmte Medien immer dann ihre Vorwürfe gegen die Kirche richteten, wenn die Aufmerksamkeit am größten sei.