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    Vom Gipfel zurück in den Terror

    Kairo/Moskau (DT/KNA) Die Rückkehr des koptischen Patriarchen Tawadros II. aus Moskau wurde von dem neuen blutigen Anschlag auf Busse christlicher Pilger beim mittelägyptischen Minya überschattet. Der Oberhirte rief alle Klöster im Niltal und der Wüste gleich nach seiner Ankunft zu erhöhter Wachsamkeit auf: Es gibt Hinweise darauf, dass die IS-Terrormiliz nach ihrem Angriff bei der Abtei Anba Samuel noch weitere monastische Zentren der Kopten ins Visier genommen hat.

    Kairo/Moskau (DT/KNA) Die Rückkehr des koptischen Patriarchen Tawadros II. aus Moskau wurde von dem neuen blutigen Anschlag auf Busse christlicher Pilger beim mittelägyptischen Minya überschattet. Der Oberhirte rief alle Klöster im Niltal und der Wüste gleich nach seiner Ankunft zu erhöhter Wachsamkeit auf: Es gibt Hinweise darauf, dass die IS-Terrormiliz nach ihrem Angriff bei der Abtei Anba Samuel noch weitere monastische Zentren der Kopten ins Visier genommen hat.

    Diese ältesten Stätten christlichen Mönchslebens ziehen besonders an Wochenenden viele einheimische Wallfahrer, aber auch Touristen an. Zugleich hat Tawadros II. die ägyptischen Behörden um endlich besseren Schutz für ihre koptischen Staatsangehörigen gebeten. Bei diesem letzten Attentat mit 28 Toten und 25 Verletzten – unter ihnen viele Kinder – hatten die Angreifer sogar Militäruniformen getragen, was IS-Infiltration von Ägyptens Streitkräften befürchten lässt.

    Es war nicht das erste Mal, dass ein Terrorakt die Heimkehr des Patriarchen von einer Auslandsreise zur Sicherung der Solidarität europäischer Christen mit den verfolgten Kopten in Trauer verwandelt hat. Schon im Dezember 2016 endete der Besuch von Tawadros II. bei der Orthodoxen Kirche von Griechenland mit dem Kontrapunkt des Blutbads an der Nebenkirche Peter-und-Paul der Patriarchenkathedrale in Kairo. Diesmal kam der Patriarch von Begegnungen mit dem anglikanischen Primas und Königin Elizabeth II., seinem russischen Amtsbruder Kyrill I. und Wladimir Putin gerade zur Beisetzung der Opfer von Minya zur rechten Zeit. Genau das zeigte aber die Wichtigkeit dieser ökumenischen Kontakte für das Überleben der Kopten als letzter großer (etwa zwölf Millionen) christlicher Minderheit unter Muslim-Herrschaft.

    Offizieller Anlass für die Russlandreise des koptischen Patriarchen war die Verleihung des jährlichen Preises der „Internationalen Stiftung für die Einheit der Orthodoxen Völker“ in Moskau. Bei dieser handelt es sich nicht um ein kirchliches Werk, sondern um ein politisches Forum, das alle Menschen orthodoxen Glaubens um das „heilige“ Russland zu scharen versucht. Schon die Zaren hatten diese Absicht verfolgt. In postkommunistischer Zeit griff Putin dieses Ziel wieder auf. Dabei wurden die wegen ihrer anders formulierten Christologie (Mono- beziehungsweise Miaphysitismus) gar nicht zur griechisch-orthodoxen Kirchenfamilie gehörenden altorientalischen Christen in den weiteren Rahmen der Orthodoxie einbezogen.

    Dass das noch keine kirchliche Einheit bedeutet, unterstrich Patriarch Kyrill I. von Moskau und der ganzen Rus am 23. Mai in seiner Residenz im Moskauer Danilow-Kloster bei der Begrüßungsrede für Tawadros II. und dessen Delegation, die überwiegend aus Bischöfen der koptischen Diaspora in Europa und den USA bestand. Es gebe noch immer theologische Unterschiede. Diese gehörten aber einer fernen Vergangenheit an, während heute an ihrer Überwindung gearbeitet werde. Der Patriarch verwies in diesem Zusammenhang auf die 2014 beim ersten Moskau-Besuch von Tawadros eingesetzte bilaterale Dialogkommission der russischen und koptischen Kirche.

    Was zeigt, dass das Patriarchat Moskau weder den von Pro Oriente 1971 zustande gebrachten Konsens der „Wiener Christologischen Formel“ rezipiert hat, noch die in den 1990er Jahren in Chambésy erzielte Übereinstimmung, dass es sich bei Kopten, Syrisch-Orthodoxen und Armeniern sowie ihren Tochterkirchen nur um einen „verbalen“ Monophysitismus, aber keinen Glaubensunterschied handelt.

    Dementsprechend wurde die Patriarchenbegegnung in Moskau auch protokollarisch als „interchristliche“ und nicht „interorthodoxe“ Zusammenkunft eingestuft. Das hinderte Kyrill I. nicht daran, zu erklären: „Dank Gottes Huld gibt es zwischen unseren Kirchen keine Probleme.“ Darüber hinaus verbinde heute Kopten und orthodoxe Russen die gemeinsame Bedrohung durch islamistische Terroristen. Die seien nicht nur in Ägypten und dem ganzen Orient, sondern ebenso in Russland am Werk. Dennoch dürfe der interreligiöse Dialog mit dem Islam nicht zum Erliegen kommen.

    Bei den meisten Terroristen handle es sich um ungebildete Leute, die nicht einmal ihre eigene Religion richtig kennten. Das Christentum würde ihnen in verzerrter, verfälschter Form als Feindbild dargestellt. Die Überwindung der radikalen, aus dem Islam hervorgegangenen Ideologien sei daher weitgehend eine Bildungsfrage. Christliche Länder mit Muslimminderheiten hätten die Aufgabe und die Pflicht, für eine ausgewogene Heranbildung der islamischen Prediger, Lehrer und Theologen sowie für einen objektiven, wissenschaftlich fundierten Religionsunterricht an den Schulen zu sorgen. Das sollte auch in Ägypten ein Anliegen der Schulung islamischer Geistlicher und der religiösen Unterweisung der Muslimjugend werden. Kyrill I. verwies auf den bereits bestehenden, bei diesem Treffen erweiterten Theologenaustausch zwischen der russischen und der koptischen orthodoxen Kirche. Dieser könne weitgehend dem Erfahrungsaustausch in Sachen Islam dienen. Abschließend wies der Moskauer Patriarch noch auf die besondere Bedeutung des spirituellen Austausches zwischen dem koptischen und dem russischen Mönchtum hin.

    Tawadros II. dankte für die Anteilnahme und den Beistand des orthodoxen Russland bei den Heimsuchungen der koptischen Christen. Diese betreffen nicht nur Ägypten, sondern in noch schlimmerem Ausmaß Libyen und den Sudan, wo ebenfalls viele Kopten leben. Der Patriarch aus Kairo erbat auch im Namen der anderen Nahostchristen das Gebet, die Hilfe und den internationalen Beistand der russischen Kirche, besonders in Syrien und dem Irak. Dasselbe Anliegen trug Tawadros II. auch Präsident Putin in der offiziellen Patriarchenwohnung aus sowjetischer Zeit am Tschisty Pereulok vor. Der Präsident unterstrich seinerseits die heute wieder so guten und engen Beziehungen zwischen Russland und Ägypten. Es sei sein Bestreben, dass diese auch den Kopten zugute kämen.