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    Volksmission mit ökumenischer Note

    Zu erzählen hat er viel: Von seinen Predigten begeistert, lässt sich ein Klempner zum Pastor ausbilden. Ein Drogenabhängiger wird sein Mitarbeiter. Pastor Eckard Krause ist einer der Hauptredner auf dem katholischen Familien- und Erwachsenenforum der Gemeinschaft Emmanuel im August. Der gelernte Teppichfachverkäufer ist ein wahrer Volksmissionar. So ein Volksmissionar ist etwas Besonderes. In der katholischen Kirche werden sofort Erinnerungen an den legendären Jesuitenpater Leppich (1915–92) wach, von dem Eltern und Großeltern heute noch schwärmen. Doch den Wanderprediger, der von Gemeinde zu Gemeinde zieht, um dort das ermüdete christliche Gemeindeleben zu erneuern, gibt es nur noch selten. Dabei sind es nur Menschen, die andere Menschen zum Glauben bewegen. Gibt es auch heute noch „Maschinengewehre Gottes“, so der Spitzname von Pater Leppich, die wirkmächtig, stark und mit den richtigen Worten Menschen nur durch das Wort zum Glauben begeistern können?

    Pastor Eckard Krause. Foto: Forum Altötting

    Zu erzählen hat er viel: Von seinen Predigten begeistert, lässt sich ein Klempner zum Pastor ausbilden. Ein Drogenabhängiger wird sein Mitarbeiter. Pastor Eckard Krause ist einer der Hauptredner auf dem katholischen Familien- und Erwachsenenforum der Gemeinschaft Emmanuel im August. Der gelernte Teppichfachverkäufer ist ein wahrer Volksmissionar. So ein Volksmissionar ist etwas Besonderes. In der katholischen Kirche werden sofort Erinnerungen an den legendären Jesuitenpater Leppich (1915–92) wach, von dem Eltern und Großeltern heute noch schwärmen. Doch den Wanderprediger, der von Gemeinde zu Gemeinde zieht, um dort das ermüdete christliche Gemeindeleben zu erneuern, gibt es nur noch selten. Dabei sind es nur Menschen, die andere Menschen zum Glauben bewegen. Gibt es auch heute noch „Maschinengewehre Gottes“, so der Spitzname von Pater Leppich, die wirkmächtig, stark und mit den richtigen Worten Menschen nur durch das Wort zum Glauben begeistern können?

    Pastor Krause könnte ein evangelischer Pater Leppich sein. Jedenfalls kann man dem dem Pastor der evangelisch-lutherischen Landeskirche leidenschaftliche Ausstrahlung und rhetorische Begabung bescheinigen. Zum ersten Mal in der 16-jährigen Geschichte des Forum Altötting hält ein evangelischer Christ einen der Hauptvorträge. Die Mission und Evangelisation ist der Gemeinschaft Emmanuel und Pastor Eckard Krause gemein. Pastor Eckard Krause sprach schon auf dem innovativen Wiener Kongress „Apostelgeschichte 2010“ – einer Art modernes Apostelkonzil – im Wiener Stephansdom über die Mission. Auf dem Wiener Kongress hat er nach eigenen Worten Symbole und Zeichen wiederentdecken dürfen, die in der Reformationszeit verloren gegangen sind. Nachdem er bis jetzt sehr wenig Kontakt zur katholischen Kirche hatte, ist es wie ein Ritterschlag, wenn er sagt: „Wenn ich heute Christen wie Kardinal Schönborn sehe, wäre die Reformation nicht nötig gewesen. In der Verkündigung des zuerst liebenden und barmherzigen Gottes vereinen sich die Konfessionen.“ Otto Neubauer, der Leiter der Akademie für Evangelisation in Wien von der Gemeinschaft Emmanuel, hat den Pastor eingeladen. Bei einem Besuch in Wien, auf der Suche nach missionarischen Menschen, lernten die beiden Männer sich kennen und schätzen. Wenn man bedenkt, dass Otto Neubauer in diesem Jahr in der Sommerakademie in Castel Gandolfo vor dem Ratzinger-Schülerkreis gemeinsam mit Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, übrigens auch eine Hauptreferentin beim diesjährigen Forum, über das Thema der Neuevangelisierung sprechen darf, kann man erahnen, welche Ausmaße diese ökumenische Begegnung hat, die auf dem Forum Altötting fortgesetzt wird. Die Sprachen mögen verschieden sein, aber die Leidenschaft für die Mission verbindet genauso wie der brennende Wunsch, die eigene Kirche wieder wachzurütteln für die Mission.

    Der evangelische Theologe Eberhard Jüngel (von Richard von Weizsäcker übrigens als der evangelische Ratzinger bezeichnet) drückte dieses Anliegen auf der EKD-Synode im Jahr 1999 folgendermaßen aus: „Wenn Mission und Evangelisation nicht Sache der ganzen Kirche sind oder wieder werden, dann ist etwas mit dem Herzschlag der Kirche nicht in Ordnung.“ Daher bezieht sich die Neuevangelisierung immer zuerst auf sich selbst, die eigene Kirche und in einem zweiten Schritt auf den anderen.

    Eckard Krause, ein Mann mit aufmerksamen Augen und wachem Geist, hat sein Leben der Evangelisation verschrieben und nennt sich „Evangelist“. Diesen Begriff unterscheidet er von Mission. Während für Krause „Mission“ ein Oberbegriff ist und die verschiedenen Wirkweisen der Kirche einschließt, nämlich die Sendung der Gemeinde durch Christus hinein in die Welt durch Diakonia (tätige Nächstenliebe), Liturgia (Feier der heiligen Geheimnisse), Martyria (Verkündigung, Zeugnis geben) und Koinonia (Gemeinschaft mit Christus und untereinander), ist die Evangelisation der Dienst der Predigt, die zur Entscheidung auffordert. Evangelisation heiße, Gottes Liebeshandlungen am Menschen verkünden.

    Die Menschen, die mit Sehnsüchten in die Kirche kommen, dürfen dort nicht eine moralische Predigt hören a la „Sei lieb, hab keine Vorurteile, wenn wir mit anderen teilen, haben alle genug“. Übrigens eine typische Auslegung der Geschichte der Brotvermehrung und ähnliche Allgemeinplätze. Dies sei aber nicht Kern des Evangeliums. Zuerst sind wir Menschen Empfangende. Nur aufgrund der Liebe Gottes zu uns können wir Gott antworten und andere Menschen lieben, so Pastor Krause.

    Diese Botschaft sollte immer wieder neu gesagt werden, am besten durch begabte Prediger, ob man sie nun Volksmissionar, Wanderprediger, Evangelist, Missionar oder evangelistische Prediger nennt. Problematisch ist der Mangel an solchen Predigern, und das in beiden christlichen Kirchen. Zwar gibt es in jeder evangelischen Landeskirche eine Stelle für Evangelisation und Gemeindeaufbau, aber kein Amt für begabte Priester oder Laien, die als Erneuerer die Gemeinden und Versammlungen besuchen. Es braucht Priester, die Menschen durch die Predigt zu einer tieferen Beziehung mit Gott führen. Dafür sollten die Kirchen Begabungen suchen und pflegen und solch charismatisch begabten Menschen in die sonst so gern genutzten Strukturen der Kirche integrieren.

    Im seltenen Fall von Pastor Eckard Krause ist dies gelungen. Mit zwei anderen Pastoren, dem kürzlich verstorbenen Pastor Klaus Vollmehr und Pastor Klaus Eickhoff bildete er ein Team in der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, um bei den Menschen für Gott zu werben. Auch heute, im Alter von 67 Jahren, reist er durch Gemeinden, besucht Kongresse, Foren, Tagungen, um dort in Glaubenskursen Menschen für Christus zu gewinnen und träge Christen wieder aufzurütteln.

    Dass er einmal Pastor werden wird, hätte sich Krause niemals träumen lassen. Als Jugendlicher flog er von der Schule. Er kehrte dem frommen, pietistischen Glauben seiner Eltern den Rücken. Im Elternhaus herrschte ein angstmachender, regeldurchsetzter Glaube, um den man sich erst einmal bemühen muss, um mit Gott leben zu dürfen. Als er jedoch nach seiner Ausbildung zum Orientteppichfachverkäufer im Iran ein Erdbeben erlebte, wurde er auf die elementare Sinnfrage zurückgeworfen. In Teheran fand er eine deutsche Gemeinde, aber bei dem dortigen protestantischen Pastor keine Antwort. Das entscheidende Glaubenserlebnis verdankt Pastor Krause einem anglikanischen Priester, an den er sich wandte. Dieser fragte ihn: „Wollen oder können sie nicht glauben?“ „Wenn ich ehrlich bin, würde ich schon wollen“, war die Antwort. Dem folgte ein Niederknien vor dem Altar und ein Gebet um den Glauben an Gottes Liebe. In der Tat war das der Glaubensbeginn. Bei allen Zweifeln und theologischen Fragestellungen ist er fest überzeugt: In Christus bin ich von Gott geliebt und mit ihm versöhnt.

    Diese Erfahrung ermutigte Eckard Krause, den Weg als Diakon und Pastor in der evangelisch-lutherischen Landeskirche in Hannover einzuschlagen. Er arbeitete mit Jugendlichen und Studenten, leitete eine Gemeinde und initiierte eine Vielzahl missionarischer Projekte. Im missionarischen Zentrum in Hanstedt in der Lüneburger Heide kommen heute noch zur „Hausgemeinde“ zehn junge Erwachsene zum Freiwilligen Sozialen Jahr zusammen. Sie beten zweimal am Tag, betreuen die Gäste, besonders Konfirmandengruppen, und erzählen von ihrem Glauben. Parallelen zu den von der Gemeinschaft Emmanuel geleiteten Evangelisationsschulen in Altötting, Rom und Paray-le-Monial sind deutlich. In den Schulen und in den Hausgemeinden geht es primär darum, junge Erwachsene zu befähigen, von ihrem Glauben Zeugnis zu geben. Ein von ihm mitiniitierter und ausgearbeiteter Glaubenskurs „Christ werden – Christ bleiben“ wird in der evangelisch-lutherischen Landeskirche von Hannover allen Gemeinden anempfohlen. Pastor Eckard Krause hat nicht wenige junge Menschen geprägt, zum Glauben bewegt und wichtige Spuren hinterlassen. Für die Jugend hat er eine ganz besondere Botschaft. Bei einem Vortrag an der Uni Rostock meldet sich ein junger Mann zu Wort: „Es ist ja ganz nett, was Sie uns da von Gott erzählen. Mir geht es aber gut und ich bin Atheist. Warum sollte ich da Christ werden“? Erstaunend und anregend ist für die Zuhörerschaft die Antwort des Predigers: „Ich glaube gern, dass es Ihnen gut geht. Aber Gott geht es nicht gut. Er braucht Sie!“

    Gerade in der heutigen Zeit, in der so viele junge Menschen das Gefühl haben, nicht mehr gebraucht zu werden, weil alles schon geschafft und gemacht ist, alles läuft und funktioniert, müssen Jugendliche wissen: Gott braucht Dich, Du bist wertvoll und notwendig in seinem Heilsplan.