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    Viele haben hier ein neues Leben mit Gott begonnen

    Berührende Zeugnisse und kluge Analysen rund um das „Phänomen Medjugorje“ hat der aus Oberösterreich stammende katholische Fotograf und Buchhändler Christoph Hurnaus mit stimmungsreichen Fotos zu einem ansprechenden Bildband verbunden. Der Herausgeber, der in den gut drei Jahrzehnten der „außergewöhnlichen Ereignisse“ das kleine herzegowinische Dorf nahe Mostar vielfach besuchte, hat sich mit seinen Fotodokumentationen wichtiger Papst-Reisen längst einen Namen gemacht. Auch in seinem neuen Buch tritt er selbst vor allem mit seinen Bildern auf, lässt aber in den Texten anderen den Vortritt.

    Bekehrungen und Berufungen zeichnen den herzegowinischen Ort Medjugorje seit nunmehr drei Jahrzehnten aus. Foto: Christoph Hurnaus

    Berührende Zeugnisse und kluge Analysen rund um das „Phänomen Medjugorje“ hat der aus Oberösterreich stammende katholische Fotograf und Buchhändler Christoph Hurnaus mit stimmungsreichen Fotos zu einem ansprechenden Bildband verbunden. Der Herausgeber, der in den gut drei Jahrzehnten der „außergewöhnlichen Ereignisse“ das kleine herzegowinische Dorf nahe Mostar vielfach besuchte, hat sich mit seinen Fotodokumentationen wichtiger Papst-Reisen längst einen Namen gemacht. Auch in seinem neuen Buch tritt er selbst vor allem mit seinen Bildern auf, lässt aber in den Texten anderen den Vortritt.

    In seiner knappen Einleitung weist Hurnaus darauf hin, dass Millionen Pilger aus aller Welt in diesen 31 Jahren nach Medjugorje geströmt sind. Viele von ihnen seien „verwandelt von diesem Ort der Gnade in ihre Heimat zurückgekehrt und haben ein neues Leben mit Gott begonnen“. Medjugorje – „im Schnittpunkt dreier Kulturen gelegen“, nämlich an der Grenze des katholischen zum orthodoxen und zum islamischen Europa – sei deshalb „für die Kirche in Europa, die heute vielfach wie gelähmt und ohne echte Perspektive der Erneuerung scheint, ein starkes Zeichen der Hoffnung“, meint Hurnaus.

    Der renommierte katholische Journalist und Buchautor Paul Badde behauptet, dass Johannes Paul II. den Ort gerne besucht hätte, was am Widerstand des Bischofs von Mostar gescheitert sei, dass aber Medjugorje für den Papst aus Polen „eine wesentliche Quelle der Inspiration geworden war“. Bestätigt wird das mit einem hier publizierten, älteren Interview mit dem 2006 verstorbenen slowakischen Exilbischof Pavel Hnilica, der berichtet, Johannes Paul II. habe ihm in einem persönlichen Gespräch gesagt: „Heute verliert die Welt den Sinn für das Übernatürliche, das heißt den Sinn für Gott. Aber viele finden diesen Sinn neu in Medjugorje wieder durch das Gebet, das Fasten und die Sakramente.“

    Der Bildband dokumentiert Zeugnisse der „Seher“ von Medjugorje, Ivan Dragicevic und Marija Lunetti-Pavlovic. Die wichtigste Botschaft der Gottesmutter sei „ihre Anwesenheit unter uns“, sagt Marija Pavlovic, die mit einem Italiener verheiratet ist und überwiegend in Italien lebt: „Die Gospa hat gesagt, dass ihre Botschaften nichts Neues bringen, was nicht schon in der Heiligen Schrift gesagt wurde.“ Durch diese Botschaften seien aber viele geistliche Berufungen geweckt worden und heiligmäßige Familien entstanden. Der österreichische Diplomat Valentin Inzko, seit 2009 „Hoher Repräsentant“ der internationalen Staatengemeinschaft und EU-Sonderbeauftragter für Bosnien-Herzegowina, meint in einem Interview anerkennend: „Hier verändern sich die Menschen und beginnen, anders zu denken.“

    Zu den in diesem Sammelband referierten Früchten von Medjugorje gehören neben zahllosen Bekehrungen und geistlichen Berufungen das Wachsen der Gemeinschaft „Cenacolo“, die Drogensüchtigen einen Neuanfang durch ein christliches Lebensmodell anbietet, und die Gründung der Initiative „Mary's Meals“ durch den Schotten Magnus MacFarlane-Barrow, die heute pro Tag 650 000 Kinder weltweit ernähre.

    Ohne Voreingenommenheit auf die Früchte schauen

    Einer der verantwortlichen Franziskaner von Medjugorje, Pater Tomislav Pervan, meint zu Zweifeln an der Echtheit der Erscheinungen: „Hätte es sich um einen Schwindel gehandelt, wäre es wohl mit all dem in ein paar Wochen vorbeigewesen. Denn man kann nicht monate- und jahrelang ein solches Schauspiel betreiben.“ In Medjugorje verwirkliche sich „die Absicht des Konzils: zurück zum Ursprung, zum Evangelium, zu Umkehr, Buße, zurück zu den Sakramenten, Eucharistie und Anbetung“, so der Franziskaner. Skeptikern rät er, ohne Voreingenommenheit auf die Früchte zu schauen. Der Publizist Bernhard Müller erinnert daran, dass die „Gospa“ in Medjugorje nichts anderes verkündet als einst Johannes der Täufer, nämlich „den Weg zu Gott: Umkehr, Gebet, Fasten“. Umso erstaunlicher, dass Medjugorje „das größte religiöse Phänomen“ und zum „Beichtstuhl der Welt“ wurde: „Zehntausende Priester tanken hier Kraft für ihren schweren Dienst, zahlreiche Bischöfe mischen sich – oft inkognito, weil die Erscheinungen kirchlich noch untersucht werden und ihre Übernatürlichkeit nicht anerkannt ist – unter die Gläubigen.“ Ausdrücklich betont der Herausgeber des ästhetischen Bildbands, dass dieser „dem Urteil der Kirche über Medjugorje nicht vorgreifen“ möchte.

    Der bekannte Heiligenkreuzer Zisterzienserpater und Dogmatiker Karl Wallner betont in seinem Beitrag, dass die Kirche auf „paranormale Phänomene“ immer zunächst mit „vorsichtiger Distanz“ reagiere, was auch richtig sei: „Das kirchliche Amt hat die Pflicht, außerordentliche Phänomene mit distanzierter Skepsis zu prüfen und die Vernunft hochzuhalten!“ Das wichtigste Kriterium sei, ob diese Phänomene „in diesen Kosmos des Wesenhaft-Übernatürlichen hineinführen, aus dem die Kirche gnadenhaft lebt“, so Wallner. Seine Erfahrung fasst der Zisterzienser so zusammen: „Was ich in Medjugorje erlebt habe, sind keine faulen Früchte. Alles führt hin zur Eucharistie, zur Beichte, zum Gebet, zu einem Leben aus den Sakramenten, zur Treue gegenüber dem kirchlichen Lehramt.“ In einem Interviewbeitrag referiert der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, die guten Früchte von Medjugorje, die er vor und bei seinem Besuch in der Herzegowina erlebt und erfahren hat.

    Christoph Hurnaus (Hg.): „Medjugorje. Hoffnung für die Welt“, fe-Medienverlag und Medienverlag Christoph Hurnaus, Kißlegg und Linz 2012, ISBN 978-3-86357-040-8 und ISBN 978-3-902354-11-2, 144 Seiten, ca. 100 farbige Abb., EUR 19,90 (D), 20,50 (A).