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    Vatikanisches Ostkircheninstitut vor Neuaufstellung

    Vatikanstadt (DT/KAP) Wie in allen Päpstlichen Universitäten und Fakultäten ruht auch im Orientalischen Institut der Lehrbetrieb. Die Büros und auch die Bibliothek direkt neben der Basilika Santa Maria Maggiore sind geschlossen. Professoren und Studenten, insbesondere die Ausländer, sind in ihre Heimatländer gereist. Aber während überall sonst spätestens Anfang September die Neueinschreibungen beginnen und das Studienjahr Anfang Oktober eröffnet wird, liegt die Zukunft des „Orientale“ im Ungewissen: Im April war die Leitungsebene des Instituts vom zuständigen Jesuitenorden abgelöst worden. Die renommierte Forschungs- und Lehreinrichtung über den christlichen Osten soll reorganisiert werden. Damit wurde der ägyptische Islamwissenschaftler und Orientalist Samir Khalil Samir aus dem Jesuitenorden beauftragt. Als Pro-Rektor ersetzte er seinen nordamerikanischen Ordensbruder James McCann, der 2010 (nicht ganz freiwillig) die Leitung übernommen hatte. Auch die Dekane der beiden Fakultäten, der für Orientalische Fächer und der für Kirchenrecht, waren abgelöst und durch den Malteser Edward Farrugia und den Inder Sunny Thomas Kokkaravalayil ersetzt worden. Der unausgesprochene Vorwurf – offiziell gab es keine Begründung: Das akademische Niveau habe deutlich nachgelassen, etliche der Professoren und Dozenten hätten nicht die für diese Positionen erforderlichen wissenschaftlichen Qualifikationen. Zudem fehle etwas die leitende Hand: Etwa bei der Benutzung der Bibliothek habe sich ein gewisser Schlendrian breitgemacht.

    Vatikanstadt (DT/KAP) Wie in allen Päpstlichen Universitäten und Fakultäten ruht auch im Orientalischen Institut der Lehrbetrieb. Die Büros und auch die Bibliothek direkt neben der Basilika Santa Maria Maggiore sind geschlossen. Professoren und Studenten, insbesondere die Ausländer, sind in ihre Heimatländer gereist. Aber während überall sonst spätestens Anfang September die Neueinschreibungen beginnen und das Studienjahr Anfang Oktober eröffnet wird, liegt die Zukunft des „Orientale“ im Ungewissen: Im April war die Leitungsebene des Instituts vom zuständigen Jesuitenorden abgelöst worden. Die renommierte Forschungs- und Lehreinrichtung über den christlichen Osten soll reorganisiert werden. Damit wurde der ägyptische Islamwissenschaftler und Orientalist Samir Khalil Samir aus dem Jesuitenorden beauftragt. Als Pro-Rektor ersetzte er seinen nordamerikanischen Ordensbruder James McCann, der 2010 (nicht ganz freiwillig) die Leitung übernommen hatte. Auch die Dekane der beiden Fakultäten, der für Orientalische Fächer und der für Kirchenrecht, waren abgelöst und durch den Malteser Edward Farrugia und den Inder Sunny Thomas Kokkaravalayil ersetzt worden. Der unausgesprochene Vorwurf – offiziell gab es keine Begründung: Das akademische Niveau habe deutlich nachgelassen, etliche der Professoren und Dozenten hätten nicht die für diese Positionen erforderlichen wissenschaftlichen Qualifikationen. Zudem fehle etwas die leitende Hand: Etwa bei der Benutzung der Bibliothek habe sich ein gewisser Schlendrian breitgemacht.

    Samir hat somit die Aufgabe, das Institut von Grund auf zu reorganisieren, das seit 98 Jahren eine anerkannte wissenschaftliche Bilanz vorweisen kann. Hier hatten sich zuletzt gut 350 Studenten in einem Zusatzstudium für Ostkirchenkunde spezialisiert. Mehr als 6 500 Studenten haben hier studiert, darunter Patriarchen – wie Bartholomaios I. von Konstantinopel, der hier ein Doktoratsstudium absolvierte – viele Bischöfe und Professoren. Die Zahl der angenommenen Dissertationen beläuft sich auf etwa 600.

    Unter den Studenten des Orientale hatte die Nachricht von den Personalveränderungen im Frühsommer Unruhe bis hin zur Panik verbreitet. Die Befürchtung ging um, dass nicht nur die Bibliothek sondern das Institut insgesamt für längere Zeit komplett geschlossen werden könnte. Und so forcierten sie ihre Studien. Aus aller Welt reisten Doktoranden und Wissenschaftler an, um insbesondere die einzigartige Bibliothek zu benutzen, bis sie zum 4. Juli schloss.

    Während der Sommerpause wird diese Bibliothek renoviert. Das mag erklären, warum sie länger geschlossen bleibt als zunächst geplant. Aber laut Homepage des Instituts öffnet sie zum 21. September wieder ihre Pforten und das akademische Jahr beginnt am 5. Oktober. Auch dessen Lehrplan ist bereits im Internet eingestellt. Angeboten werden dann etwa Vorlesungen zu orientalischer Kirchengeschichte, zur Liturgie des Stundengebets, zur Theologie der Beichte in der östlichen und westlichen Liturgie, aber auch zur modernen Geschichte Russlands. Zudem gibt es zahlreiche Sprachkurse, in Russisch, Syrisch, Armenisch, Äthiopisch, Alt- und Neugriechisch, in Altkirchenslawisch oder Altgeorgisch.

    Die Befürchtungen um eine längere Schließung sollten damit vom Tisch sein. Sicher wird sich die Institutsleitung in nächster Zeit um eine personelle Aufstockung des Lehrkörpers bemühen. Dort fehlten seit dem Tod des tschechischen Jesuitenkardinals Tomas Spidlik (1919–2010) die ganz großen Namen – sieht man von Samir ab. Für die Neuaufstellung des Orientale gibt es auch bereits eine Deadline. Das Institut wurde am 15. Oktober 1917 von Benedikt XV. gegründet, nur wenige Tage vor dem Ausbruch der Russischen Revolution; 2017 steht somit sein 100-jähriges Bestehen an.