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    „Uns geht es um die Unterstützung der Flüchtlingsseelsorge“

    Flüchtlingshilfe ist das Gründungscharisma von „Kirche in Not“. Wie setzen Sie das heute um? Nach dem Krieg wurde den vertriebenen Deutschen geholfen. Heute helfen wir Flüchtlingen und Vertriebenen in Jordanien, dem Libanon, in Syrien und im Irak.

    „Kirche in Not“-Geschäftsführerin Karin Maria Fenbert übergibt jungen Flüchtlingen Bibeln und Rosenkränze. Foto: KiN

    Flüchtlingshilfe ist das Gründungscharisma von „Kirche in Not“. Wie setzen Sie das heute um?

    Nach dem Krieg wurde den vertriebenen Deutschen geholfen. Heute helfen wir Flüchtlingen und Vertriebenen in Jordanien, dem Libanon, in Syrien und im Irak. Auch in Afrika spielt diese Art der Hilfe eine Rolle. Neu ist die große Flüchtlingswelle, die im vergangenen Jahr Deutschland erreicht hat. Der heilige Papst Johannes Paul II. meinte schon am 17. November 1980 in Mainz:„Auf die Dauer wird sich kein wohlhabendes Land vor dem Ansturm so vieler Menschen, die wenig oder gar nichts zum Leben haben, abriegeln können.“

    „Weltweite Hilfe für

    die verfolgte und

    notleidende Kirche“

    Die humanitären Aufgaben kann der Staat übernehmen, der auch schon einige Jahre den Euro stützt. „Kirche in Not“ lebt nur von den Spenden seiner Wohltäter und hilft weltweit der verfolgten und notleidenden Kirche. Es ist vorrangig ein pastorales Hilfswerk. Bei uns geht es daher um die Unterstützung der Flüchtlingsseelsorge. Dafür verwenden wir die Kinderbibel von „Kirche in Not“, den Katechismus „Ich glaube“, Rosenkranzhefte und ein Kreuzwegheft.

    Wie genau hilft „Kirche in Not“ den christlichen Flüchtlingen im Nahen Osten, vor allem in Syrien und dem Irak?

    Im Irak haben wir Schulen gebaut. Sie vermitteln den Eltern Hoffnung für die Zukunft ihrer Kinder und somit eine Bleibe-Perspektive. Wir finanzieren Nahrungsmittelpakete, Mieten für Wohnraum für die aus der Ninive-Ebene und aus Mossul Vertriebenen. In Syrien finanzieren wir im Winter Heizöl, Nahrungsmittelpakete, Medikamente und Schulgebühren. In den großen Flüchtlingslagern in Jordanien und dem Libanon können Christen eigentlich nicht leben. Das kann man sich leicht vorstellen, wenn man sieht, wie es selbst Christen in deutschen Flüchtlingsunterkünften ergeht. Um sie kümmert sich fast nur die Ortskirche, die dringend auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen ist wie die von „Kirche in Not“. In diesen Ländern haben wir auch unseren eigentlichen pastoralen Auftrag im Blick und unterstützen Priesterseminare sowie vertriebene und geflohene Priester und Ordensfrauen.

    Sie haben jetzt eine arabische Kinderbibel herausgegeben. Wie kamen Sie darauf? Gibt es schon Rückmeldung?

    Uns erreichten bereits Mitte Sommer die ersten Anfragen, eine davon aus Eichstätt vom dortigen Flüchtlingsseelsorger, Archimandrit Andreas Thiermeyer. Ein junger Pakistaner hatte ihn kurz nach seiner Ankunft nach einer Bibel gefragt. Er nahm freudig die Kinderbibel in Empfang. Ebenso drei junge Männer aus Eritrea. Der Flüchtlingsseelsorger hat sich über das Angebot von „Kirche in Not“ gefreut. Er könne diese Schriften sehr gut für seine Arbeit gebrauchen. „Die christlichen Flüchtlinge, denen ich begegne, wollen Gebetbücher in einer für sie verständlichen Sprache haben. Sie wollen vor allem die Heilige Schrift lesen.“ Weltweit haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Lektüre der Kinderbibel schon vielen Menschen Freude bereitet hat. Ihre Sprache und ihre Bilder sind ansprechend, auch für Erwachsene.

    „Kirche in Not bringt

    ein Gebetsheft mit

    Grundgebeten für

    Flüchtlinge heraus“

    Planen Sie noch mehr pastorale Hilfsangebote für christliche Flüchtlinge in Europa?

    In Deutschland bringt „Kirche in Not“ in Kürze ein Gebetsheft mit Grundgebeten für Flüchtlinge heraus. Weitere Überlegungen laufen. In Schweden haben schon einige chaldäisch-katholische Christen aus dem Nahen Osten Zuflucht gefunden. Die Chaldäer sind mit Rom uniert, haben aber andere Traditionen und Riten, wie zum Beispiel einen etwas anderen Ablauf der heiligen Messe. Für sie haben wir in Schweden eine Kapelle gebaut. Auch in Frankreich wohnen mittlerweile einige chaldäische Christen. Für sie ist ein ähnliches Projekt geplant.