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    „Tränen trocknen, Seelenwunden heilen“

    Die selige Maria Theresia vom heiligen Joseph kam am 19. Juni 1855 in Sandow in der Mark Brandenburg (heute Polen) zur Welt. Ihr Vater war der preußische lutherische Superintendent Hermann Traugott Tauscher, ihre Mutter hieß Pauline van den Bosch. Auch sie war Protestantin, die jedoch eine große Verehrung für die Muttergottes pflegte. Ihr erstes Kind wurde daher auf den Namen Anna Maria getauft. Anna Maria bekam noch zwei Schwestern und wuchs in einer religiösen Umgebung auf. Dennoch fühlte sie sich in dem Bekenntnis ihrer Eltern nie zuhause.

    Die selige Maria Theresia vom heiligen Joseph kam am 19. Juni 1855 in Sandow in der Mark Brandenburg (heute Polen) zur Welt. Ihr Vater war der preußische lutherische Superintendent Hermann Traugott Tauscher, ihre Mutter hieß Pauline van den Bosch. Auch sie war Protestantin, die jedoch eine große Verehrung für die Muttergottes pflegte. Ihr erstes Kind wurde daher auf den Namen Anna Maria getauft. Anna Maria bekam noch zwei Schwestern und wuchs in einer religiösen Umgebung auf. Dennoch fühlte sie sich in dem Bekenntnis ihrer Eltern nie zuhause.

    1865 zog die Familie nach Berlin. In der großen Stadt fühlte sich Anna Maria gar nicht gut. Sie wurde gemeinsam mit ihrer Schwester Lisa in ein Mädchenpensionat nach Gnadau in Sachsen-Anhalt geschickt. Die – wie sie schrieb – „sehr aufopferungsvollen und guten“ Menschen, die Missionare der Herrnhuter Brüdergemeine, die das Internat führten, lösten in ihr den Wunsch aus, ihr Leben Christus zu weihen.

    Sie übersiedelte ins Rheinland und übernahm in Köln die Leitung eines Heims für geistig Behinderte. Am 30. Oktober 1888 bekannte sie sich in der Kölner Basilika „Zu den heiligen Aposteln“ öffentlich zum katholischen Glauben, ein folgenschwerer Schritt, der nicht nur zum Bruch mit ihrer protestantischen Familie führte – ihr Vater, der Pastor, brach den Kontakt mit ihr ab –, sondern auch zum Verlust ihrer Arbeitsstelle und zur Diffamierung bei künftigen Arbeitgebern. Immer stärker wurde der Drang, sich Gott ganz hinzugeben – die Lektüre der Autobiografie der heiligen Teresa von Avila ließ sie zunächst daran denken, in den Karmel zu gehen. Doch wie konnte sie eine zutiefst kontemplative Spiritualität in strenger Klausur mit einem sozialen Engagement verbinden? Als ihre Mutter noch lebte, kümmerte sie sich mit ihr gemeinsam um arme und kranke Menschen.

    Zunächst fand Maria Tauscher jedoch in Berlin eine Stelle als „Gesellschaftsdame“ bei Julie de Savigny. Bei ihren Spaziergängen durch die Stadt fiel ihr die Not der vielen Kinder auf, die auf den Straßen herumlungerten und kein richtiges Zuhause hatten. In der Pappelallee im Herzen von Berlin mietete sie eine Wohnung an, die zu einer Zufluchtsstätte für notleidende Kinder wurde. Am 2. Juli 1891 zog sie dort mit den ersten drei Waisenkindern ein und gründete damit das erste ihrer „St. Josephsheime“ sowie die Ordensgemeinschaft der Karmelitinnen vom Göttlichen Herzen Jesu, die die Regel des Ordens vom Berge Karmel mit karitativer Arbeit verbindet. Der Auftrag, den Schwester Maria Theresia vom heiligen Joseph, wie sich Maria Tauscher nannte, sich selbst gegeben hatte, lautete: „Tränen zu trocknen, Seelenwunden zu heilen und unschuldige Kinder zum Herzen Jesu zu führen.“

    Nach anfänglichen Schwierigkeiten und der Errichtung des Mutterhauses im niederländischen Sittard entstanden Häuser in ganz Europa. Die Gemeinschaft breitet sich ab 1912 auch in Amerika aus. Heute sind die Karmelitinnen vom Göttlichen Herzen Jesu in sieben Ländern Europas, in den USA und Kanada, in Nicaragua, Venezuela, Brasilien und seit 1995 in Afrika (Kamerun) tätig.

    Schwester Maria Theresia starb am 20. September 1938 in Sittard. Sie wurde im Pontifikat von Papst Benedikt XVI. am 13. Mai 2006 in Roermond seliggesprochen. Ihr Gedenktag in der Liturgie ist der 20. September, im Erzbistum Berlin wird ihrer am 30. Oktober gedacht. Dort gehört dieser Tag zu den Eigenfesten des Erzbistums.