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    Tradition und Lehre der Kirche

    Katechismen gab es als Hilfsmittel der Katechese oder des Unterrichts in der Glaubenslehre schon in der Antike. Das zeigt die Schrift „De catechizandis rudibus“ des heiligen Augustinus, ein umfangreicher Brief von 399 oder 400 an einen Katecheten mit einer Musterkatechese für den Unterricht der Taufbewerber.

    Katechismen gab es als Hilfsmittel der Katechese oder des Unterrichts in der Glaubenslehre schon in der Antike. Das zeigt die Schrift „De catechizandis rudibus“ des heiligen Augustinus, ein umfangreicher Brief von 399 oder 400 an einen Katecheten mit einer Musterkatechese für den Unterricht der Taufbewerber.

    Die ältesten bekannten Katechismen des Mittelalters sind der Katechismus Alkuins von York, des Vorstehers der Hofschule Karls des Großen in Aachen, und der in althochdeutscher Sprache verfasste Weißenburger Katechismus aus dem Kloster Weißenburg im Elsass aus dem späten achten Jahrhundert. Aus dem dreizehnten Jahrhundert sind die „Opuscula“ des heiligen Thomas von Aquin von 1256 zu nennen. Das sechzehnten Jahrhundert brachte mit Martin Luthers „Großem Katechismus“ und mit seinem „Kleinen Katechismus“, beide von 1529, mit Jean Calvins „Le catéchisme de l’église de Geneve“ von 1542 und mit dem „Heidelberger Katechismus“ von 1563 wichtige Dokumente der protestantischen Reformation hervor, mit dem „Summa doctrina christianae“ genannten Katechismus des Jesuiten Petrus Canisius von 1555 und mit dem von den Erzbischöfen von Zara beziehungsweise Lanciano, Muzio Calini und Leonardo Marini OP, dem Bischof Egidio Foscarini OP von Modena und dem Dominikaner Francisco Foreiro abgefassten „Catechismus Romanus“ Pius' V. von 1566 aber nicht minder bedeutende Zusammenfassungen des katholischen Glaubens.

    Dabei verbreitete sich mit dem aus 44 Fragen und Antworten bestehenden „Kleinen Katechismus“ Luthers die didaktische Frage-Antwort-Methode und damit der Charakter der Katechismen als Lehr- und Lernbuch für den katechetischen Unterricht, wie ihn auch Calvins Genfer Katechismus mit seinen immerhin 373 Fragen und Antworten und der Heidelberger Katechismus mit 128 oder 129 Fragen und Antworten ebenso wie der Canisius-Katechismus mit 213 Fragen und Antworten aufweist. Auch der „Katholische Katechismus der Bistümer Deutschlands“ von 1955 nahm die Frage- und Antwortform auf. Zugleich konnten die Katechismen über den Lehrbuchcharakter hinaus auch die Aufgabe einer verbindlichen Bekenntnisschrift – ein auf protestantischem Boden gewachsener und auf die lutherische, von Philipp Melanchton verfasste „Confessio Augustana“ oder das „Augsburgische Bekenntnis“ von 1530 zurückgehender Begriff – im Sinne einer authentischen Zusammenfassung der Glaubenslehre der Kirche oder „der Konfession“ annehmen. Das gilt vor allem für den reformierten Heidelberger Katechismus und für den für den Klerus bestimmten katholischen Catechismus Romanus, der die Glaubensaussagen des Konzils von Trient – bezogen auf Credo, Sakramente, Zehn Gebote und Vaterunser – verbindlich zusammenfasste. Dasselbe gilt auch für das „Kompendium der christlichen Lehre“, das Papst Pius X. 1906 herausgeben ließ, und für den „Katechismus der Katholischen Kirche“ Johannes Pauls II. von 1992, weniger für den zweiteiligen, von der Deutschen Bischofskonferenz herausgegebenen „Katholischen Erwachsenen-Katechismus“ von 1985 und 1995 oder für den wieder die Frage- und Antwortform aufnehmenden Jugendkatechismus „Youcat“ von 2011.

    Der „Katechismus der Katholischen Kirche“, von dem seit 2005 mit dem „Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche“ eine Kurzfassung vorliegt, richtet sich nach seinem Prolog in erster Linie an die Bischöfe „als Lehrer des Glaubens und Hirten der Kirche“, ist er doch – so Johannes Paul II. in der Apostolischen Konstitution „Fidei depositum“ zur Veröffentlichung des Katechismus – vor allem dazu bestimmt, „zur Abfassung neuer örtlicher Katechismen zu ermuntern und die zu unterstützen, die den verschiedenen Situationen und Kulturen Rechnung tragen“. Doch will er auch Priestern und Katecheten Richtschnur und darüber hinaus „eine nützliche Lektüre für alle anderen Gläubigen“ sein. Johannes Paul II. betrachtete den Katechismus neben „der Erneuerung der Liturgie und der neuen Kodifizierung des kanonischen Rechtes“, also neben dem „Codex Iuris Canonici“ für die lateinische Kirche von 1983 und dem „Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium“ für die katholischen Ostkirchen von 1991, als „sehr wichtigen Beitrag zum Werk der Erneuerung des gesamten kirchlichen Lebens, wie es vom Zweiten Vatikanischen Konzil gewollt und eingeleitet wurde“. Ist der „Katechismus der Katholischen Kirche“ also ein nachkonziliares Glaubensdokument, mit dem alles, was vor dem Konzil katholischer Glaube war, nicht mehr gilt, so wie der „Codex Iuris Canonici“ von 1917 nicht mehr in Kraft ist? Die Antwort lautet: Nein. Der Prolog hält fest: „Der vorliegende Katechismus will im Licht des Zweiten Vatikanischen Konzils und der Gesamttradition der Kirche eine organische Synthese der wesentlichen und grundlegenden Inhalte der katholischen Glaubens- und Sittenlehre vorlegen. Seine Hauptquellen sind die Heilige Schrift, die Kirchenväter, die Liturgie und das Lehramt der Kirche.“ Man kann den ersten Satz umstellen, um deutlich zu machen, was gemeint ist: die Gesamttradition der Kirche im Licht des Zweiten Vatikanums. Das ist das, was Papst Benedikt XVI. mit der „Hermeneutik der Kontinuität“ meinte. Das wird deutlich mit dem „Quellenband zum Katechismus der Katholischen Kirche“.

    Der Katechismus enthält neben Zitaten – Bibelzitate und Zitate aus den Schriften der Kirchenväter ebenso wie aus den Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils – , deren Fundort im Text in runden Klammern nachgewiesen wird, eine Fülle von Verweisen, die sich in den Fußnoten finden. In Teil A des Quellenbandes lösen der Augsburger Priester Florian Kolbinger und die Wiener Professorin für Theologie der Spiritualität mit ihren Mitarbeiten diese Verweise auf. Wenn zum Beispiel im Katechismus bei der Nummer 390 in einer Fußnote – ohne Nennung der Jahreszahl – auf das Dekret über die Erbsünde des Konzils von Trient von 1546 verwiesen wird, so nennt der Quellenband im ersten Teil („Das Glaubensbekenntnis“) im zweiten Abschnitt („Das christliche Glaubensbekenntnis“) in Absatz 7 („Der Sündenfall“) – die Überschriften sind identisch mit denen des Katechismus –, nicht nur das genaue Datum, den 17. Juni 1546, sondern druckt den Text des Dekrets in deutscher Übersetzung nach dem als Fundstelle genannten „Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen“ von Denzinger und Hünermann ab, wo man auch die lateinische Originalfassung findet.

    Teil B bietet Erläuterungen zu den Quellen, und zwar gegliedert nach Glaubensbekenntnissen, Ökumenischen Konzilien, Synoden, Päpstlichen Dokumenten, kirchlichen Dokumenten, Kanonischem Recht, Liturgie, kirchlichen Schriftstellern und philosophischen Schriftstellern. In der Abteilung „Ökumenische Konzilien“ findet man Informationen über das Konzil von Trient der Jahre 1545 bis 1563, aber nicht über das Konzilsdekret über die Erbsünde mit dem lateinischen Titel „Decretum de peccato originali“. Auch sind die Angaben zum Konzil von Trient sehr knapp und ohne Literaturangaben – zu nennen wäre das Werk von Hubert Jedin – sowie ohne Hinweise auf andere Druckorte der Konzilstexte außer Denzinger/Hünermann, vor allem Giovanni Domenico Mansi und die seit 1901 erschienene Ausgabe „Concilium Tridentinum“.

    Daher erscheinen diese Informationen als verzichtbar, auch wenn die Angaben zu den „kirchlichen Schriftstellern“ durchweg brauchbar oder nützlich sind. Die Konzilstexte, auf die im „Katechismus der Katholischen Kirche“ verwiesen wird, beginnen mit dem ersten Ökumenischen Konzil von Nizäa 325, wobei die Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils, was nicht verwundert, mehr als alle anderen vertreten sind. Die päpstlichen Dokumente gehen bis auf den 384 gestorbenen Papst Damasus I. und die Texte kirchlicher Schriftsteller bis auf den Brief an die Gemeinde in Korinth des um 100 als Märtyrer gestorbenen Bischofs Clemens I. von Rom zurück und umfassen neben Schriften der griechischen und lateinischen Kirchenväter auch die der großen Theologen des Mittelalters und der Neuzeit. Der jüngste Autor ist eine Autorin, die französische Karmelitin Élisabeth de la Trinité (1880–1906). Der verdienstvolle Band bestätigt das Wort Benedikts XVI., dass „das II. Vaticanum die ganze Lehrgeschichte der Kirche in sich trägt“, auch für den „Katechismus der Katholischen Kirche“.

    Quellenband zum Katechismus der Katholischen Kirche. Hrsg. von Florian Kolbinger und Marianne Schlosser. Unter Mitarbeit von Monika Rohde, Udo Baierl, Daniela Köder und einer studentischen Arbeitsgruppe. Mit CD-ROM. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2013, 630 Seiten, ISBN 978-3-7917-2474-4, EUR 29,95