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    Tagesheilige: 25. August: Die selige Maria Troncatti

    Am 25. August 1969 stürzte ein kleines Transportflugzeug über dem Regenwald im südöstlichen Teil Ecuadors ab. Dabei kam die 86-jährige Don-Bosco-Schwester Maria Troncatti ums Leben, die fast ein halbes Jahrhundert lang hier als Missionarin tätig gewesen war. Vor allem zur Evangelisierung der Shuar, einst berüchtigte Kopfjäger, hatte die „Madrecita“ einen entscheidenden Beitrag geleistet. Ihre sterblichen Überreste ruhen heute in der Kathedrale von Macas, wo seit der Kolonialzeit die Gottesmutter als „Vírgen Purísima“ verehrt wird.

    Die selige Schwester Maria Troncatti. Foto: IN

    Am 25. August 1969 stürzte ein kleines Transportflugzeug über dem Regenwald im südöstlichen Teil Ecuadors ab. Dabei kam die 86-jährige Don-Bosco-Schwester Maria Troncatti ums Leben, die fast ein halbes Jahrhundert lang hier als Missionarin tätig gewesen war. Vor allem zur Evangelisierung der Shuar, einst berüchtigte Kopfjäger, hatte die „Madrecita“ einen entscheidenden Beitrag geleistet. Ihre sterblichen Überreste ruhen heute in der Kathedrale von Macas, wo seit der Kolonialzeit die Gottesmutter als „Vírgen Purísima“ verehrt wird.

    Maria Troncatti wurde am 16. Februar 1881 in einer Bergbauernfamilie der italienischen Alpen geboren. Schon in ihrer Jugend fühlte sie sich angezogen von der noch jungen Gemeinschaft der Don-Bosco-Schwestern, die im Jahr 1877 erste Missionarinnen nach Uruguay gesandt hatten. 1905 trat sie in den Orden ein.

    Das erste Jahrzehnt ihres Ordenslebens verbrachte Maria in Varazze am Ligurischen Meer, wo sie in der Hauswirtschaft tätig war. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, besuchte sie einen Krankenpflegekurs und kümmerte sich um verletzte Frontsoldaten. Hier fand sie zu ihrer Bestimmung: der medizinischen Versorgung Kranker, denen sie immer auch geistlichen Beistand zu geben versuchte.

    Am 25. Juni 1915 kommt es zu einem Wendepunkt in Marias Leben: Ein Hochwasser überschwemmt die Stadt und überflutet auch das Ordenshaus. Als sie die Wassermassen auf sich zukommen sieht, klettert Maria zusammen mit einer Mitschwester auf einen Tisch, der von einem Strudel erfasst und wild durch das Zimmer geschleudert wird. In panischer Not ruft Maria die Gottesmutter um Hilfe an und beschließt im selben Moment, Missionarin zu werden. Sofort beruhigt sich das Wasser, und der Tisch treibt zum Fenster, aus dem die beiden Schwestern sich retten können. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs bittet Maria die Generaloberin um Entsendung in die Mission.

    1922 wird sie nach Ecuador geschickt, wo sie zunächst in den Anden tätig ist. 1925 kommt sie in die Mission von Macas, mitten im Regenwald des Amazonas, wo die Salesianer eine Kirche, eine Krankenstation und eine Schule haben.

    Maria kümmert sich aufopferungsvoll um die Kranken, die oft aus dem Innern des Regenwaldes stammen, wo sie fern jeder Zivilisation leben. Um Kranke aufzusuchen, die nicht in die Mission gebracht werden können, geht sie oft selbst tief in den Regenwald hinein. Hier begegnet sie dem Stamm der Shuar, der in der Gegend berüchtigt ist für seinen kriegerischen Lebenswandel, für grausame Initiationsrituale, Fehden und Blutrache sowie für die Herstellung von Schrumpfköpfen, in denen die Seele getöteter Feinde gefangen gehalten werden sollte. Die Ordensfrau versteht schnell, wo die Wurzel der grausamen Sitten der Shuar liegt: in mangelnder Liebe in der Familie. Die Shuar leben in Polygamie; die Ehen werden unter den Familien geregelt, wobei der Wille der Eheleute keine Rolle spielt. Genau hier setzt Maria mit ihrem Evangelisierungswerk an. Während sie sich den Kranken widmet, bringt sie den Shuar auch das christliche Verständnis von der Ehe näher: als monogamer Bund, den ein Mann und eine Frau aus freiem Willen schließen. Und ihre Bemühungen tragen Früchte: 1930 wird in Macas die erste Eheschließung eines christlichen Shuar-Paares gefeiert, dem immer mehr folgen. Nach und nach geben die Shuar die Kopfjagd auf; ihre kriegerische Haltung geht zurück.

    Die Arbeit der Missionare wird auch von der ecuadorianischen Regierung anerkannt, die den Shuar ein Schutzgebiet zuspricht und sie unter die Jurisdiktion der Salesianer stellt. Vielen Siedlern, die nach Landbesitz streben, sind die Salesianer, die die Rechte der Shuar verteidigen und diesen den Rücken stärken, allerdings ein Dorn im Auge. Die Missionare werden zunehmend bedroht, und am 4. Juli 1969 wird in der Mission ein Feuer gelegt, das verheerenden Schaden anrichtet. Maria fürchtet, dass dies die Shuar zu einem Racheakt verleiten könnte, der zu einem blutigen Krieg führen würde. Um das zu verhindern, bietet sie sich selbst Gott als Sühneopfer für den Frieden an. Am 5. August, Fest der „Virgen Purisima“, vertraut sie einer Mitschwester an: „Die Gottesmutter hat mir gesagt, ich solle mich bereitmachen. Bald wird etwas geschehen.“ Drei Wochen später stürzt sie mit dem Flugzeug über dem Regenwald ab.

    Ein Racheakt der Shuar blieb aus; der Frieden wurde gewahrt. Im November 2012 kam der Salesianer Kardinal Angelo Amato nach Macas, um die „Madrecita“ im Namen von Papst Benedikt XVI. seligzusprechen. Bei der Begrüßung übergab der Häuptling der Shuar dem Kardinal seinen Speer und erklärte, dass dieser „nicht mehr dazu dient, die Feinde zu töten, sondern das Böse zu überwinden“.