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    Stolz darauf, Christ und Palästinenser zu sein

    Deir Rafat (DT) „Wir sind stolz zu zeigen, dass es uns Christen im Heiligen Land noch gibt. Deswegen sind wir hierhergekommen.“ Liliane ist 21. Sie stammt aus Taybeh, einem rein christlichen Dorf in der Nähe Ramallahs im Westjordanland. Der Ort ist bekannt für sein nach deutschem Reinheitsgebot gebrautes Bier. Seit einigen Jahren begehen sie dort eine Art Oktoberfest. Zusammen mit ihrer Familie und 70 anderen Pfarrangehörigen ist sie am Sonntag in das Marienheiligtum Deir Rafat nahe Jerusalem gereist, um an der zentralen Eröffnungsfeier des „Jahrs des Glaubens“ im Heiligen Land teilzunehmen. „Es ist alles andere als selbstverständlich, dass wir heute hier sind“, sagt sie. „Oft verweigern die israelischen Behörden uns Palästinensern die Einreiseerlaubnis nach Israel. Begründen müssen sie das nicht.“ Lilianes Schwester Arine, 16, ergänzt: „Wir haben viele Probleme in Palästina. Die Besatzung durch Israel macht uns das Leben dort sehr schwer. Aber wir haben unseren Glauben und den kann uns keiner nehmen. Wir sind hierhergekommen, um zu beten, dass der christliche Glaube in Palästina nicht erlischt.“

    Das Christentum an seinem Ursprung lebt: Auf dem Gelände des Heiligtums Unserer Lieben Frau von Palästina beichten Gläub... Foto: Maksan

    Deir Rafat (DT) „Wir sind stolz zu zeigen, dass es uns Christen im Heiligen Land noch gibt. Deswegen sind wir hierhergekommen.“ Liliane ist 21. Sie stammt aus Taybeh, einem rein christlichen Dorf in der Nähe Ramallahs im Westjordanland. Der Ort ist bekannt für sein nach deutschem Reinheitsgebot gebrautes Bier. Seit einigen Jahren begehen sie dort eine Art Oktoberfest. Zusammen mit ihrer Familie und 70 anderen Pfarrangehörigen ist sie am Sonntag in das Marienheiligtum Deir Rafat nahe Jerusalem gereist, um an der zentralen Eröffnungsfeier des „Jahrs des Glaubens“ im Heiligen Land teilzunehmen. „Es ist alles andere als selbstverständlich, dass wir heute hier sind“, sagt sie. „Oft verweigern die israelischen Behörden uns Palästinensern die Einreiseerlaubnis nach Israel. Begründen müssen sie das nicht.“ Lilianes Schwester Arine, 16, ergänzt: „Wir haben viele Probleme in Palästina. Die Besatzung durch Israel macht uns das Leben dort sehr schwer. Aber wir haben unseren Glauben und den kann uns keiner nehmen. Wir sind hierhergekommen, um zu beten, dass der christliche Glaube in Palästina nicht erlischt.“

    Und der wirkt an diesem Sonntag lebendig und froh. Aus allen Teilen Israels und Palästinas sind sie gekommen, vor allem arabische Katholiken, aber auch einige Ausländer. Weil der Lateinische Patriarch Fouad Twal zur selben Zeit in Rom mit dem Heiligen Vater den Abschluss der Bischofssynode feierte, vertrat ihn sein Vorgänger Michel Sabbah. Neben ihm standen Dutzende anderer Bischöfe und Priester – nicht nur Lateiner, sondern auch Melkiten und Syrer – am Freiluftaltar. Ein Sonnensegel schützte die Hunderten Gläubigen gegen die Ende Oktober immer noch starke Sonne.

    Der Titel des Wallfahrtsortes „Maria, Königin von Palästina“ klingt politisch unkorrekt. Deir Rafat liegt schließlich auf Territorium, das völkerrechtlich unbestritten zu Israel gehört. Jerusalem liegt 25 Kilometer im Osten. Aber als der Lateinische Patriarch Barlassina 1927 die hübsche, von einer großen Madonnenfigur gekrönte Kirche errichten ließ, gab es noch keinen Staat Israel, hieß das gesamte von den Briten verwaltete Mandatsgebiet „Palästina“. Heute aber haben die arabischen Christen nichts gegen diese für israelische Ohren mögliche Anstößigkeit des Namens. Für sie ist der Ort Teil ihrer Identität als Christen und palästinensische Araber, den sie sich, anders als die heilsgeschichtlichen Stätten wie Nazareth, Bethlehem oder Jerusalem, mit niemandem teilen müssen. Deir Rafat gehört ganz ihnen. 1933 genehmigte der Heilige Stuhl die Feier des Festes „Unserer Lieben Frau von Palästina“, das heute am letzten Sonntag im Oktober begangen wird.

    Es ist ein fröhliches Fest, das zeigt: Das Christentum an seinem Ursprung lebt. Viele Familien sind mit Kind und Kegel angereist. Aber auch alte Menschen, die Frauen teilweise in der traditionellen, buntbestickten Kleidung der Region, haben sich eingefunden. Auf den Wiesen um das Heiligtum wird gepicknickt, während nebenan Priester die Beichte hören, für die die Gläubigen Schlange stehen. Händler gehen umher und verkaufen Devotionalien. Es ist offensichtlich kein Katakombenchristentum.

    Dabei gibt es Eifrige und Laue. So wie die Jungs, um die 18, die auf einer Bank herumlungern und mit ihren Handys spielen. Sie stammen aus Nablus im Norden des Westjordanlandes. Die Messe, deren Gesänge über die Lautsprecher herüberschallen, scheint sie nicht besonders zu interessieren. Das Fest war wohl vor allem eine Gelegenheit, der Westbank einmal zu entfliehen. An ihrer Identität als arabische Christen aber lassen sie keinen Zweifel: „Wir sind stolz, dass wir heute hier in Israel zeigen können, dass wir palästinensische Christen sind.“ Fünfzig Katholiken aus Nablus sind mit ihnen im Bus gekommen. Ungefähr 700 Christen leben in der Stadt und im Bezirk mit über 300 000 meist muslimischen Einwohnern.

    „Wir haben eigentlich keine Probleme mit den Muslimen. Wir sind sogar mit vielen von ihnen befreundet“, meint einer. Ein anderer schränkt dies ein wenig ein. „Natürlich sind wir eine kleine Minderheit in Palästina. Das ist nicht immer einfach. Aber wir sind alle Palästinenser, egal ob wir Christen oder Muslime sind.“ Insgesamt leben auf dem Gebiet Israels und Palästinas – verlässliche Zahlen sind schwer zu bekommen – etwa 200 000 Christen verschiedener Konfessionen, die überwiegend Araber sind. Ihnen stehen etwa elf Millionen Juden und Muslims gegenüber.

    Die katholische Kirche im Heiligen Land hat sich für das „Jahr des Glaubens“ viel vorgenommen. In ihrem Anfang Oktober veröffentlichten Hirtenbrief riefen die Bischöfe die Gläubigen dazu auf, sich vermehrt um den Sakramentenempfang und die Weiterbildung im Glauben zu bemühen. Im Mittelpunkt aller Initiativen soll aber vor allem eines stehen: die Weitergabe des Glaubens an die junge Generation.