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    Kirche

    Staunen und Glauben

    Eine packende Reise in die Welten christlicher Mysterien erzählt Michael Hesemann. Von Alexander Ertl

    Der Titel „Menetekel“ weckt spontan Interesse. Im fünften Kapitel des biblischen Danielbuches schreibt eine mysteriöse Geisterhand diese Inschrift an die Wand des Palastes des babylonischen Regenten Belschazzar. Erst der Prophet Daniel kann die merkwürdigen Worte deuten. Dem Herrscher gereicht die neuerlangte Kenntnis allerdings nicht zum Vorteil, im Gegenteil, prophezeit ihm doch der Spruch sein Ende. Noch in derselben Nacht wird Belschazzar ermordet und sein Reich aufgeteilt. Im Sprachgebrauch steht Menetekel fortan für himmlische Unheilszeichen.

    Michael Hesemann widmet den zweiten Band seiner Trilogie „Mysterium“ ungelösten Rätseln des Christentums. Die Erfolgsgeschichte der Christen in Europa beginnt mit einem Himmelszeichen. Mit dem Christogramm entscheidet Kaiser Konstantin die Schlacht an der Milvischen Brücke für sich. Die Erscheinung, die Konstantin zum Sieg verhelfen sollte, deutet Hesemann gar als die Geburtsstunde des christlichen Europa.

    Von einer anderen, im deutschsprachigen Raum eher unbekannten Kreuzerscheinung wird ebenfalls berichtet. Im mexikanischen Ocatlán soll 1847 eine halbe Stunde lang das Kreuz Christi am Himmel sichtbar gewesen sein, nachdem tags zuvor ein Erdbeben 46 Todesopfer gefordert und die alte Pfarrkirche zum Einsturz gebracht hatte. Gut zweitausend Menschen wurden zu Zeugen dieses Wunders, aus dessen Anlass alljährlich ein dreizehntägiges „Fest des Herrn der Barmherzigkeit“ gefeiert wird.

    Die Passagen über das Sonnenwunder von Fatima verdienen besondere Beachtung. Hier fördert Hesemann einige durchaus faszinierende Parallelen zutage. Er erinnert daran, dass Maria oft einfachen Bauernburschen und Hirtenmädchen erscheint, ähnlich in Kibeho im südwestlichen Ruanda. Im „afrikanischen Fatima“, wie es Hesemann nennt, offenbarte sich die Gottesmutter Maria 1981 dem sechzehnjährigen Dorfmädchen Alphonsine. Die Menschen sollten jeden Tag den Rosenkranz beten und aufhören, den Stamm der Tutsi zu diskriminieren. Jeden Tag Rosenkranz, um die Herzen der Menschen für die Liebe Gottes zu öffnen.

    In seinem neuesten Werk kann Hesemann mit einer weiteren überraschenden Mitteilung aufwarten. Kein Geringerer als Papst Franziskus sei Zeuge eines eucharistischen Wunders geworden. Eine Hostie, die anscheinend zu Boden gefallen war, legte der Priester Alejandro Pezet in einer Kirche in Buenos Aires gemäß den kirchlichen Vorschriften in ein Gefäß mit Wasser, damit sie sich auflöse. Doch nach zehn Tagen fand er zu seinem Schreck ein blutiges Stück Fleisch in der Schale. Der mit der Untersuchung betraute Pathologe kam zum Schluss, dass es sich um ein „Herzgewebe“ handle. „Das Wunder ist der Kern des Glaubens“, schreibt Hesemann in seiner Einleitung, „denn für das Natürliche brauchen wir keinen Glauben, es ist evident.“ Dass Wunder täglich um uns herum geschehen und wir oft blind daran vorbeigehen, darauf macht dieses Buch aufmerksam.

    Wer einmal mit der Lektüre begonnen hat, kann sich der Faszination christlicher Mysterien nicht mehr entziehen. Hesemann skizziert souverän die Rätselhaftigkeit himmlischer Zeichen. „Menetekel“ ist ein Buch, das Lust auf den dritten Band der Reihe macht.

    Michael Hesemann: Menetekel. Prophezeiungen, Visionen, blutende Hostien (Mysterium – Ungelöste Rätsel des Christentums, Bd. 2). Bonifatius Verlag 2017, 296 Seiten, ISBN 978-3-89710-729-8, EUR 19,90

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