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    Soldaten als Verteidiger des Lebens

    Lourdes (DT) In der Morgendämmerung – wenn kaum Besucher da sind – kann man sich vorstellen, wie die Grotte vor 150 Jahren ausgesehen haben muss. Ein dunkler, morastiger, schmutziger Ort mit Abfall, wo sich Schweine suhlten. Hier war dem 14-jährigen Mädchen Bernadette Soubirous beim Holzsammeln die Jungfrau Maria erschienen. Heute kommen an diesem Ort Pilger aus aller Herren Länder zusammen, um gemeinsam zu beten. In vielen Sprachen, in vielerlei Ausdrucksformen ist Lourdes so zu einem Zentrum der Weltkirche geworden. Hier treffen sich Kontinente und Rassen, Länder und Kulturen, Jung und Alt, Gesunde und Kranke. Unter den etwa sechs Millionen Pilgern, die jährlich nach Lourdes kommen, sind zahlreiche Kranke und Behinderte, die von ehrenamtlichen Helfern, Pflegern, Krankenschwestern und Ärzten begleitet werden. Aber anders als sonst werden sie nicht versteckt, sondern gehören zum normalen Stadtbild dazu.

    Lourdes (DT) In der Morgendämmerung – wenn kaum Besucher da sind – kann man sich vorstellen, wie die Grotte vor 150 Jahren ausgesehen haben muss. Ein dunkler, morastiger, schmutziger Ort mit Abfall, wo sich Schweine suhlten. Hier war dem 14-jährigen Mädchen Bernadette Soubirous beim Holzsammeln die Jungfrau Maria erschienen. Heute kommen an diesem Ort Pilger aus aller Herren Länder zusammen, um gemeinsam zu beten. In vielen Sprachen, in vielerlei Ausdrucksformen ist Lourdes so zu einem Zentrum der Weltkirche geworden. Hier treffen sich Kontinente und Rassen, Länder und Kulturen, Jung und Alt, Gesunde und Kranke. Unter den etwa sechs Millionen Pilgern, die jährlich nach Lourdes kommen, sind zahlreiche Kranke und Behinderte, die von ehrenamtlichen Helfern, Pflegern, Krankenschwestern und Ärzten begleitet werden. Aber anders als sonst werden sie nicht versteckt, sondern gehören zum normalen Stadtbild dazu.

    1944 pilgerten französische Soldaten erstmalig nach Lourdes

    Jedes Jahr besuchen auch Soldaten aus zahlreichen Nationen das Marienheiligtum am Fuße der Pyrenäen. Im Jahr 1944 waren französische Soldaten erstmalig nach Lourdes gepilgert. Daraus entstand zunächst eine regionale und später eine nationale Soldatenwallfahrt. Es entwickelte sich der Gedanke, diese auf eine internationale Ebene auszuweiten. Lourdes sollte zum Ort der Begegnung und der Versöhnung der Nationen werden, die sich im Zweiten Weltkrieg bekämpft hatten. Als sich 1958 die Marien-Erscheinungen zum hundertsten Mal jährten, war das für Soldaten aus zehn Ländern ein Anlass, zur ersten „Internationalen Soldatenwallfahrt“ nach Lourdes zu pilgern. Heute ist das Zeltlager der Soldaten eine internationale Begegnungsstätte.

    Laut und bunt präsentierte sich das französische Marienheiligtum bei der 50. Internationalen Soldatenwallfahrt vom 21. bis 27. Mai mit mehr als 25 000 Soldaten aus aller Welt. Die 50. Wallfahrt stand unter dem Leitwort: „Frieden den Menschen, die Gott liebt“. Rund um die Grotte suchen heute viele Soldaten nach der Quelle ihres eigenen Lebens. Neben Sinnfragen, Stille und Gebet gehört für die meisten auch zünftiges Feiern dazu: Die Wallfahrt ist auch ein Fest der fröhlichen Begegnung. Zum deutschen Gottesdienst an der Grotte waren am Freitag morgen neben den Soldaten auch deutsche Pilger gekommen. Militärbischof Mixa feierte den Gottesdienst zusammen mit dem Münsteraner Weihbischof Heinrich Janssen, Regionalbischof für die Region Niederrhein, sowie mit zahlreichen Militärgeistlichen.

    „Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium“, rief Mixa den Gläubigen zu. Dass die Bekehrung jederzeit möglich sei, belegte der Bischof von Augsburg in seiner Predigt anhand seiner Begegnungen mit Soldaten. So hätten ihm zwei Soldaten während einer Pilgerfahrt in den Vorjahren einmal freimütig bekannt: Sie seien weder katholisch noch evangelisch: „Wir sind nischt.“

    Etwas verblüfft habe er sie gefragt, warum sie dann ausgerechnet in einen der katholischsten aller katholischen Orte gekommen seien. „Wir fahren von hier mit anderen Gedanken weg, als wir hierhergekommen sind“, hätten sie ihm damals geantwortet. Das Entscheidende an Lourdes sei, Hilfen für die Sinngebung des Lebens zu finden. Vor die Frage der Sinngebung des Lebens seien besonders Soldaten im gefährlichen Auslandseinsatz gestellt. In den Fürbitten wurden ausdrücklich die Soldaten im Auslandseinsatz einbezogen, die eine KFOR-Delegation aus dem Kosovo repräsentierte.

    Ganz im Zeichen des gemeinsamen Gebets und des Einsatzes für den Frieden stand am Freitagnachmittag in der unterirdischen Basilika Pius X. die offizielle Eröffnungsfeier der Soldatenwallfahrt mit Teilnehmern aus etwa sechzig Nationen. Zuvor waren militärische Abordnungen der teilnehmenden Nationen in einer farbenprächtigen Parade durch Lourdes gezogen.

    Zahlreiche afrikanische Länder waren vertreten

    Die Palette der teilnehmenden Verbände reichte von der Schweizergarde bis zur Fremdenlegion. Auffallend stark waren neben Frankreich, Deutschland, Irland und Italien die Abordnungen aus Osteuropa vertreten. Aber auch zahlreiche afrikanische Länder wie Kongo, Benin oder Elfenbeinküste hatten Delegationen nach Lourdes entsandt. Der erste Tag der Wallfahrt schloss mit der traditionellen Lichterprozession. An ihr nahmen auch Militärbischof Walter Mixa, Verteidigungsminister Franz Josef Jung und Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan teil. Danach gab eine monumentale „Son et Lumiere“-Präsentation, einen Rückblick auf „50 Jahre Internationale Soldatenwallfahrt“ nach Lourdes. Trotz des einsetzenden Regens harrten tausende Pilger auf der Esplanade aus.

    Nach dem feierlichen Gottesdienst für deutsche Pilger, der am Samstagmorgen wegen starken Regens statt im Zeltlager in der Rosenkranzbasilika mit Taufe und Firmung eines Soldaten gefeiert wurde, eröffnete Verteidigungsminister Franz Josef Jung im Beisein von Militärbischof Mixa, des französischen Militärbischofs Patrick Le Gal und des Bischofs von Lourdes-Tarbes, Jacques Perrier, das „Internationale Friedensdorf“ im Zentrum von Lourdes. Jung ging dabei auf die friedensstiftende Funktion der Soldaten ein. Neben dem deutschen Verteidigungsminister waren bei der Eröffnungszeremonie auch der österreichische Verteidigungsminister Norbert Darabos, die irische Staatspräsidentin Mary Mac Aleese und ihr montenegrinischer Amtskollege Filip Vujanovic anwesend.

    Auch der französische Verteidigungsminister Herve Morin, seine Vorgängerin und heutige Innenministerin Michele Alliot-Marie sowie die Spitze des französischen Generalstabs nahmen teil. Aus den Niederlanden war Staatssekretär Jack de Vries gekommen. Der deutsche Beitrag zum Programm „Internationales Friedensdorf“ bestand im Informationsstand „Liturgie mit Nichtgetauften“. Die österreichische Militärseelsorge präsentierte in ihrem Zelt den seliggesprochenen Märtyrer Franz Jägerstätter. Militärbischof Mixa würdigte bei seinem Besuch im Österreich-Zelt das Lebenszeugnis Jägerstätters, der stellvertretend für viele stehe.

    Am Samstagabend leitete der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, in der unterirdischen Basilika Pius X. die internationale Feier zur Taufe und Firmung von etwa hundert Soldaten. Dreißig Militärangehörige aus aller Welt wurden vom Wiener Erzbischof getauft und dann gemeinsam mit siebzig weiteren gefirmt. An der bunten internationalen Feier in der Basilika nahmen etwa 15 000 Soldaten und Pilger teil. Unter den etwa hundert anwesenden Geistlichen waren auch zahlreiche Bischöfe, so Militärbischof Mixa und der Bischof von Lourdes-Tarbes, Jacques Perrier.

    Sonntag: Nieselregen, der sich zu Sturzbächen steigert, begleitet die Pilger zum Abschlussgottesdienst auf der Prärie. Dieses weitläufige Gelände gegenüber der Grotte, wo Johannes Paul II. 2004 bei seinem Lourdes-Besuch die Eucharistie gefeiert hatte, wirkt heute grau und klein. Gestern war die Prärie noch weit und voller Licht gewesen. Doch jetzt trotzen Tausende von Pilgern, Gesunde wie Kranke, dem strömenden Regen.

    Minister Jung will wiederkommen

    Kardinal Schönborn als Hauptzelebrant fordert in seiner Predigt die Soldaten dazu auf, „Verteidiger des Lebens“ zu sein. „Seid Verteidiger der Schwachen, der Kranken, der Alten, der Behinderten, des ungeborenen Lebens“, sagt Schönborn. Er betont, dass wahrer Friede immer die Frucht der Gerechtigkeit sei. Und Gerechtigkeit müsse auf dem Respekt vor dem Leben und der menschlichen Würde basieren. Gerade in Lourdes sei es naheliegend, auf Maria und ihre Fürbitte zu vertrauen. Etwa dreißig Bischöfe aus den Teilnehmernationen und mehr als 250 Priester feierten den Gottesdienst mit den Soldaten und Pilgern.

    Zum festen und beliebten Programmpunkt einer jeden Soldatenwallfahrt gehört das Abschlusskonzert in der Kirche St. Bernadette. Diesmal begeisterte das Heeresmusikkorps 12 aus Veitshöchheim unter Leitung von Oberstleutnant Burkhard Zenglein das internationale Publikum. Das Heeresmusikkorps hatte ebenso wie die christliche Chorgemeinschaft „Arche Noah“, die unter der Schirmherrschaft der Katholischen Militärseelsorge steht, die deutsche Wallfahrt musikalisch begleitet.

    Besonderen Beifall von den Soldaten erhielt Generalinspekteur Schneiderhan, der in seinen Dankesworten bekannte: „Sie glauben gar nicht, wie froh ich bin, dass ich zu Ihrer Gemeinschaft gehöre.“ Ihn bewege das öffentliche Bekenntnis zum katholischen Glauben, hatte Schneiderhan in Übereinstimmung mit Verteidigungsminister Jung an anderer Stelle hervorgehoben. Der Glaube gebe Sicherheit in der Orientierung. Jung würdigt die „innere Kraftschöpfung“ in Lourdes und erachtet die Militärseelsorge als wichtig für die Wertebildung. Der Minister wie auch der Generalinspekteur waren mit ihren Gattinnen bereits bei der Internationalen Soldatenwallfahrt im vergangenen Jahr dabei. Und Jung kann sich vorstellen, auch im nächsten Jahr wieder in Lourdes dabei zu sein – „sofern es der Terminkalender zulässt“.

    Von Carl-H. Pierk