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    Seit dem Aufstand am Boden

    München (DT/KNA) Der katholische Erzbischof von Tunis, Maroun Lahham, hofft, dass sein Land als erstes in Nordafrika und im arabischen Raum die Demokratie einführt. Dies sei die zentrale Herausforderung der Wahlen im Juli, sagte der Erzbischof am Mittwoch beim Deutsch-Afrikanischen Bischofstreffen in München. Tunesien könnte so ein Beispiel dafür geben, dass der Islam mit der Moderne kompatibel sei. Die Tunesier seien keine fanatischen, sondern moderate Muslime.

    München (DT/KNA) Der katholische Erzbischof von Tunis, Maroun Lahham, hofft, dass sein Land als erstes in Nordafrika und im arabischen Raum die Demokratie einführt. Dies sei die zentrale Herausforderung der Wahlen im Juli, sagte der Erzbischof am Mittwoch beim Deutsch-Afrikanischen Bischofstreffen in München. Tunesien könnte so ein Beispiel dafür geben, dass der Islam mit der Moderne kompatibel sei. Die Tunesier seien keine fanatischen, sondern moderate Muslime.

    Lahham sagte, das Ausmaß der Korruption in Tunesien sei erst nach der Revolution bekannt geworden. So seien 40 Prozent der Wirtschaft von der Frau des geflohenen Präsidenten Ben Ali kontrolliert worden. Dieser Zustand sei untragbar. Seit dem Aufstand liege die Wirtschaft Tunesiens am Boden, vor allem der Tourismus, der 450 000 jungen Menschen Arbeit und Brot gegeben habe.

    Nach Angaben des Erzbischofs hat sich die Migration in Tunesien seit der Revolution verdreifacht. Zeitweise habe das Land mehr als 120 000 Flüchtlinge aus Libyen aufgenommen, die aber überwiegend aus anderen afrikanischen Ländern stammten. Viele junge Afrikaner hielten Europa „für das Eldorado“ und versuchten daher, über Tunesien dorthin zu gelangen.

    Tunesische Jugend von Europa enttäuscht

    Zur Lage auf der von tausenden Flüchtlingen angesteuerten italienischen Insel Lampedusa meinte Lahham, er vermute, dass viele in ihre tunesische Heimat zurückkehren wollten, wenn sich die Situation dort verbessert habe. Die Migrationsbewegung werde vielleicht zurückgehen, aber nicht vollständig zum Erliegen kommen. Die tunesische Jugend, die den Umsturz ausgelöst und getragen habe, sei von Europa enttäuscht, vor allem von Frankreich, erklärte der Erzbischof. Die Militärintervention in Libyen berühre in den arabischen Ländern einen heiklen Punkt, sagte der Kirchenmann mit Blick auf die Kolonialgeschichte.

    Der Westen müsse sehr darauf achten, dass sich die Befreiungsbewegung in Libyen nicht in eine Widerstandsbewegung gegen die Militärintervention wandle. Lahham, ein in Jordanien geborener Palästinenser, äußerte sich vor Journalisten in München beim VII. Deutsch-Afrikanischen Bischofstreffen, das am Donnerstag mit einem Empfang bei Bundespräsident Christian Wulff in Berlin fortgesetzt wird.