• aktualisiert:

    „Seien wir zueinander wie Brüder“

    Rom (gho) Seit dieser Woche dürfte endgültig geklärt sein, dass ein Papst sich nun einmal nicht privat äußern kann. Oder gar „strikt privat“, wie das der Vatikan im Vorfeld der zweiten Reise von Franziskus nach Caserta angekündigt hat, wo der Papst am Montag mit dem evangelikalen Pastor Giovanni Traettino und dessen etwa zweihundertköpfigen Gemeinde zusammengekommen war. Aber am Dienstag veröffentlichte das Pressebüro des Vatikans die Ansprache, die der Papst bei diesem Anlass gehalten hatte – wie auch die Grußadresse Pastor Traettinos. Ein Papst, der sich mit eindringlichen Worten an Evangelikale wendet, die zum religiösen Universum der pentekostalen Bewegungen zählen – das ist eben nicht „privat“. Zumal der Präsident des vatikanischen Ökumene-Rats, Kardinal Kurt Koch, immer wieder hervorhebt, dass der Dialog mit den Evangelikalen und Pfingstlern zu den wichtigsten ökumenischen Feldern der Zukunft gehört.

    Rom (gho) Seit dieser Woche dürfte endgültig geklärt sein, dass ein Papst sich nun einmal nicht privat äußern kann. Oder gar „strikt privat“, wie das der Vatikan im Vorfeld der zweiten Reise von Franziskus nach Caserta angekündigt hat, wo der Papst am Montag mit dem evangelikalen Pastor Giovanni Traettino und dessen etwa zweihundertköpfigen Gemeinde zusammengekommen war. Aber am Dienstag veröffentlichte das Pressebüro des Vatikans die Ansprache, die der Papst bei diesem Anlass gehalten hatte – wie auch die Grußadresse Pastor Traettinos. Ein Papst, der sich mit eindringlichen Worten an Evangelikale wendet, die zum religiösen Universum der pentekostalen Bewegungen zählen – das ist eben nicht „privat“. Zumal der Präsident des vatikanischen Ökumene-Rats, Kardinal Kurt Koch, immer wieder hervorhebt, dass der Dialog mit den Evangelikalen und Pfingstlern zu den wichtigsten ökumenischen Feldern der Zukunft gehört.

    Wie es überhaupt zu der Begegnung des Papstes mit der evangelikalen Gemeinde in Caserta kam, machte Franziskus am Ende seiner Ansprache deutlich. Mancher sei vielleicht erstaunt, der Papst sei zu den Evangelischen gegangen, meinte er, um dann anzufügen: „Er ist gegangen, seine Brüder zu treffen! Ja! Weil – und was ich sage, ist die Wahrheit – sie es gewesen sind, die zu mir gekommen sind, um mich in Buenos Aires zu treffen.“ Und so habe diese Freundschaft ihren Anfang genommen, diese Nähe zwischen den Hirten von Buenos Aires und heute hier. „Ich danke euch sehr.“

    Zuvor hatte Franziskus darüber gesprochen, dass der Christ immer auf dem Weg sein müsse. Und wenn man in der Gegenwart Gottes gehe, werde einem die Brüderschaft gegeben. Der Papst verglich das mit Jakob, dem Sohn Abrahams, der in der Zeit der Hungersnot seinen zehn Söhnen den Auftrag gegeben habe, nach Ägypten zu ziehen. Dort hätten sie ihren Bruder Joseph gefunden, den sie zuvor verraten und verkauft hatten. Diese Bruderschaft sei schön. Doch direkt zu Beginn der Kirche habe es Spaltungen gegeben: „Ich gehöre zu Paulus. Ich zu Apollo. Ich zu Petrus.“ Aber es sei nicht der Heilige Geist, so Franziskus, der diese Spaltungen hervorrufe. Mit Verweis auf das zwölfte Kapitel des ersten Korintherbriefs sprach der Papst über die verschiedenen Gnadengaben. Es sei der Heilige Geist, der diese Unterschiedlichkeit bewirke. „Diese Verschiedenheit ist so reich, so schön. Aber dann bewirke derselbe Heilige Geist auch die Einheit, und so ist die Kirche eins in der Verschiedenheit.“ Der Geist bewirke beides: die Unterschiedlichkeit in den Charismen und dann die Harmonie der Charismen.

    Franziskus verglich die Einheit in der Kirche mit einem Polyeder, als einem geometrischen Körper mit vielen planen Oberflächen: „Jede Seite hat ihre Besonderheit, ihr Charisma. Das ist die Einheit in der Verschiedenheit. Und auf diesem Weg machen wir Christen das, was wir mit dem theologischen Ausdruck Ökumene bezeichnen: Wir wollen dahin wirken, dass diese Verschiedenheit vom Heiligen Geist harmonisiert und Einheit wird.“ Auf diesem Weg, so der Papst weiter, hätten die Christen aber oft das getan, was auch die zehn Brüder von Joseph gemacht hätten. Eifersucht und Neid hätten sie getrennt. Mit Blick auf die Vergangenheit und das Verhältnis zwischen katholischen und evangelischen Christen bat der Papst die Evangelikalen ausdrücklich um Verzeihung – und meinte damit wohl die italienischen Rassegesetze in der Zeit des Faschismus, die auch evangelische Christen schlechter stellten. „Einige von denen“, so Franziskus, „die diese Gesetz gemacht haben und einige von denen, die andere verfolgt und die pentekostalen Brüder angezeigt haben, weil diese angeblich zu ,enthusiastisch’, quasi ,verrückt’ seien, die die Rasse beschädigen würden – einige von diesen waren Katholiken. Ich bin der Hirte der Katholiken: Ich bitte euch dafür um Vergebung. Ich bitte euch um Vergebung für die katholischen Brüder und Schwestern, die nicht begriffen haben, dass sie vom Teufel versucht wurden und dasselbe gemacht haben, was die Brüder von Joseph taten. Ich bitte den Herrn, dass er uns die Gnade schenke, anzuerkennen und zu verzeigen... Danke!“