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    Seelsorge nach der Lehre Christi

    Das Thema eurer Betrachtung „Die pastorale Sorge um Geschiedene und Wiederverheiratete“ steht tatsächlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und des Interesses der Kirche und ihrer Hirten in der Seelsorge, die ihre pastorale Zuwendung denen beständig schenken, die aufgrund schwieriger familiärer Situationen leiden.

    Ein festes Fundament

    Das Thema eurer Betrachtung „Die pastorale Sorge um Geschiedene und Wiederverheiratete“ steht tatsächlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und des Interesses der Kirche und ihrer Hirten in der Seelsorge, die ihre pastorale Zuwendung denen beständig schenken, die aufgrund schwieriger familiärer Situationen leiden.

    Die Kirche kann diesem bedrückenden Problem, in das so viele ihrer Kinder verwickelt sind, nicht gleichgültig gegenüber bleiben. In dem Apostolischen Schreiben „Familiaris consortio“ hatte ich bereits eingeräumt, dass „dieses Problem unverzüglich aufgegriffen werden“ muss (Nr. 84), wenn es um die Behandlung einer Wunde geht, die immer mehr selbst katholische Bereiche erfasst. Die Kirche, die Mutter und Lehrerin, bemüht sich um das Glück und Wohlergehen des Heims, und sie leidet, wenn es – aus welchen Gründen auch immer – zerstört ist, und sie versucht Abhilfe zu schaffen, indem sie diesen Menschen seelsorgliche Begleitung in vollkommener Treue zu den Lehren Christi anbietet.

    2. Die Bischofssynode von 1980 über die Familie analysierte diese schmerzliche Situation und gab für diese Umstände entsprechende pastorale Richtlinien heraus. In dem Apostolischen Schreiben „Familiaris consortio“, das die Überlegungen der Väter der Synode mit berücksichtigte, schrieb ich: „Die Kirche, die dazu gesandt ist, um alle Menschen und insbesondere die Getauften zum Heil zu führen, kann diejenigen nicht sich selbst überlassen, die eine neue Verbindung gesucht haben, obwohl sie durch das sakramentale Eheband schon mit einem Partner verbunden sind. Darum wird sie unablässig bemüht sein, solchen Menschen ihre Heilsmittel anzubieten“ (Nr. 84).

    Wie ihr in eurer Darlegung der Arbeit dieser Vollversammlung erläutert habt, werden gerade vor einem solch deutlich pastoralen Hintergrund die Reflexionen eures Treffens ausgearbeitet – Reflexionen, die darauf abzielen, Familien dabei zu helfen, die Größe ihrer Taufberufung zu entdecken und die Werke der Barmherzigkeit, Nächstenliebe und Buße zu üben. Gleichwohl setzt seelsorgerlicher Beistand voraus, dass die Lehre der Kirche anerkannt wird, wie es im Katechismus deutlich zum Ausdruck kommt: „Es liegt nicht in der Macht der Kirche, sich gegen diese Verfügung der göttlichen Weisheit auszusprechen“ (Nr. 1640).

    Dennoch müssen wir diesen Männern und Frauen vermitteln, dass die Kirche sie liebt, dass sie ihnen nahe ist und aufgrund ihrer Lage leidet. Die Geschiedenen und Wiederverheirateten sind und bleiben weiterhin ihre Glieder, weil sie die Taufe erhalten haben und ihren christlichen Glauben bewahren. Natürlich ist eine neue Verbindung nach einer Scheidung eine moralische Unordnung, die im Gegensatz zu den konkreten, aus dem Glauben abgeleiteten Anforderungen steht, doch darf das nicht von dem Bemühen um das Gebet und dem aktiven Zeugnis der Nächstenliebe abhalten.

    Auszug aus der Ansprache des heiligen Johannes Pauls II. vor dem Päpstlichen Rat für die Familie 24. Januar 1997

    Aus dem Englischen übersetzt von Katrin Krips-Schmidt