• aktualisiert:

    Schrittmacherdienst gegen den Praxisschock

    Friedberg (DT) „Wenn ich an meine Zeit am Pastoraltheologischen Institut zurückdenke, dann bin ich dankbar für das solide pastorale Handwerkszeug, das ich dort für meinen priesterlichen Dienst mitbekommen habe“, blickte Thomas Klosterkamp, Provinzial der Oblaten, in seinem Beitrag für die Festschrift zum 50-Jahr-Jubiläum des Instituts (PthI) dankbar auf seine eigene pastoralpraktische Ausbildungszeit in Friedberg zurück.

    Friedberg (DT) „Wenn ich an meine Zeit am Pastoraltheologischen Institut zurückdenke, dann bin ich dankbar für das solide pastorale Handwerkszeug, das ich dort für meinen priesterlichen Dienst mitbekommen habe“, blickte Thomas Klosterkamp, Provinzial der Oblaten, in seinem Beitrag für die Festschrift zum 50-Jahr-Jubiläum des Instituts (PthI) dankbar auf seine eigene pastoralpraktische Ausbildungszeit in Friedberg zurück.

    Rund zweitausend Ordenspriester aus verschiedenen Ordensgemeinschaften haben in den vergangenen Jahrzehnten im Pastoral-Institut der Pallottiner ihre pastoralpraktische Ausbildung absolviert. Heute wirken die PthI-Absolventen auf allen Kontinenten der Erde. Gleichzeitig kommen aber auch immer mehr junge Ordensleute aus der ganzen Welt ins Wittelsbacher Land. Ob Benediktiner aus Deutschland, Salesianer und Steyler aus Asien, Salvatorianer und Mariannhiller aus Afrika: Das Institut steht seit seiner Gründung für alle Ordensgemeinschaften offen.

    Fünf Jahrzehnte, deren Kontinuität aber auch Veränderung beim Jubiläums-Festakt am vergangenen Wochenende zur Sprache kamen. „Damit Gott spürbar wird“, lautete das Motto der 50-Jahr-Feier. Dabei gab der ehemalige Mainzer Pastoraltheologe und Kapuzinerpater, Stefan Knobloch, bei seinem Festvortrag zu „mystagogischer Pastoral“ Denkanstöße, wie es der Seelsorge gelingen kann, dem Prozess, der viele Menschen heute von der Kirche entfremdet und aus ihr hinaustreibt, authentisch zu begegnen. Entscheidend sei für ihn, dass sie sich nicht abschrecken lasse „von neuen Benennungen und ungewohnten Sprachcodes, die die innere Struktur des Christlichen in sich tragen“, so Knobloch.

    Diese Spannung zwischen religiöser Sprache und der Wirklichkeit hatten schon die Gründerväter auszuhalten. Als in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts Alfons Fehringer, ein junger Pallottinerpater, sich in Paris zum Studium aufhielt und dort auch als Seelsorger wirkte, fühlte er sich für diesen Dienst in einer säkularen Welt nur wenig vorbereitet. Er spürte zwar einerseits die Sehnsucht, Menschen auf Gott hinzuweisen, zugleich aber auch eine große Unsicherheit, wie dies unter den Bedingungen einer Großstadtklinik, eines Arbeitermilieus oder bei der studierenden Jugend gelingen kann.

    Viele Neupriester klagten damals trotz umfassender philosophisch-theologischer Ausbildung häufig über den „Praxisschock“. Eine fundierte Einführung in die praktische Seelsorge bis dato: Fehlanzeige. Diese Not erwies sich seinerzeit als Kairos für die Gründung des Pastoraltheologischen Instituts, zumal sich in Pater Josef Milla, einem frisch promovierten Pastoraltheologen, ein weiterer Mitinitiator fand. Gemeinsam erhielten die beiden von ihren Oberen den Auftrag, diese damals hierzulande völlig neue Art der Berufseinführung für junge Seelsorger zu schaffen.

    Von Anfang an legte die Institutsleitung den Schwerpunkt darauf, die jungen Ordenspriester unter Mitwirkung von Pfarrern, die im Gemeindeleben stehen, bei ihren ersten Schritten als Seelsorger zu begleiten. „Für mich war es vor vierzig Jahren eine große Hilfe, in der Verbindung von Institut und einer Pfarrgemeinde in die Seelsorge einzusteigen. Wir wurden stets gut bei unserer täglichen Arbeit begleitet und in Krisenzeiten ermutigt. Das spürten auch die Menschen in den Gemeinden“, beschreibt Bernhard Godbarsen, Pallottinerpater und Generalvikar der Diözese Florida in Uruguay, seine Erfahrungen von damals.

    Viele Kapläne aus den Diözesen, oft in den gleichen Pfarreien eingesetzt wie die Neupriester des Instituts, bedauerten, dass sie diese Möglichkeit nicht hatten. Es gab zwar entsprechende Forderungen durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) und die Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland (1971–1975), aber erst 1978 setzten die deutschen Bischöfe eine „Rahmenordnung für die Priesterausbildung“ in Kraft.

    Die Realisierung in vielen Bistümern ließ noch etliche Jahre auf sich warten, während das Pastoraltheologische Institut in Friedberg bereits auf rund zwei Jahrzehnte Erfahrung zurückblicken konnte. 1981 erteilte die Deutsche Bischofskonferenz, vertreten durch den Bischof von Augsburg, Josef Stimpfle, dann auch dem Abschluss des fünfjährigen Studienganges in Friedberg die Anerkennung als ,,Zweite Dienstprüfung" (Pfarrexamen).

    Aber auch hier ist die Entwicklung weitergegangen. Schon seit Jahrzehnten liegt für das Ausbildungsteam ein besonderes Gewicht auf der menschlich-spirituellen Reifung der Teilnehmer. Der heutige Regens des Instituts, Pallottinerpater Thomas Lemp, verweist darauf, dass „die Teilnehmer der Kurse nie nur Lernende waren und sind, sondern durch ihre Erfahrungen, Begabungen und Bedürfnisse, ihre Kritik und Anregungen auch Mitgestalter“. Sie seien – so Lemp – sogar die eigentlichen Kräfte mit Blick auf die notwendige Weiterentwicklung der Inhalte.

    Einer besonderen Herausforderung widmete sich das Institut in den vergangenen zwölf Jahren. Seit 1999 übernahm es die Aufgabe, ausländische Priester mit der Seelsorge im deutschen Sprachraum vertraut zu machen. Gleichzeitig seien aber auch die Erfahrungen der Ordensleute aus Afrika oder Asien ein Gewinn für die gemeinsame spirituelle und pastorale Reflexion, so Pater Lemp. Weiteten sie doch die oft vorherrschende provinzielle Sicht für die weltkirchliche Dimension von Kirche.

    Zu einem besonderen Aufgabenfeld des Instituts ist die „Dritte Bildungsphase“ (gemeinschaftsinterne Weiterbildung) geworden. Auf dem Programm stehen zum Beispiel die „Woche der theologisch-religiösen Orientierung“ für bestimmte Weihe- und Professjahrgänge, Fortbildungskurse für ältere Mitbrüder wie auch für Pfarrseelsorger und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

    Die Inhalte der Aus- und Weiterbildung folgen stets demselben Muster. Immer geht es darum, für die Umsetzung des Auftrags, das Evangelium in unserer Zeit zu bezeugen, konkrete Hilfen zu geben. Dies geschieht am nachdrücklichsten in der Besinnung auf die geistlichen Quellen der Bibel und der Ordensspiritualität, in der Achtsamkeit für die Zeichen der Zeit und in der Pflege der Kommunikationsfähigkeit.

    So erinnert sich auch Benediktiner-Abt Johannes Eckert aus München heute noch gerne daran, den priesterlichen Dienst immer wieder kritisch im Lichte des Evangeliums zu reflektieren. „Im Pastoraltheologischen Institut war es wohltuend zu erleben, wie die Ausbildungsleitung auf die innere Formation von uns jungen Männern achtete, sodass sich eine echte geistliche Identität herausbilden konnte.“

    Sein Mitbruder aus Scheyern, Benediktiner-Abt Markus Eller, konkretisiert: „Als ich nach dem Universitätsstudium meine ersten pastoralen Schritte wagte, waren diese von großer und grundsätzlicher Unsicherheit begleitet. Durch die brüderliche Hilfe des Ausbildungsteams des Pastoraltheologisches Instituts und der Praktikumspfarrer wurden diese Bedenken und Ängste nicht nur genommen, sondern sie wandelten sich immer mehr in eine Freude an den pastoralen Aufgaben.“