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    Schlechte Stimmung

    Rom (DT) Es gehört nicht zu den Eigentümlichkeiten römischer Bischofssynoden, dass Teilnehmer und Berichterstatter vor Beginn der Beratungen in fiebrige Erregung fallen. Vielmehr wurden die Erwartungshaltungen in den letzten Jahren bei ordentlichen wie bei außerordentlichen Synoden durch die Erfahrung gedämpft, dass Bischofstreffen dieser Art, die eine rein den Papst beratende Funktion haben, vor allem der Aussprache und dem Sich-Kennenlernen – letzteres war etwa 2010 bei der Sonder-Synode der katholischen Ostkirchen sehr stark der Fall – dienen, ohne dass sie zu richtungsweisenden Beschlüssen für die Leitung der Weltkirche führen.

    Rom (DT) Es gehört nicht zu den Eigentümlichkeiten römischer Bischofssynoden, dass Teilnehmer und Berichterstatter vor Beginn der Beratungen in fiebrige Erregung fallen. Vielmehr wurden die Erwartungshaltungen in den letzten Jahren bei ordentlichen wie bei außerordentlichen Synoden durch die Erfahrung gedämpft, dass Bischofstreffen dieser Art, die eine rein den Papst beratende Funktion haben, vor allem der Aussprache und dem Sich-Kennenlernen – letzteres war etwa 2010 bei der Sonder-Synode der katholischen Ostkirchen sehr stark der Fall – dienen, ohne dass sie zu richtungsweisenden Beschlüssen für die Leitung der Weltkirche führen.

    Im Vorfeld der am kommenden 5. Oktober beginnenden außerordentlichen Synode zu Ehe und Familie ist das ganz anders. Ein auf Englisch, Deutsch und Italienisch erscheinendes Buch von fünf Kardinälen, das offensichtlich als Antwort auf das Einführungsreferat von Kardinal Walter Kasper beim Konsistorium vom Februar dieses Jahres zu verstehen ist, dazu weitere Publikationen, Vermutungen über Personalentscheidungen des Papstes sowie die Beratungen des Rats der neun Kardinäle über die Zukunft der römischen Kurie: Alles das ist geeignet, den Erwartungsdruck vor der Familiensynode zu erhöhen. So reagierte Kardinal Kasper jetzt sehr gereizt, als er erfuhr, dass die Kardinäle Gerhard Ludwig Müller, Raymund Burke, Carlo Caffarra, Walter Brandmüller, Velasio De Paolis sowie als weiterer Autor Erzbischof Cyril Vasil’ SJ, Sekretär der Ostkirchenkongregation, pünktlich zu Synodenbeginn ein Buch herausgeben, dass sich unter anderem kritisch mit seinem Vorschlag auseinandersetzt, Wege zu prüfen, um wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zuzulassen (eine Besprechung dieses auf Deutsch im Echter-Verlag erscheinenden Buchs folgt in dieser Zeitung). Gegenüber dem italienischen Nachrichtendienst „Vatican Insider“ erklärte der emeritierte deutsche Kurienkardinal, der von Papst Franziskus persönlich zur Familiensynode hinzugeladen worden ist, dass er „überrascht“ gewesen sei, von diesem Buch zu erfahren. Mit den Worten „Erst heute bin ich von Journalisten davon informiert worden“ war er vorgestern bei „Vatican Insider“ zu lesen. Den Journalisten sei das Buch zugesandt worden, ihm nicht, so Kasper, um gleich noch nachzulegen: „In meinem ganzen akademischen Leben ist mir so etwas noch nie passiert.“

    Es baut sich eine Front von Kardinälen auf, die mit dem fünften Abschnitt des Einleitungsreferats von Kardinal Kasper vom Februar – in dem ging es konkret um den Kommunionempfang der Wiederverheirateten – gar nicht einverstanden sind. Bereits im Sommer hatte Kardinal Müller im italienischen Verlag Ares ein Interview-Buch mit dem Titel „La speranza della famiglia“ (Die Hoffnung der Familie) herausgegeben, in dem er zum Thema „Scheidung und eucharistische Kommunion“ ein klares Nein zu dem Vorschlag Kaspers formulierte. Dem Präfekten der Glaubenskongregation folgte jetzt der Mailänder Kardinal Angelo Scola mit einem deutlichen Votum gegen den Kommunionempfang für Wiederverheiratete in einem Text, der ebenfalls pünktlich zu Synodenbeginn in der italienischen Zeitschrift „Il Regno“ erscheinen wird, jetzt aber schon bekannt wurde. Auch Kardinal George Pell, Präfekt des neu geschaffenen Vatikan-Sekretariats für Wirtschaftsfragen, gibt ein Buch heraus, das auf der Linie von Müller und Scola liegt.

    Wenn sich in Rom Fronten von Kardinälen aufbauen, dann liefert das Stoff für Gespräche in den Gängen der Kurie wie in den Restaurants rund um den Petersdom, wo sich die Vatikanprälaten austauschen. Eine Nachricht sorgt da für besondere Aufmerksamkeit: Ausgerechnet der bereits genannte Raymond Burke soll seinen Posten als Chef des obersten Vatikangerichts, der Apostolischen Signatur, verlieren und stattdessen Kardinalprotektor des Malteserorden werden. Für einen Kurienkardinal im besten Alter – Burke ist 66 Jahre jung – wäre das keine Wegbeförderung, sondern ein Karriereknick. Das Amt des Protektors der Malteser – der bisherige Amtsinhaber, Kardinal Paolo Sardi, hat das Ruhestandsalter von achtzig Jahren erreicht – ist ehrenwert, aber im Vatikan ohne Bedeutung. Für traditionsbewusste Katholiken, auch für die Anhänger der „alten“ Messe, ist Burke ein Hoffnungsträger. Einer, der sich nicht scheut, die „cappa magna“ anzulegen und öffentlich eine Messe nach dem tridentinischen Ritus zu feiern. Seine Deklassierung wäre ein Signal. Noch ist es ein Gerücht. Aber gut informierte „vaticanisti“ wie Sandro Magister von „l’Espresso“ oder Marco Tosatti von „La Stampa“ schreiben darüber wie über eine Selbstverständlichkeit.

    Wenn dann auch noch wie in der ersten Hälfte dieser Woche der Rat der neun Kardinäle zu regelmäßigen Gesprächen zusammenkommt, um dem Papst Vorschläge für eine Reform der römischen Kurie zu unterbreiten, ballen sich Unsicherheiten und Vermutungen zu jener kritischen Masse zusammen, die für schlechte Stimmung sorgt. Päpstliche Räte sollen zusammengelegt werden, das hat auch Vatikansprecher Federico Lombardi SJ am Mittwoch bestätigt. Welche, weiß man noch nicht. Über Finanz- und Wirtschaftsfragen habe man nicht mehr gesprochen, so Lombardi. Da müssen sich jetzt zwei Kardinäle einigen: George Pell, der als Präfekt das neu geschaffene „Finanzministerium“ des Vatikans führt, und Reinhard Marx, der den beigeordneten Wirtschaftsrat koordiniert. Unter ihrer Leitung ist man noch dabei, die Statuten und die Verzahnung der beiden Institutionen vorzubereiten. Auch über ein Herzstück jeder Kurienreform hat man diese Woche noch nicht beraten: die Stellung und Funktion des vatikanischen Staatssekretariats. Der Kardinal an der Spitze, Pietro Parolin, hält sich auffallend zurück. Er strebt es offensichtlich nicht an, in der Öffentlichkeit und vatikanintern eine so dominante Position einzunehmen, wie dies sein Vorgänger, Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, für sich beansprucht hat. Es sind viele offene Fragen, die derzeit über der Kurie und den vatikanischen Dikasterien kreisen. Beflügelnd ist das nicht.