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    Schiff Petri auf Gegenkurs

    Rom (DT/ck) In Vorbereitung auf die für Oktober einberufene Weltbischofssynode zur Neuevangelisierung hat der Theologe Carlos María Galli in der vergangenen Woche an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom einen Vortrag zum Thema „Das missionarische Angebot von Aparecida und die Neuevangelisierung. Von Evangelii nuntiandi (1975) und Puebla (1979) zur Synode über die Neuevangelisierung (2012)“.

    1979 besuchte Johannes Paul II. die mexikanische Stadt Puebla und feierte eine Messe am Pelafoxiano-Seminar. Foto: KNA

    Rom (DT/ck) In Vorbereitung auf die für Oktober einberufene Weltbischofssynode zur Neuevangelisierung hat der Theologe Carlos María Galli in der vergangenen Woche an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom einen Vortrag zum Thema „Das missionarische Angebot von Aparecida und die Neuevangelisierung. Von Evangelii nuntiandi (1975) und Puebla (1979) zur Synode über die Neuevangelisierung (2012)“.

    Carlos María Galli ist Priester der Erzdiözese Buenos Aires. Er studierte an der Katholischen Universität von Argentinien, wo er seit 1986 lehrt, sowie an der Universität Tübingen. Er war Peritus in der Fünften Generalversammlung des Episkopats von Lateinamerika und der Karibik in Aparecida (Brasilien) 2007 und ist korrespondierendes Mitglied der Päpstlichen Theologischen Kommission in Rom. Nach Aparecida setzte er sich mit den christologischen und pastoraltheologischen Implikationen auseinander und trug die Ergebnisse in dem 2011 erschienenen Buch „Dios vive en la ciudad“ („Gott lebt in der Stadt“)zusammen. Es gehe vor allem darum, die „Gegenwart Gottes im Antlitz des urbanen Menschen“ zu entdecken.

    Die Evangelisierung des Subkontinents habe bereits vor 500 Jahren begonnen, aber seit dem Konzil neue Impulse bekommen: durch die Generalversammlung in Medellín (1968), das Apostolische Schreiben Evangelii nuntiandi (1975), die Generalversammlungen in Puebla (1979) und Santo Domingo (1992), das Apostolische Schreiben Ecclesia in America, das Heilige Jahr 2000 und das Apostolische Schreiben Novo milennio ineunte. 2007 folgte die Generalversammlung in Aparecida; ein neuer Impuls wird von der Weltbischofssynode erwartet.

    1968 reiste Paul VI. als erster Papst nach Lateinamerika, ins kolumbische Medellín, um die Generalversammlung des Episkopats zu eröffnen. In Medellín, so Galli, „bricht unsere Kirche mit neuer Stimme in die Geschichte herein und stärkt ihre Identität und ihr Selbstbewusstsein. Sie bekommt ein eigenes Profil“.

    Johannes Paul II. eröffnete 1979 die Generalversammlung von Puebla. Bereits in Medellín war der Ruf nach einer „neuen Evangelisierung und Katechese“ laut geworden, und auch im Dokument von Puebla findet sich das Wort „Neuevangelisierung“. Galli fragte: „Ist es Zufall oder ist es kausal bedingt, dass Johannes Paul II. nur wenige Monate nach Puebla auf seiner ersten Pastoralreise nach Polen anlässlich der Weihe des Heilig-Kreuz-Heiligtums in Nowa Hutta zum ersten Mal den Begriff ,Neuevangelisierung‘ verwendet?“ Dieser Begriff sei in der lateinamerikanischen Kirche geprägt worden.

    Benedikt XVI. errichtete 2010 den Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung und berief die Weltbischofssynode von 2012 ein. In der Generalversammlung von Aparecida, die der Papst im Mai 2007 eröffnete, sei ein dynamisches Missionsverständnis zum Ausdruck gekommen. In den riesigen lateinamerikanischen Pfarreien sei die Zahl derer, die der Kirche fernstünden, enorm hoch. „Die Kirche tauft viele Söhne und Töchter – aber dann kümmert sie sich nicht mehr um sie, begleitet sie nicht, unterweist sie nicht im Glauben, schenkt ihnen keine Fürsorge. Sie wundert sich, dass sie verlassen wird, dabei hat sie als erste es oft versäumt, Sorge zu tragen für den Glauben der Getauften.“ Aufgabe der Kirche sei es jetzt, sich den Menschen in den Städten, vor allem in den verarmten Randgebieten, wieder zu nähern. Dabei gehe es nicht um eine „Gegenoffensive“ gegen die in Lateinamerika allgegenwärtigen Sekten oder um eine „Zurückeroberung“ für die katholische Tradition. Nicht „Marketing“ sei gefragt, sondern die Menschen müssten durch das Zeugnis der Liebe Christi angezogen werden und „die Wärme im mütterlichen Herdfeuer“ wieder spüren. Die Kirche, die sich in der Weltbischofssynode im Oktober versammelt, sei nicht die „Arche Noah“, in der man ängstlich vor der Welt Zuflucht sucht, sondern vielmehr „das Schiff des Petrus, das mutig und vertrauensvoll auf den See – in die großen urbanen Zentren Lateinamerikas – hinausfährt“.