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    SPD und Linkspartei gegen Jungengymnasium

    Leipzig (DT/KNA) Ein seit Jahren umstrittenes Potsdamer Schulprojekt steht am Mittwoch auf der Tagesordnung des Bundesverwaltungsgerichts. Es geht um die Gründung eines katholischen Jungengymnasiums. Vordergründig entscheiden die Richter darüber, ob Brandenburgs Landesregierung das Vorhaben weiter mit der Begründung verhindern kann, dass die Schule keine Mädchen aufnimmt. Auf Missfallen stößt aber auch der Projektträger. Es ist eine Fördergemeinschaft für Schulen in freier Trägerschaft, die der katholischen Organisation Opus Dei („Werk Gottes“) nahesteht. Der 1928 gegründeten Bewegung gehören weltweit gut 90 000 Laien sowie etwa 2 000 Priester an.

    Leipzig (DT/KNA) Ein seit Jahren umstrittenes Potsdamer Schulprojekt steht am Mittwoch auf der Tagesordnung des Bundesverwaltungsgerichts. Es geht um die Gründung eines katholischen Jungengymnasiums. Vordergründig entscheiden die Richter darüber, ob Brandenburgs Landesregierung das Vorhaben weiter mit der Begründung verhindern kann, dass die Schule keine Mädchen aufnimmt. Auf Missfallen stößt aber auch der Projektträger. Es ist eine Fördergemeinschaft für Schulen in freier Trägerschaft, die der katholischen Organisation Opus Dei („Werk Gottes“) nahesteht. Der 1928 gegründeten Bewegung gehören weltweit gut 90 000 Laien sowie etwa 2 000 Priester an.

    SPD und Linkspartei in Potsdam werfen der Förderinitiative vor, in der Schule eine rückwärtsgewandte Wertevermittlung anzustreben. Der Sprecher von Brandenburgs Bildungsministerium, Stephan Breiding, räumt ebenfalls seine „Skepsis“ gegenüber Opus Dei ein. Zugleich unterstreicht er, dass weltanschauliche Gründe für die staatliche Ablehnung nicht maßgeblich seien. Das Bildungsministerium argumentiert, dass der gemeinsame Unterricht von Jungen und Mädchen ein Grundsatz des Schulsystems sei, von dem auch freie Träger nicht abweichen dürften. Dagegen klagte die Schulinitiative und bekam Recht. Sowohl das Verwaltungsgericht Potsdam als auch das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg entschieden zugunsten des Klägers. Ein freier Schulträger dürfe auch geschlechtergetrennte Schulen gründen, befanden die Richter vor zwei Jahren in ihrer Begründung. Später ließ das Bundesverwaltungsgericht eine Revision des Falles zu. Der Geschäftsführer der Fördergemeinschaft, Horst Hennert, verfolgt das Projekt seit knapp zehn Jahren. Er sieht dem Leipziger Richterspruch nun zuversichtlich entgegen. Wenn sich seine Erwartungen erfüllen, kann das Gymnasium nach seiner Einschätzung zum Schuljahr 2014/15 den Unterricht aufnehmen. Zwar mussten die Schüler, für die das Vorhaben ursprünglich an den Start ging, inzwischen an anderen Einrichtungen ihr Abitur ablegen. Doch der Bedarf ist nach Hennerts Einschätzung weiterhin gegeben. Das Gymnasium solle Jungen fördern, weil sie an den öffentlichen Schulen oft benachteiligt seien. Zunächst müsste sich die Fördergemeinschaft jedoch nach einer neuen Immobilie umsehen. Denn die alte Potsdamer Kaserne, die sie zunächst ins Auge gefasst hatte, ist längst zu Wohnungen umgebaut. Nach den Planungen des Vereins ist das Gymnasium für gut 300 Schüler vorgesehen. Eine Stiftung soll die Finanzierung sicherstellen. Das Konzept sei am christlichen Menschenbild orientiert, erläutert Hennert. Es sei aber keine „Opus-Dei-Schule“, weder Schüler, Eltern, noch Lehrer müssten der Organisation angehören, betont er. Nur für den Religionsunterricht und die seelsorgliche Betreuung der Jungen werde ein Priester der Organisation beauftragt. Hennert verweist auf das nordrhein-westfälische Jülich, wo der Förderverein bereits seit vierzig Jahren eine Mädchenschule betreibt.

    Das Erzbistum Berlin gibt sich mit Blick auf die Initiative zurückhaltend. Im Falle eines Urteils zugunsten des Schulprojekts werde sich das Erzbistum nicht an einer Finanzierung beteiligen, erklärt Bistumssprecher Stefan Förner.