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    Ruhrbistum wird 60

    Essen/Köln (DT/KNA) Vor 60 Jahren sind die Verträge zur Gründung des Ruhrbistums Essen in Kraft getreten. Am 26. Februar 1957 tauschten der damalige Apostolische Nuntius in Deutschland und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident die Ratifizierungsurkunden aus. Damit wurde der Vertrag zur Gründung des Bistums Essen am 1. Januar 1958 rechtskräftig. Es wurde aus Teilen der Erzbistümer Köln und Paderborn sowie der Diözese Münster gebildet, um eine Arbeiterseelsorge in der Industrieregion mit Stahlwerken und Kohlezechen aufzubauen. Gründerbischof war Franz Hengsbach.

    Essen/Köln (DT/KNA) Vor 60 Jahren sind die Verträge zur Gründung des Ruhrbistums Essen in Kraft getreten. Am 26. Februar 1957 tauschten der damalige Apostolische Nuntius in Deutschland und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident die Ratifizierungsurkunden aus. Damit wurde der Vertrag zur Gründung des Bistums Essen am 1. Januar 1958 rechtskräftig. Es wurde aus Teilen der Erzbistümer Köln und Paderborn sowie der Diözese Münster gebildet, um eine Arbeiterseelsorge in der Industrieregion mit Stahlwerken und Kohlezechen aufzubauen. Gründerbischof war Franz Hengsbach.

    Nach den Worten des Kölner Kirchenhistorikers Franziskus Siepmann war in den 1950er Jahren der damalige Bischof von Münster, Michael Keller, treibende Kraft für die Bildung des Ruhrbistums. Er habe im urbanen Südzipfel seiner Diözese mit Städten wie Duisburg oder Oberhausen eine Erosion des kirchlichen Lebens beobachtet, sagte Siepmann am Mittwoch im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Keller sei es darum gegangen, die soziale Frage mehr in den Blick zu nehmen. Von seiner Initiative waren dem Theologen zufolge aber die Erzbischöfe von Köln und Paderborn, die Kardinäle Josef Frings und Lorenz Jaeger, wenig begeistert. Bei den Verhandlungen darüber, welche Gebiete die Diözesen abgeben, habe es „ein großes Gefeilsche um Städte, Katholikenzahlen und potenzielle Kirchensteuereinnahmen“ gegeben. „Pastorale Aspekte spielten in den Verhandlungen zwischen den beteiligten Bischöfen keine Rolle“, so der Theologe. Vor allem von Paderborn gab es laut Siepmann Widerstände. Sie hätten auf dem damaligen Fortschrittsoptimismus basiert, dass sich das Ruhrgebiet zu einer wirtschaftlich starken Region mit acht Millionen Einwohnern entwickeln würde. „Paderborn sagte damals: Wir wollen kein Mammut-Bistum.

    Und damit verbunden stand die Aussage: Wir wollen kein Mammon-Bistum, also eine Diözese mit hohen Kirchensteuereinnahmen.“ Deshalb seien die Ruhrgebietsstädte Dortmund, Herne, Castrop-Rauxel, Wanne-Eickel und Witten bei Paderborn geblieben. Das sei aber „nicht der einzige Geburtsfehler“ gewesen mit Blick auf das Ziel, ein Format für die Industriearbeiter-Seelsorge zu schaffen, so der Kirchenhistoriker. „Denn die Diözese bekam bewusst Teile des ländlich und protestantisch geprägten Märkischen Sauerlandes.“ Damit sei die angestrebte homogene Struktur des Ruhrbistums noch einmal aufgebrochen worden.

    kna