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    Rücktrittsforderung an Bischof Alois Schwarz

    Wiener Nuntiatur war seit Jahren detailliert über Vorwürfe informiert. Von Stephan Baier

    Bischof Alois Schwarz leitete von 2001 bis 2018 die Diözese Gurk-Klagenfurt. Seit dem 1. Juli des vergangenen Jahres ist... Foto: Kathbild

    Wien (DT/sb) Die langjährige Präsidentin der Laienbewegung „Katholische Aktion“, Gerda Schaffelhofer, hat den Bischof von St. Pölten, Alois Schwarz, in einem offenen Brief zum Rücktritt aufgefordert. Angesichts der massiven Vorwürfe, die die Amts- und Lebensführung von Schwarz bis Juni 2018 in Kärnten betreffen („Die Tagespost“ berichtete), schrieb Schaffelhofer, die auch eine Studienkollegin und später die Verlegerin der Bücher von Schwarz war, in der „Kleinen Zeitung“: „Viele haben dir signalisiert, dass die Herrschaft deiner Schattenfrau ein Ende haben muss, dass du selbst wieder die Zügel deines Bischofsamtes fest in die Hand nehmen musst, dass dein Lebensstil Anlass zu Gerüchten und Kritik gibt.“

    Bischof Alois Schwarz sollte sein Amt ruhen lassen

    Der Bischof solle sein Amt zumindest ruhen lassen, bis er sich entschieden habe, wie er sein Leben weiterführen wolle, forderte Schaffelhofer. Mit Blick auf jene Dame, der ein Naheverhältnis zu Schwarz nachgesagt wird und die großen Einfluss auf seine Amtsführung in Kärnten gehabt haben soll, heißt es in dem offenen Brief: „Wenn du ihr wirklich gehörst, dann wäre es anständig und angebracht, die Konsequenzen aus dieser Liebe zu ziehen, wie es viele Priester vor dir getan haben. Wenn dem aber nicht so ist, dann bedarf es deines entschiedenen Widerspruchs, in Wort und Tat.“

    Vorwürfe stehen bereits seit einem Jahrzehnt im Raum

    Über die Vorwürfe gegen Schwarz war die Apostolische Nuntiatur in Wien spätestens seit 2008 informiert. Dieser Zeitung liegen Briefe des früheren Kärntner Bischofssekretärs Franz Zlanabitnig an Nuntius Peter Stephan Zurbriggen aus den Jahren 2011 und 2015 vor, in denen dieser das Privatleben des Bischofs problematisiert. Darin ist die Rede von Andrea E., der es gelungen sei, „das Vertrauen des Bischofs zu gewinnen und innerhalb kürzester Zeit hat sich ein sehr großes (nach der Meinung nicht weniger auch sexuelles) Abhängigkeitsverhältnis des Bischofs zu dieser Frau ergeben“.

    Zlanabitnig selbst habe Bischof Schwarz gemeinsam mit einem anderen Mitarbeiter der Diözese vorgeschlagen, sich von Frau E. zu trennen. Nachdem dem damaligen Generalvikar zwei Liebesbriefe anonym zugespielt wurden, habe sich dieser an Nuntius Zurbriggen sowie an den Vorsitzenden der österreichischen Bischofskonferenz gewandt.

    Zlanabitnig war von 1982 bis April 2008 Bischofssekretär in der Diözese Klagenfurt. In seinem Schreiben versucht er zu belegen, „dass der Bischof erpressbar war“. Ähnliches behauptet auch die kurz vor Weihnachten veröffentlichte Stellungnahme des Gurker Domkapitels. Darin heißt es wörtlich: „Aufgrund seiner Lebensführung war der Bischof in seiner Amtsführung immer mehr beeinträchtigt, weil er für Priester im Zusammenhang mit der Zölibatsverpflichtung erpressbar war.“

    In weiteren, der „Tagespost“ vorliegenden Schreiben von 2015 an Nuntius Zurbriggen warnt Zlanabitnig, Frau E. habe eine Position erlangt, die ihr „ungebührlich großen Einfluss sichert“. Der Bischof von Kärnten befinde sich „in einer Situation beinahe vollkommener Abhängigkeit“. Und weiter: „Die Optik auf Mitarbeiterinnen und auf eine interessierte Öffentlichkeit ist verheerend.“

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