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    Rom in Festlaune

    Rom (DT) Immerhin vier Kontinente waren am vergangenen Sonntag durch die sieben überdimensionalen Porträtbilder an der Fassade des Petersdom vertreten: Mit Spanien, Italien und Deutschland Europa, mit den Philippinen Asien, mit Kanada und den Vereinigten Staaten Amerika und mit Madagaskar Afrika. Darum war es ein amerikanisch-deutsch-italienisch-spanisch-madagassisches Katholikentreffen, als Benedikt XVI. bei strahlendem Sonnenschein sieben Selige, die etwas mit den oben genannten Ländern zu tun hatten, in das Buch der Heiligen der katholischen Kirche einschrieb. Ihre Verehrung ist nun universalkirchlich. Und universal ging es auch zu, als sich vorgestern – es war der Weltmissionssonntag der Kirche – etwa achtzigtausend Gläubige und Pilger auf dem Petersplatz versammelt hatten.

    Aus dem Bistum Regensburg waren Verehrer der heiligen Anna Schäffer angereist. Foto: dpa

    Rom (DT) Immerhin vier Kontinente waren am vergangenen Sonntag durch die sieben überdimensionalen Porträtbilder an der Fassade des Petersdom vertreten: Mit Spanien, Italien und Deutschland Europa, mit den Philippinen Asien, mit Kanada und den Vereinigten Staaten Amerika und mit Madagaskar Afrika. Darum war es ein amerikanisch-deutsch-italienisch-spanisch-madagassisches Katholikentreffen, als Benedikt XVI. bei strahlendem Sonnenschein sieben Selige, die etwas mit den oben genannten Ländern zu tun hatten, in das Buch der Heiligen der katholischen Kirche einschrieb. Ihre Verehrung ist nun universalkirchlich. Und universal ging es auch zu, als sich vorgestern – es war der Weltmissionssonntag der Kirche – etwa achtzigtausend Gläubige und Pilger auf dem Petersplatz versammelt hatten.

    Da hatte man sie dann alle zusammen: Die Filipinos mit ihren Seidenhemden, deftige Niederbayern in Krachledernen und Amerikaner oder Kanadier in den mit den unterschiedlichsten Emblemen bedruckten T-Shirts. Katholische Indianer aus Nordamerika mit ihrem Federschmuck sahen aus wie eine Statisten-Truppe unterwegs auf dem Weg zu den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg. Bis alle Römer und alle Angereisten sich auf den Petersplatz gedrängt hatten, dauerte es einiges.

    Eine Stunde vor Beginn des Gottesdienstes hatten die Ordnungskräfte die Eingänge freigegeben – und die Menschen strömten immer noch auf den Platz, als Benedikt XVI. schon mit den Konzelebranten – unter ihnen viele Väter der Bischofssynode – auf die Altarinsel vor der Basilika einzog. Nur die Diplomaten und offiziellen Vertreter der Herkunftsländer der neuen Heiligen konnten wie gewohnt die separaten Zugänge nutzen, sie saßen bereits oben rechts auf dem Sagrado. Unter ihnen aus Bayern Europaministerin Emilia Müller und Landtagspräsidentin Barbara Stamm, die zu Ehren der deutschen Heiligen den Freistaat vertraten. Ihnen gegenüber, auf der linken Seite des Sagrados, sitzen die Kardinäle und Bischöfe, die ihre reguläre Arbeit in diesen drei Wochen mit der besonderen Aufgabe getauscht haben, Teilnehmer der dreizehnten ordentlichen Bischofssynode zu sein. Für die etwa zweitausend Pilger aus der Diözese Regensburg, in der Anna Schäffers Heimatgemeinde Mindelstetten liegt, hatten die „Großgottesdienste“ schon am Samstag mit einer Messe in Sankt Paul vor den Mauern begonnen – zelebriert von ihrem ehemaligen Bischof Gerhard Ludwig Müller, dem heutigen Präfekten der Glaubenskongregation.

    Vor der feierlichen Messe auf dem Petersplatz die eigentliche Heiligsprechung. Auf Latein trägt der Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen, Kardinal Angelo Amato, die Bitte vor, den französischen Jesuiten Jacques Berthieu, der an seinem Wirkungsort Madagaskar das Martyrium erlitt, den philippinischen Laien und Märtyrer Pedro Calungsod, den italienischen Priester und Ordensgründer Giovanni Battista Piamarta, die spanische Nonne und Gründerin der Kongregation der „Religiosas Concepcionistas Misioneras de la Ensenanza“, María Carmen Sallés y Barangueras, die aus Hessen stammende, aber in den Vereinigten Staaten aufgewachsene Terziarin des heiligen Franziskus, Marianne Cope, die als Generaloberin ihrer Kongregation den Ruf annahm, sich im pazifischen Raum um Leprakranke zu kümmern, die Indianerin und geweihte Jungfrau Kateri Tekakwitha sowie die bettlägerige Trösterin und Fürsprecherin Anna Schäffer in das Verzeichnis der Heiligen aufzunehmen. Mit einer kurzen lateinischen Formel gibt Papst Benedikt dem Anliegen statt. Die heilige Messe kann beginnen.

    Über die Lautsprecher ertönen zwei weibliche Stimmen auf Italienisch und Englisch, die darum bitten, ab jetzt von Beifallskundgebungen abzusehen und Spruchbänder und Transparente zu senken.

    Eine italienische Pilgergruppe mit einem langen Schriftband in der Mitte des Platzes leistet beharrlichen Widerstand – und einige bayerische Fahnen strecken sich weiter trotzig in die Höhe. Sie grüßen „ihre“ Anna Schäffer, deren Porträt sich ganz rechts an der Frontseite des Doms leise im Wind bewegt. Nach der Erhebung von Hildegard von Bingen zur Kirchenlehrerin ist es wieder eine Deutsche, die auf dem Petersplatz zur Ehre kommt.

    Bei einer Festveranstaltung in der Deutschen Botschaft soll der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, kurz nach der Heiligsprechungsfeier ein Bekenntnis, aber auch ein Versprechen ablegen: „Wir wissen uns gestärkt im Blick auf den Weg der Kirche in Deutschland. Dazu tragen Hildegard von Bingen und Anna Schäffer in besonderer Weise bei, weil sie leuchtende Vorbilder für unseren Glauben und das christliche Zeugnis in der Öffentlichkeit sind.“ Zollitsch zeigt sich fest überzeugt, dass alles das, „was uns hier in reichem Maße in Rom geschenkt wird“, für das geistliche Leben in der deutschen Heimat fruchtbar werden könne. „Ich denke dabei auch an den Gesprächsprozess der Deutschen Bischofskonferenz: In unseren Debatten und dem Suchen nach dem Weg der Kirche in die Zukunft schauen wir immer zuerst auf Christus und lassen unser Tun und Handeln von seinem Wort leiten. So mögen von dieser Synode, so mögen vom ,Jahr des Glaubens‘ und den beiden heiligen Frauen Impulse ausgehen, die uns als Kirche in Deutschland tragen. Ich lade Sie ein, dass Sie von den Erfahrungen hier in Rom daheim in Ihren Bistümern und Gemeinden erzählen und dass Sie sie lebendig werden lassen.“

    Direkt zu Beginn seiner Predigt auf dem Petersplatz hatte Papst Benedikt darauf hingewiesen, dass die neuen Heiligen auch etwas mit der laufenden Synode über Neuevangelisierung zu tun hätten. Der „Stil“ der Glaubensboten sei es, Jesus Christus ähnlich zu werden und seinem Leben zu folgen. Das gelte sowohl für die Mission ad gentes als auch für die neue Evangelisierung in den Gebieten, in denen das Christentum schon seit langem bestehe. Es kommt in diesen Tagen vieles in Rom zusammen, was innerlich zusammengehört: Das „Jahr des Glaubens“, die Bischofssynode, die Erinnerung an das letzte Konzil. Drei eindrucksvolle Gottesdienste mit dem Papst in kurzer Abfolge waren Ausdruck dieser Bündelung. Die dürren Tage des Sommers, in denen es immer nur um „Vatileaks“ ging, scheinen zu Ende zu sein. Nun geht die Synode in die Schlussphase. Und wieder kündigt sich ein großer Gottesdienst mit dem Heiligen Vater an.