• aktualisiert:

    Religionsfreiheit anerkennen

    Liebe Brüder und Schwestern!

    Liebe Brüder und Schwestern!

    Bei diesem ersten Angelusgebet des Jahres 2011 möchte ich Euch allen den Wunsch für Frieden und Wohlergehen aussprechen, einen Wunsch, den ich der Fürsprache der Allerseligsten Jungfrau Maria anvertraue, die wir heute als Gottesmutter feiern. Zu Beginn eines neuen Jahres versammelt sich das Volk der Christen im Geiste vor der Grotte von Bethlehem, wo die Jungfrau Maria Jesus geboren hat. Wir bitten die Mutter um Segen, und sie segnet uns, indem sie uns den Sohn zeigt: denn Er ist der Segen. Indem Gott uns Jesus geschenkt hat, hat er uns alles geschenkt: seine Liebe, sein Leben, das Licht der Wahrheit, die Vergebung der Sünden; er hat uns den Frieden geschenkt. Ja, Christus ist unser Friede (vgl. Eph 2, 14). Er hat das Samenkorn der Liebe und des Friedens in die Welt gebracht, das stärker ist als das Samenkorn des Hasses und der Gewalt; stärker, weil der Name Jesu über jeden anderen Namen erhaben ist, weil er die ganze Herrschaft Gottes enthält, wie der Prophet Micha verkündet hatte: „Aber du, Bethlehem ... aus dir wird mir einer hervorgehen, der ... herrschen soll... Er wird auftreten und ihr Hirt sein in der Kraft des Herrn, im hohen Namen Jahwes, seines Gottes. ... er wird der Friede sein“ (5, 1–4).

    Daher bittet die Kirche am heutigen Tag vor dem Bild der Jungfrau und Mutter Gott durch Jesus Christus um das Geschenk des Friedens: es ist der Weltfriedenstag, eine gute Gelegenheit, um gemeinsam über die großen Herausforderungen nachzudenken, die unsere Zeit der Menschheit stellt. Eine dieser Herausforderungen, die in unseren Tagen von dramatischer Dringlichkeit ist, ist die Religionsfreiheit; daher wollte ich in diesem Jahr meine Botschaft dem Thema widmen: „Religionsfreiheit, ein Weg für den Frieden“. Wir wohnen heute zwei einander entgegengesetzten Tendenzen bei, zwei Extremen, die beide negativ sind: auf der einen Seite der Laizismus, der auf häufig subtile Weise die Religion ausgrenzt und sie in die Privatsphäre verdrängt; auf der anderen Seite der Fundamentalismus, der sie hingegen mit Gewalt durchsetzen möchte. Doch: „Gott ruft die Menschheit zu sich mit einem Plan der Liebe, der den ganzen Menschen in seiner natürlichen und geistlichen Dimension einbezieht und zugleich eine Antwort in Freiheit und Verantwortung erwartet, die aus ganzem Herzen und mit der ganzen individuellen und gemeinschaftlichen Existenz gegeben wird“ (Botschaft, 8). Dort, wo die Religionsfreiheit wirklich anerkannt wird, ist die Würde der Person in ihrer Wurzel geachtet, und durch eine ehrliche Suche nach dem Wahren und Guten werden das moralische Gewissen gefestigt und die Institutionen sowie das zivile Zusammenleben gestärkt (vgl. ebd. 5). Daher ist die Religionsfreiheit der bevorzugte Weg, um den Frieden zu schaffen.

    Liebe Freunde, richten wir erneut den Blick auf Jesus, in den Armen Marias, seiner Mutter. Wenn wir Ihn anschauen, den „Fürsten des Friedens“ (Jes 9, 5), begreifen wir, dass der Friede weder durch Waffen noch durch die Macht der Wirtschaft, der Politik, der Kultur oder der Medien herbeigeführt werden kann. Der Frieden ist ein Werk der Gewissen, die sich der Wahrheit und der Liebe öffnen. Möge Gott uns im Neuen Jahr, das er uns zu leben schenkt, helfen, auf diesem Weg fortzuschreiten.

    Die Pilger deutscher Sprache begrüßte der Papst mit den Worten:

    Einen frohen Neujahrsgruß richte ich an alle deutschsprachigen Pilger und Besucher. Gerne heiße ich heute die Sternsinger aus Mainz willkommen und grüße mit ihnen alle, die in den Pfarreien am Dreikönigssingen teilnehmen, um den Menschen das Ereignis der Geburt Christi zu künden. Es ist eine Botschaft der Freude und des Friedens für die ganze Welt. Gott will bei den Menschen sein. In seinem menschgewordenen Sohn wendet Gott uns sein Angesicht zu und schenkt uns Heil. So bitten wir ihn um seinen Segen und wollen dieses neue Jahr im Namen des Herrn beginnen. Gott geleite euch auf allen Wegen.

    Übersetzung aus dem Italienischen

    von Claudia Reimüller